Wording im HR
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Wording im HR

Wie HR mit frischen Texten punkten kann

Neue Texte braucht das Land: Vor allem im Personalwesen wird immer noch mit veralteten Floskeln und unpersönlichen Formulierungen um sich geworfen. Wie HR seine Texte einladender gestalten kann und warum das zu einer besseren Beziehung zur Belegschaft beitragen kann, erklärt Sabine Hödl von der Textagentur wortwelt im Interview zum Thema „Wording im HR“.

JOBnews.at: Frau Hödl, warum braucht es in HR überhaupt neue Texte?

Sabine Hödl: Das schlimmste, was im HR-Bereich passieren kann, ist, wenn die Mitarbeiter Dinge nicht verstehen, die kommuniziert werden. Der HR-Bereich ist geprägt von Juristendeutsch. Das ist eine ganz spezielle Sprache mit vielen Fachbegriffen und langen Sätzen – insgesamt nicht sehr verständliches Deutsch. Die HR-Abteilungen brauchen Verständnis dafür, dass Kommunikation lesefreundlich sein muss. Wenn Dienstvertrag oder Richtlinien nicht zum Lesen einladen, werden sie auch nicht gelesen und können daher auch nicht befolgt werden.

Wie kann man HR-Texte besser gestalten?

Eine Umstellung geht sicher nicht von heute auf morgen. Ein erster Schritt wäre, dass man sich einmal zusammensetzt und überlegt, wie wollen wir wahrgenommen werden, wie sollen HR-Texte prinzipiell ausschauen, was ist uns wichtig? Hat man sich auf einen bestimmten HR-Stil geeinigt, kann man Bereich für Bereich abarbeiten und umstellen.

Um welche Bereiche geht es da im Konkreten?

Sabine Hödl zu Wording im HR

Sabine Hödl im JOBnews Interview zum Thema Wording im HR

Das erstreckt sich über den gesamten Lebenszyklus von einem Mitarbeiter. Angefangen von Recruiting-Texten und Jobinseraten über Karriere-Homepages, Dienstverträge und Firmenrichtlinien bis hin zu Internet-Texten, Zielvereinbarungen und Informationen zum Mitarbeitergespräch. Auch alle Briefe, die aus HR rausgehen, sollten auf ihr Wording hin überprüft werden, zum Beispiel wenn man eine Gehaltserhöhung kommuniziert oder zu Karenzantritt oder Beförderung informiert.

Könnte man dabei auf Erfahrungswerte zurückgreifen?

Man muss sich zunächst einmal bestehende Texte kritisch anschauen und analysieren, was gut ist und was weniger gut ankommt. Dann kann man sich überlegen, welches Image und welche Werte wollen wir als HR-Abteilung vermitteln? Das ist oft auch die Schnitttelle zum Employer Branding, weil da die Werte definiert werden. Diese sollte man auch in die Kommunikation der HR-Abteilung einbauen. Employer Branding hat ja auch damit zu tun, wie ich mit meinen Mitarbeitern umgehe und wie ich mit ihnen kommuniziere.

Wie sehen die perfekten HR-Texte denn nun genau aus?

Man kann sich da gute Anregungen aus der Kommunikations- oder Marketingabteilung holen. Die haben in Punkto Textfrische oft ein großes Know-How. Natürlich dürfen HR-Texte nicht zu werblich wirken, aber Beamtensprache und Juristendeutsch gehören eindeutig aus HR-Texten raus. Generell sollten Texte einfach lesbarer, frischer und natürlicher geschrieben werden.

Warum sollte man auf klassische  HR-Stehsätze verzichten?

Vor allem Dienstverträge sprühen nur so vor Floskeln, aber auch Jobinserate werden oft nach ein und demselben Schema F formuliert. Solche Sätze sind überhaupt nicht dafür gedacht, die Kommunikation anzuregen, sondern bauen eher Hürden auf. Mit einer neuen Sprache macht sich HR auch ein Stück weit zugänglicher. Darum profitiert HR-Abteilung auch selbst sehr davon, wenn sie Texte ändert. Sie kann sich so mehr als Partner und als Gestalter positionieren und nicht nur als Verwalter.

Eine neue Sprache als Türöffner für HR?

Kommunikation muss niedrigschwellig sein. Wir leben oft noch nach dem alten Kompetenzbegriff, wonach ein Schriftstück umso wertvoller ist, je komplizierter es formuliert wurde. Mit den klassischen Büro-Floskeln beeindruckt man heute aber niemanden mehr, dafür sind die Mitarbeiter einfach zu mündig. Wir raten in unseren Workshops immer, einfach so zu kommunizieren, wie man auch am Telefon sprechen würde. HR braucht eine kommunikative Open door-Policy, um offen für die Mitarbeiter zu sein, aber auch aktiv auf diese zuzugehen und sie in allen Lebenslagen des Arbeitsalltags zu unterstützen.

Wie könnte das konkret aussehen?

Im Falle einer Schwangerschaft bekommen Frauen beispielsweise einen Brief, dass sie keine Überstunden mehr machen dürfen. Anstatt das in fadem Juristendeutsch zu formulieren, könnte man auch zur Schwangerschaft gratulieren und dieses an sich positive Ereignis schön verpacken. Überstunden könnte man thematisieren, indem man sagt, bitte passen Sie auf sich und auf Ihre Gesundheit auf, darum bitten wir Sie, keine Überstunden mehr zu machen. Das wird von den Mitarbeitern viel eher als wertschätzend und fürsorglich empfunden als der trockene juristische Text. Auch für Rückfragen zu Karenzmodellen etc. könnte man sich dabei gleich zur Verfügung stellen. Damit bringt man ein Stück Verbindlichkeit in diese Texte – und stellt dadurch gleichzeitig die Nähe zu den Mitarbeitern her.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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