Work Life Balance
#Work & Life | Team JOBnews

Work Life Balance

Wenn das Leben in Balance ist

Work Life Balance – viel zitiertes Schlagwort, aber was steckt wirklich dahinter? Für die Arbeitnehmer ist das Thema jedenfalls ein Wichtiges: Laut einer Umfrage der Johannes-Kepler-Universität steht für zwei Drittel aller befragten Absolventen der Wunsch nach einer ausgeglichenen Work Life Balance an erster Stelle, noch vor dem Wunsch nach einem intellektuell herausfordernden Job. Viele Unternehmen setzen mittlerweile Maßnahmen für eine verbesserte Ausgewogenheit zwischen Job und Freizeit, hat eine Studie der Plattform für berufsbezogene Weiterbildung erhoben. Neben flexiblen Arbeitszeitmodellen und Maßnahmen zur verbesserten Vereinbarung von Beruf und Familie wird vor allem auf Weiterbildung gesetzt, unter anderem mit Führungskräftetrainings, Gesundheitsschulungen und Seminaren zum Zeit- und Selbstmanagement der Mitarbeiter. Die Firmen versprechen sich viel davon: Neben der erhöhten Arbeitszufriedenheit soll auch das Betriebsklima verbessert sowie die persönliche Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter gesteigert werden. Können Unternehmen mit Angeboten zur Work Life Balance ihre Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen? Welche Maßnahmen erwarten sich junge Berufseinsteiger? Und welche Rolle spielen die Führungskräfte bei der viel gepriesenen Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben? Der Arbeits- und Organisationspsychologe Dr. Norman Schmid gibt im Interview mit JOBnews.at die Antworten.

Herr Dr. Schmid, Work Life Balance ist das Schlagwort der Stunde. Was kann man sich darunter konkret vorstellen?
Im Grunde ist die Work Life Balance wie ein Rad mit verschiedenen Achsen zu sehen: Da gibt es Beruf und Privatleben, das noch mal unterteilt ist in Familie, Partnerschaft, Hobbies und Sozialkontakte. Wenn wir von Work Life Balance sprechen, darf man nicht vernachlässigen, dass wir auch im Privatleben Leistungen erbringen, etwa unentgeltliche Arbeit wie Hausarbeit, Erziehungsarbeit oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Das ist nichts, wo man sich erholt und regeneriert, sondern kostet mitunter viel Kraft. Andererseits kann Arbeit auch Energie liefern, wenn sie befriedigend und erfüllend ist.

Arbeit als Energielieferant? Braucht es dafür bestimmte Voraussetzungen?
Ganz wichtig ist, dass man eine Arbeit findet, die wirklich zur eigenen Persönlichkeit, seinen individuellen Interessen und Fähigkeiten passt. Ein Beruf mit viel Geld wird auf Dauer nicht funktionieren, weder von der Arbeitszufriedenheit noch von der Leistung her. Wenn ich hingegen etwas tue, wo ich mich verwirklichen kann, dann kann ich auch viele Jahre Freude an der Arbeit haben und über eine sehr lange Zeit ein sehr hohes Leistungsniveau halten. Konsequenterweise sollten sich Unternehmen, Personalverantwortliche und Führungskräfte darum kümmern, dass ihren Mitarbeitern die Arbeit auch Freude macht.

Wie kann man die Freude an der Arbeit denn erhöhen?
Wichtig ist zunächst die ideale Position für jeden Mitarbeiter. Man sollte sich genau überlegen, wo passt der gut hin. Jemanden, der eher extrovertiert ist, kann ich beispielsweise gut im Front Office einsetzen, stillere Mitarbeiter fühlen sich da vielleicht nicht so wohl. Wichtig sind auch individuelle Karrierewege und Laufbahnen: Es muss nicht jeder in fünf Jahren Abteilungsleiter sein, aber man sollte darauf schauen, dass sich der Mitarbeiter entwickeln kann und an seiner Tätigkeit auch Freude hat. Vor allem die Generation Y legt da großen Wert drauf, sie wollen einerseits etwas Sinnvolles machen, sich andererseits aber auch entwickeln können.

