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#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Working Mums

Töchter von working mums verdienen besser

Working Mums – Mütter, die arbeiten, vernachlässigen ihre Kinder, dieses Vorurteil widerlegt eine Harvard-Studie. Nach der Geburt eines Kindes ist es für Frauen oftmals schwierig ins Berufsleben zurückzukehren. Unabhängig von der Familienplanung arbeitet jede zweite Frau in Österreich in einer Teilzeit Funktion. Auch nach der Elternkarenz bleibt oft nur die Möglichkeit als Teilzeitkraft zurückzukommen. Speziell für Frauen in Führungspositionen ist die Mutterschaft eine Herausforderung.

Verständlich ist natürlich, dass man Zeit mit dem Nachwuchs verbringen möchte. Die Karriere gänzlich an den Nagel hängen, kommt allerdings für viele Arbeitnehmerinnen nicht in Frage. Doch wie wirkt sich die mütterliche Erwerbstätigkeit auf Töchter und Söhne aus? Dieser Frage ging ein amerikanisches Forscherinnenteam rund um Kathleen McGinn von der Harvard University nach.

Traditionelle Rollenbilder

Täglich verlassen Millionen Mütter rund um die Welt ihre Kinder, um ihrer Arbeit nachzugehen. Geplagt von schlechten Gewissen und konfrontiert mit gesellschaftlichen Vorurteilen. Frauen, die trotz Kinder Vollzeit arbeiten, gelten oft als Rabenmütter. Männer, die nach der Geburt ihres Kindes, Teilzeit arbeiten möchten, sind hingegen nach wie vor eine Minderheit.

Einer US-amerikanischen Studie zur Folge glauben etwa 51% der befragten Männer und Frauen, dass sich die Anwesenheit der Mutter auf die Entwicklung des Kindes positiver auswirkt, als ihre Abwesenheit. Jedoch nur 8% sind der Meinung, dass auch die Anwesenheit des Vaters für eine positive Entwicklung wichtig ist. Traditionelle Geschlechterrollen der Hausfrau einerseits und des Brötchenverdieners andererseits wirken also immer noch in unseren Köpfen.

Töchter von working mums verdienen besser

Kathleen McGinn und ihr Team haben Daten aus 24 Ländern gesammelt, darunter auch Österreich. Sie wollten wissen, wie sich die Erwerbstätigkeit von Müttern auf Geschlechterungleichheiten in der Arbeit und zuhause auswirkt. Die Ergebnisse widerlegen ein weitverbreitetes Vorurteil. Denn laut Studie haben Töchter von berufstätigen Müttern steilere Karrieren, höhere Gehälter und gleichberechtigtere Beziehungen, als Töchter, deren Mütter Hausfrauen sind.

Töchter, deren Mütter also berufstätig waren gehen mit höherer Wahrscheinlichkeit im Erwachsenenalter selbst einer Erwerbstätigkeit nach und machen eher Karriere. Ihre wöchentliche Arbeitszeit ist durchschnittlich länger und sie verdienen um etwa 4% mehr, als Mädchen, deren Mütter im Haushalt waren. Darüber hinaus verbringen erwachsene Töchter von „working mums“ weniger Zeit mit Haushaltsarbeit und der Betreuung von Familienangehörigen. Bei Männern wurden zwar keine Auswirkungen auf ihren Karriereverlauf festgestellt, allerdings auf ihr Verhalten zuhause. So zeigt sich bei Söhnen, mit berufstätigen Müttern, dass sie durchschnittlich mehr Stunden in der Woche mit Hausarbeit verbringen und sich ausführlicher um ihre Kinder kümmern.

Vorurteile widerlegen

Die Kinder von berufstätigen Müttern legen also mehr wert als Gleichberechtigung, als jene von Hausfrauen. Die Töchter haben auch ein höheres Ausbildungsniveau, finden schneller einen Job und machen eher Karriere. Womit hat das zu tun? „Meinungen über Geschlechterrollen werden meist durch Sozialisierung innerhalb der Familie weitergegeben“, schreiben die Studienautorinnen. Was Eltern vorleben ist bewusst oder unbewusst unsere Normalität. „Die Studie zeigt auf, dass nicht-traditionelle Rollenbilder Geschlechterverhältnisse sowohl im Berufs- als auch im Privatleben beeinflussen können“, erklären die Forscherinnen.

Die Wissenschaftlerinnen sind überzeugt: „Unsere Ergebnisse widerlegen das herrschende Vorurteil, dass Mütter, die arbeiten ihre Kinder vernachlässigen“. Dadurch erhoffen sie sich, dass in Zukunft das gesellschaftliche Verständnis und die Akzeptanz für junge Mütter, die wieder ins Berufsleben einsteigen wollen, steigen. Nicht zuletzt haben die „working mums“ Vorbildfunktion für ihre Töchter und Söhne. Diese sehen, wie ihre Eltern, Mütter, Väter täglich ihr Leben gestalten und Entscheidungen treffen. Denn: „Wenn Kinder die Möglichkeit haben Menschen zu sehen, die jeden Tag aufs Neue berufliche und private Entscheidungen treffen, hilft ihnen das, ihre eigenen vielfältigen Möglichkeiten ein erfülltes Leben zu führen, abzuwägen“, schließen die Autorinnen der Harvard Studie.

Bildnachweis: www.istockphoto.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.