Mit überqualifizierten Mitarbeitern doppelt profitieren
#Recruiting | Barbara Oberrauter

Zu gut für den Job

Warum überqualifizierte Bewerber die Besten sind

Mehr als 15 Prozent: So viele Menschen arbeiten aktuellen Zahlen des deutschen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge unterhalb ihres Qualifikationsniveaus. Besonders gut ausgebildeten Frauen bleiben unter ihren Möglichkeiten. Unvorsichtige Personalverantwortliche lassen deren Bewerbungen gerne mal auf den Absagestapel wandern, oft aus Angst vor erhöhten Gehaltsforderungen oder der Befürchtung, dass sich der hochqualifizierte Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz schnell langweilt.

Überqualifizierte Bewerber als echter Gewinn

Dabei können überqualifizierte Mitarbeiter ein echter Gewinn für Unternehmen sein, zeigt eine aktuelle Studie. In Untersuchungen eines chinesisch-amerikanisches Forscherteams, veröffentlicht im Academy of Management Journal, erhielten sowohl überqualifizierte Lehrer als auch Facharbeiter in einer Spielzeufabrik von ihren Vorgesetzten Bestnoten – und engagierten sich zum Teil weit über die klassische Jobdescription hinaus, etwa im Rahmen von freiwilligen Veranstaltungen, experimentellen Lehrmethoden oder neuen technologischen Ideen.

Drei Typen von Überqualifizierten

Drei Typen von Überqualizierten sind es, die sich auf Jobausschreibungen unter ihrem Niveau bewerben, sagt der Karrierecoach Bernd Slaghuis: Zum einen der Tiefstapler, dem seine Überqualifizierung für die Stelle gar nicht bewusst ist und der seine Erfahrungen und Fähigkeiten unterschätzt. Der Downshifter hingegen kennt seine Qualifikation genau – und entscheidet sich bewusst für eine Stelle unter seinen Fähigkeiten, weil er im Job kürzer treten will oder mehr Zeit für Familie oder Privatleben haben möchte. Die dritte Kategorie der Überqualifizierten schließlich besteht aus Unwissenden, die die Anforderungen höher bewerten, als sie tatsächlich sind.

Unternehmen profitieren von Überqualifizierten gleich dreifach

Unternehmen, die Bewerbungen von solchen Personen nicht gleich verwerfen, profitieren gleich dreifach: Überqualifizierte Mitarbeiter lernen schnell, arbeiten effektiv und können sich schnell auf neue Umstände einstellen. Sie brauchen weniger Unterstützung im Tagesgeschäft, lange Einschulungsphasen fallen weg. Und nicht zuletzt bringen überqualifizierte Bewerber mit herausragenden fachlichen Qualifikationen einen neuen, wertvollen Blickwinkel und Insiderwissen mit ins Unternehmen – wenn man sie lässt.

Überqualifizierte wollen mitbestimmen

Voraussetzung dafür, dass sich eine überqualifizierte Person an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlt, ist die Möglichkeit, ihre Position zumindest in Teilen selbst gestalten und mitbestimmen zu können. Da Überqualifizierte mit ihrer Arbeit schneller fertig sind als andere, brauchen sie die Freiheit, die so gewonnenen Freiräume kreativ nutzen zu können. Job Crafting auf hohem Niveau – wenn sich hochqualifizierte Leute in ihrem Job ausleben können, entstehen oft innovative Ideen und Produkte, die dem Unternehmen mehr bringen als bloße Pflichterfüllung. Mit einer offenen Gesprächskultur können so neue Erkenntnisse für die eigene Arbeits- und Denkweise gewonnen werden und von neuen Perspektiven und Herangehensweisen Arbeitsabläufe nochmal genauer unter die Lupe genommen. Und davon profitieren schlussendlich alle: Belegschaft, Vorgesetzte, Unternehmen – und der neue, überqualifizierte Mitarbeiter.

Bildnachweis: istockphoto.com / eclipse_images



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.






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