Lehrlingsrecruiting in Leobersdorf
#Employer Branding & Personalmarketing | Barbara Oberrauter

Zehn Tipps fürs Lehrlingsrecruiting

So finden auch KMU qualifizierten Nachwuchs

Qualifizierten Nachwuchs zu finden, ist für Unternehmen nicht leicht. Vor allem der Lehrlingsarbeitsmarkt ist nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels in den letzten Jahren heiß umkämpft. Große Namen wetteifern mit Fortbildungen, Goodies und Lehrlingswettbewerben um die besten Köpfe. Doch auch abseits gibt es nachahmenswerte Entwicklungen im Lehrlingsrecruiting: Daniel Bacher von der Leobersdorfer Maschinenbaufabrik in Niederösterreich verrät zehn Tipps, wie sein Unternehmen junge Talente erreicht und die Lehrlingsausbildung umsetzt.

1. Lassen Sie Ihre Lehrlinge arbeiten

Bei uns suchen sich die Lehrlinge ihre Nachfolger aus. Wir wollten etwas machen, das uns vom Rest abhebt, und haben unsere Lehrlingssuche 2010 komplett umgekrempelt. Als erstes haben unsere Lehrlinge einen schriftlichen Test für die Auswahl ausgearbeitet. In einem zweiten Schritt haben sie nach und nach die Aufgaben an unserem Recruitingtag übernommen und leiten diesen mittlerweile fast selbstständig. Sie machen mit den Bewerbern den Test, lernen sie in Einzelgesprächen kennen und führen sie anschließend durch den Betrieb.

2. Hören Sie sich mehrere Meinungen an

Wir haben drei Auswahlstufen: An unserem Auswahltag benoten unsere Lehrlinge nach dem ersten Kennenlernen die Bewerber nach einem Punktesystem. Zusätzlich zu dieser Empfehlung geben der Lehrlingsbetreuer und ich unseren persönlichen Eindruck dazu. Die Besten schicken wir nochmal extern zu einem Fähigkeitstest. Bei diesem geht es darum, ob der Bewerber oder die Bewerberin die fein- bzw. grobmotorischen Fähigkeiten für den gewählten Beruf hat.

3. Setzen Sie auf jugendliche Eigenverantwortung

Wer bei uns beginnt, ist vom ersten Tag an Teil des Teams. Unsere Lehrlinge fühlen sich für die Leute verantwortlich, die sie selbst ausgesucht haben. Wir müssen niemandem sagen, bitte passt auf den oder die Neue auf ? das machen die von ganz alleine.

4. Erzählen Sie, wer Sie sind

Wir haben festgestellt, dass die Lehrer in den Schulen nicht wissen, was bei uns gemacht wird. Daher haben wir seit fünf Jahren ein Schulbesuchsprogramm: Lehrlingsbetreuer erklären in Hauptschulen und Polys, was junge Leute bei uns lernen und tun können. Viele Leute glauben, dass es bei uns im Betrieb dreckig und laut zugeht und unsere Mitarbeiter den ganzen Tag schwere Sachen tragen. Gerade Mädchen lassen sich davon abhalten, sich bei uns zu bewerben. Wir versuchen, mit Aufklärung dagegenzuhalten: Es geht bei uns nicht darum, dass ihr 200 Kilo heben könnt. Viel wichtiger ist, dass ihr genau arbeitet und mitdenkt.

5. Schicken Sie Ihre Lehrlinge ins Feld

War bringt es, wenn ich mich gemeinsam mit dem Lehrlingsausbilder an den Messestand stelle, sich aber keiner der jugendlichen Besucher für uns interessiert? Wir beschicken seit 2010 sämtliche Lehrlingsmessen nahezu ausschließlich mit Lehrlingen. Warum? Weil sie unseren Besuchern aus erster Hand mitgeben können, was bei uns passiert und mit was sie bei uns rechnen können.

6. Zeigen Sie Ihre ungeschönte Seite

Wir versuchen unsere Lehrlinge dahingehend zu motivieren, ihr Arbeitsleben auf Fotos festzuhalten. Damit haben wir mehr Engagement und authentische Bilder, die für soziale Kanäle zur Verfügung stehen. Bewerber bekommen einen guten Eindruck, was wir tun und welche Projekte es bei uns gibt. Für uns ist jeder, der mit unserer Firma zu tun hat, ein Multiplikator: Lehrlinge, Bewerber, Eltern, Lehrer und Messebesucher. Denen möchten wir kein geschöntes Bild zeigen, sondern das Leben so schildern, wie es ist. Wir sind keine Mogelpackung.

7. Kreative Ansätze sparen Geld

Unser Budget für Recruitingmaßnahmen beträgt null Euro. Da muss man es schaffen, mit möglichst geringem Aufwand Personal- und Lehrlingsmarketing zu betreiben. Daher müssen unsere Ideen besser sein als die der anderen. Das Resultat dieser Anstrengungen: Ein Anstieg der Lehrlingsbewerbungen um das fünffache ? innerhalb von vier Jahren.

8. Setzen Sie auf Mundpropaganda

Wir fordern alle Lehrlinge auf, nach ein, zwei Jahren bei uns im Betrieb eine öffentliche Bewertung unserer Firma im Netz zu hinterlassen. Das zieht seine Kreise. Gerade für uns in einer eher ländlichen Region ist das wichtig: Wir rekrutieren in einem relativ engen Einzugsbereich.

9. Vertrauen Sie Ihren Lehrlingen

Wir wollen unserem Nachwuchs die Möglichkeit geben, sich zu beweisen. Sie sollen lernen, mit Verantwortung umzugehen ? für sich selbst und für ihre Nachfolger. Das hat zwei Effekte: Zum einen sehen wir, dass sich unsere Lehrlinge immer wieder gegenseitig im Sinne eines positiven Wettbewerbs pushen. Außerdem können so bei uns alle Probleme innerhalb der Gruppe gelöst werden. Unsere jungen Leute treten als Team auf. Wir stellen Rahmenbedingungen und bieten ein Auffangnetz, wenn doch mal was schiefgeht.

10. Reden Sie mit den Eltern

Bei unserem Lehrlingscasting laden wir nicht nur interessierte Jugendliche ein, sondern auch ihre Eltern. Auch wenn das komisch klingt: So lernen Eltern gleich unseren Betrieb kennen. Außerdem haben wir einen konkreten Ansprechpartner, sollte es in der Lehrzeit Probleme geben. Der Blick in die Zukunft bestätigt: Es gibt weniger Eltern, die ihre Kinder für eine Lehre motivieren. Unser Ziel: Auf Eltern als Meinungsmultiplikatoren zu setzen und sie in das Recruiting mit einzubeziehen.

INFO:

http://www.lmf.at/



Verwandte Artikel






Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.