Zeitversetzte Videointerviews
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Zeitversetzte Videointerviews

Für mehr Fairness im Recruiting?

Diversity, auf Deutsch Vielfalt, ist seit Jahren aus der Unternehmenskommunikation nicht mehr wegzudenken. Sei es hinsichtlich Alter, Herkunft oder Geschlecht der Bewerber, moderne Unternehmen tun gut daran, verschiedene Blickwinkel und Lebensgeschichten willkommen zu heißen. Firmen profitieren nicht nur im täglichen Arbeitsalltag von vielfältigen Erfahrungshorizonten, Studien bestätigen sogar, dass sich die Vielfalt auf den finanziellen Erfolg eines Unternehmens auswirkt.

Was in der Theorie ansprechend klingt, ist in der Praxis der Bewerberauswahl noch mit einigen Hürden verbunden. Herkömmliche Entscheidungsmuster und Gewohnheiten führen dazu, potentielle Talente fälschlicherweise abzulehnen und wichtige Potenziale zu verschenken. Studien zufolge haben etwa Bewerber mit türkisch klingenden Namen eine zehn Prozent geringere Chance, aufgrund ihrer Bewerbungsunterlagen zu einem Gespräch eingeladen zu werden. Andere Untersuchungen belegen, dass Stereotype und Vorurteile unbewusst das Urteil der Interviewer verzerren können.

Um zu verhindern, dass Kandidaten nicht vorschnell aus dem Bewerbungsprozess fallen, weil in der Auswahl Stereotype und Vorurteile eine größere Rolle spielen als tatsächliches Können und Leistung, setzen immer mehr Unternehmen auf moderne Interviewmethoden. „Das grundlegende Paradigma der Personaldiagnostik besteht darin, eine Passung zwischen Bewerbereigenschaften und Stellenanforderungen herzustellen. Dies macht es schlicht zwingend erforderlich, Kriterien abzuleiten, die Aufschluss darüber geben, ob ein Bewerber für die Stelle geeignet ist oder nicht“, schreibt Falko Brenner von der viasto GmbH.

Das Unternehmen aus Deutschland hat mit seiner Software interview suite ein Tool für zeitversetzte Videointerviews auf den Markt gebracht. Eine Untersuchung der Humboldt Universität Berlin stuft das Verfahren als äußerst effizient ein. Matthias Ziegler, Leiter der Studie: „Es ist erstaunlich, dass die Fairness in der Bewertung der Videos insgesamt so hoch war. Es gab im Grunde überhaupt keinen verzerrenden Effekt durch das Geschlecht oder den Migrationshintergrund eines Kandidaten.“

200 Teilnehmer mussten männliche und weibliche Kandidaten bewerten, die entweder deutschen oder türkischen Hintergrund hatten. „Die Teilnehmer an der Studie [beurteilten] die Kandidatenleistung einwandfrei und ließen sich nicht durch äußere Einflüsse wie das ‚fremdländische‘ Aussehen eines Bewerbers irritieren“, sagt Ziegler.

Internationale Studien geben dem Erfolgsmodell zeitversetzte Videointerviews recht: Ein dreimonatiges Forschungsprojekt des internationalen HR-Beraters Metashift kam zu dem Schluss, dass Unternehmen, die Bewerber bereits mittels Video vorab auswählen, nur Positives über den Prozess zu berichten hätten. Auch die Kandidaten seien begeistert, schreibt Matt Alder von Metashift: „Die Reaktion der Bewerber war generell sehr positiv. In bestimmten Branchen herrscht sogar das Gefühl vor, dass Kandidaten von Unternehmen erwarten, ihr Personal mittels Videointerviews zu rekrutieren.“

Dabei ist Videointerview nicht gleich Videointerview. Ob man Kandidaten zu Video-Konferenzen mit der weit entfernt sitzenden Konzernzentrale ins Office bittet oder via Skype mit dem potentiellen Mitarbeiter telefoniert, all das findet technologievermittelt und nicht im Face-to-Face-Kontakt statt. Zeitversetzte Videointerviews haben so Experten den Vorteil der Standardisierung. „Diese Methode bietet eine einfache und effiziente Möglichkeit der Personalauswahl, wo Bewertungskriterien definiert werden, der Prozess strukturiert ist und der Koordinationsaufwand gänzlich entfällt“, erläutert Falko Brenner.

Ein weiteres Plus: Der direkte Vergleich der Bewerber ermöglicht einen schnelleren Auswahlprozess. Für Personalabteilungen, in denen die Zeit hinten und vorne nicht reicht, ein gewichtiges Argument. Auch die Umwelt profitiert von der Personalauswahl via Video: Wenn die Reisekosten wegfallen, kostet das nicht nur das Unternehmen weniger, sondern schont auch die Ressourcen des Planeten. Nicht zuletzt kommen internationale Studien zu dem Schluss, dass zeitversetzte Videointerviews den Einstellungsprozess effizienter und günstiger machen und nebenbei auch noch den „cultural fit“ eines Unternehmens erhöhen.

„Ich glaube, dass wir eine Veränderung unseres Fokus im Hinblick auf Kompetenzen und Anforderungen brauchen“, wagt Matthias Ziegler einen Blick in die Zukunft. „Es wird immer seltener den Bewerber geben, der zum Zeitpunkt der Eignungsuntersuchung genau mit seinen Fertigkeiten und Fähigkeiten zu den spezifischen Anforderungen der Stelle passt.“ Um dennoch den passenden Deckel für jeden Topf zu finden, könnten zeitversetzte Videointerviews ein erster Schritt sein.

 

INFO: http://www.viasto.com/
BILDNACHWEIS: www.thinkstock.de



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