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#Employer Branding & Personalmarketing | Andrea Heider

Work-Life-Blending

Arbeit immer und überall?

Work-Life-Blending: Von der Work-Life-Balance hin zum Work-Life-Blending – damit ist die zunehmende Verschmelzung von Berufs- und Privatleben gemeint. Arbeiten wann und wo wir wollen, ist das Motto. Arbeiten auch am Feierabend und im Urlaub, dafür private Angelegenheiten innerhalb der Arbeitszeit erledigen, mal länger Mittagspause machen, dann allerdings zuhause nochmal den Computer aufdrehen und Arbeit für die Firma erledigen. Home-Office oder Kaffeehaus, Südseeinsel oder entspannt am See liegen – dem Konzept von Work-Life-Blending zufolge ist Arbeit immer und überall möglich, der Digitalisierung sei Dank.

In der Tat: Viele junge Arbeitnehmer, insbesondere Angehörige der Generation Y, sehnen sich nach mehr Selbstbestimmung und Flexibilität im Arbeitsleben. Sie erwarten sich dadurch eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben und mehr persönliche Freiheiten. Schluss mit Stechuhr-Mentalität, her mit Flexibilität. Doch ist das wirklich so? Was sich auf den ersten Blick vielversprechend anhört, kann auf den zweiten Blick auch als trendige Methode der Selbstausbeutung verstanden werden. Hält sich bei der Work-Life-Balance noch die Balance zwischen Work und Life, so vermischen sich Work und Life beim Work-Life-Blending immer mehr – jedoch zugunsten der Arbeit, wie Kritiker meinen.

Work-Life-Blending als Stressfaktor

Der Trend geht also in Richtung Flexibilisierung. Dabei geht es darum, ein Arbeitszeitmodell zu entwickeln, dass sich an den individuellen Bedürfnissen jedes Einzelnen orientiert. Manch einer arbeitet lieber zeitig in der Früh, andere wiederrum sind eher am Abend leistungsfähig. Ein Extremfall ist bestimmt Google: Mitarbeiter arbeiten nicht nur bei Google, sie leben auch dort. Gearbeitet wird eigentlich 24 Stunden, jede Idee die auf dem Google Campus in Silicon Valley entsteht, gehört automatisch Google. Man trifft sich zum Frühstück, man verbringt seine Wochenenden gemeinsam. Privatleben? Gibt es nicht. Bei Google ist Arbeits- und Privatleben bereits verschmolzen. Doch möchten wir das wirklich? Bestimmt: Google ist ein innovatives Unternehmen, jedoch pflegen Googler mitunter einen Lebensstil, der nicht für Unternehmen außerhalb des Google-Mikrokosmos geeignet ist.

Einerseits ist es verständlich, dass starre Arbeitszeiten, wie es sie derzeit gibt, nicht allen liegen. Unternehmen sind dabei natürlich auch gefragt, alte Beschäftigungsmodelle zu hinterfragen, etwa die Präsenzkultur. Auf der anderen Seite ist es allerdings auch wichtig, dass Work-Life-Blending nicht in grenzenlose Ausnützung ausufert. Jeder Mensch benötigt Ruhephasen um abzuschalten und zu entspannen. Ständige Erreichbarkeit ist ein unterschätzter Stressfaktor. Daher müssen auch für diese neuen Formen des Arbeitens klare Rahmenbedingungen definiert werden. Generation Z, also junge Erwachsene, die entweder bereits ins Arbeitsleben starten oder sich noch in einer Ausbildung befinden, legen übrigens wieder Wert auf klar definierte Arbeitszeiten und Strukturen. Eine Verschmelzung von Arbeit und Privatleben ist demnach nicht in ihrem Sinne. Unternehmen sind also angehalten Arbeitszeitmodelle für unterschiedliche Personengruppen zu entwickeln – nach dem Motto: „one size fits all“ gibt es nicht.

Was wollen Arbeitnehmer?

Doch was genau wollen Arbeitnehmer eigentlich? Ist Work-Life-Blending tatsächlich so beliebt oder ein überschätzter Trend? Eine Umfrage unter 750 Akademikern des Kölner Markt- und Organisationsforschungsinstituts YouGov ergibt folgendes:

  • Bereits 22 Prozent der Befragten arbeiten einmal im Monat am Wochenende oder an Feiertagen.
  • 20 Prozent arbeiten zumindest einen Tag des Wochenendes.
  • Knapp die Hälfte der Befragten beantwortet geschäftliche Telefonate und E-Mails außerhalb der Arbeitszeiten.

Eine andere Umfrage von Talents & Trends unter etwa 600 Beschäftigten liefert diese Ergebnisse:

  • 64 Prozent der Befragten ist der Meinung, dass es nur durch strikte Trennung von Arbeit und Beruf möglich ist, keinen der Beiden Bereiche zu vernachlässigen.
  • 70 Prozent befürchten, dass bei Work-Life-Blending, eher die Arbeit in den Vordergrund rückt.
  • 40 Prozent machen durch Work-Life-Blending regelmäßig Überstunden.


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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.