Wie muss Arbeit organisiert sein, die eine ausgeglichene Work Life Balance ermöglicht?
Es muss einen gewissen Handlungsspielraum für jeden Mitarbeiter geben. Man muss den Leuten zugestehen, dass jeder seinen individuellen Arbeitsrhythmus hat. Ein Morgenmuffel könnte zum Beispiel erst später kommen und dafür länger bleiben. Auch bei der Bürogestaltung sollten die Angestellten ein Wörtchen mitzureden haben: Es gibt Personen, die im Einzelbüro verkümmern und schlechte Arbeit leisten, andere wiederum arbeiten lieber alleine, weil sie sich im Großraumbüro zu sehr ablenken lassen. Und natürlich gehören auch Pausen zur Work Life Balance dazu.

Inwiefern?
Gerade die jungen, motivierten Mitarbeiter laufen oft Gefahr, schon in frühen Jahren in ein Burnout hineinzurutschen, weil sie glauben, es wird von ihnen erwartet, dass sie rund um die Uhr arbeiten. Die übersehen, dass sie sich regenerieren müssen, um wieder leistungsfähig zu sein. Das kann zum Beispiel eine Mittagspause sein, in der man den Arbeitsplatz verlässt, oder ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft, um den Kopf durchzulüften. Gerade hier sollten Unternehmen aufpassen, dass die Leute auch wirklich ihre Pausenzeiten nehmen und sich nicht überfordern.

Was können Unternehmen und Führungskräfte tun, damit ihre Mitarbeiter ausgeglichener sind?
Es gibt den so genannten situativen Führungsstil. Da geht es darum, auf jeden Mitarbeiter individuell einzugehen und zu schauen, was er braucht. Wer neu ist, braucht vielleicht mehr Unterstützung und Feedback, jemanden, der sich schon gut auskennt, kann man auch mal laufen lassen. Für die psychische Gesundheit meiner Mitarbeiter ist auch Wertschätzung und Unterstützung ganz wichtig. In Richtung Burnout-Prävention und Stressmanagement kann man Workshops anbieten, die in der Regel von den Mitarbeitern ganz gerne mitgemacht werden. Es muss vom Unternehmen aber auch ernsthaft vermittelt werden, dass man ein Interesse am Mitarbeiter hat und daran, dass er gesund bleibt. Sonst ist die ganze Aktion nur ein Deckmäntelchen.

Kann ich auch selbst konkreten Maßnahmen setzen, um meine Work Life Balance im Gleichgewicht zu halten?
Auf jeden Fall sollten Sie aufpassen, dass Sie nicht zu viele Überstunden haben. Phasenweise ist das okay, aber auf Dauer zehn Überstunden pro Woche sind zu viel. Für die Freizeit sollte man sich bewusst Zeit nehmen und sich aktiv erholen, zum Beispiel Freunde treffen, sich bewegen oder Hobbies nachgehen. Am Arbeitsplatz selbst kann Entspannungstraining helfen, kurz mal abzuschalten und sich zu erholen. Sich immer wieder Pausen nehmen und nicht acht Stunden am Stück durchzuarbeiten, ist auch wichtig. In den allermeisten Berufen ist es möglich, sich kurz was zu Trinken zu holen oder ein paar nette Worte mit den Kollegen zu wechseln. Arbeit ist ja auch ein sozialer Austausch. Und je netter der Kontakt ist, desto wohler fühle ich mich in der Arbeit.

Was haben die Unternehmen davon, wenn die Mitarbeiter ein ausgeglichenes Leben führen?
Um es ganz simpel zu sagen: Gute Mitarbeiter. Pausen und Freizeit sind nicht der Feind der Arbeit, sondern das, was ein Unternehmen am Laufen hält und für die Mitarbeiterbindung sorgt. Gerade dort, wo es um Innovationskraft und technisches Know-How geht, muss man aufpassen, dass die Work Life Balance für die Mitarbeiter gewährleistet ist, damit sie bleiben. Das fordert speziell die jüngere Generation vehement ein: Wenn sie nicht genug Unterstützung und Wertschätzung erfahren, sind sie im Nullkommanix bei einer anderen Firma.

 

Info: http://www.worklifebalance.at/
Buchtipp: Norman Schmid: „Mein Weg in die Entspannung. Ausgeglichen, beschwerdefrei und leistungsfähig.“ maudrich Verlag 2013, 192 Seiten, 22 Euro, ISBN 978-3-85175-978-5

Autor: Barbara Oberrauter
Bildnachweis: www.thinkstock.de



Verwandte Artikel






Team JOBnews
Team JOBnews

Das StepStone Marketingteam schreibt über neue und wichtige Themen sowie Trends im Online-Recruiting. Mit den beiden Jobbörsen www.stepstone.at und www.unijobs.at gehört Stepstone Österreich zu den wichtigsten Jobbörsen in Österreich.