Wollen Frauen nicht führen?
#Leadership | Andrea Heider

Wollen Frauen nicht führen?

Frauen haben keine Lust auf Führungspositionen

Wollen Frauen nicht führen? Haben Frauen keine Lust auf Führungspositionen? Diese Fragen stellen sich Lindelpower-Geschäftsführerin Manuela Lindelbauer und Studienleiterin Helene Karmasin in der Studie „Wollen Frauen führen?“ mit dem Ziel herauszufinden, wie sich das Verhalten von Frauen im Hinblick auf das Erlangen einer Führungsposition in den letzten 10 Jahren verändert hat. Durchgeführt wurde die erste Studie bereits 2006, die Folgestudie dann 2016. Frauen planen ihre Karriere jeden Falles weniger zielstrebig als Männer, definieren sich über Soft Skills und scheitern immer noch an der Vereinbarkeit von Job und Familie .

Frauen gehen an ihre Karriere anders heran, als Männer. Für sie bedeutet Karriere viel mehr Selbstverwirklichung und sie planen Karriereschritte weit weniger bewusst als Männer. Das ernüchternde Fazit der Studie ist jedoch: Das Streben nach Führungspositionen hat sich in den letzten 10 Jahren fast gar nicht verändert und dies trotz zahlreicher Förderungsprogramme, Transparenz und Bewusstmachungsarbeit. Frauen haben demnach also einfach weniger Lust auf eine Führungsposition im Unternehmen, als ihre männlichen Kollegen. Was ist der Grund dafür, dass Frauen heute wie damals wenig Interesse an einer Führungsposition haben?

„Frauen wollen nicht im selben Ausmaß führen wie Männer“

Der sogenannte „Gender Shift“ ist laut Lindelbauer in Österreichs Führungsetagen bei weitem noch nicht angekommen. In der Tat hat sich in den letzten 10 Jahren die Situation für Frauen in Führungspositionen verbessert: So hat etwa der Einfluss von Männerbünden abgenommen und die offene Diskriminierung von Frauen nachgelassen. Lindlpower berichtet jedoch von einem anderen Problem: „Wir schaffen es oft nicht, geeignete Frauen zu motivieren, sich für die obersten Führungspositionen zu bewerben.“

Weiter ist sie der Meinung, dass man den Unternehmen mittlerweile kaum mehr Vorwürfe machen könne, da es sich bereits herum gesprochen habe, dass gemischte Führungsteams produktiver seien. Top-Managerinnen sind jedoch schwer zu finden. Lindelpower weiter: „Ich beobachte seit Jahren Frauen und ihre Karrieren und behaupte immer schon, dass Frauen mit einem völlig anderen Einstellungs- und Motivationsset im Berufsleben stehen. Ich konnte es schon mit unserer ersten Studie im Jahr 2006 belegen: Frauen wollen selbst gar nicht im selben Ausmaß führen wie Männer.“

Was hindert Frauen am Führen?

Die Gründe für die fehlende Motivation eine Führungsposition anzunehmen sind den Studienautorinnen zur Folge vielfältig: Viele Frauen arbeiten lieber in „soften Abteilungen“, für die man soziale Kompetenzen und Einfühlungsvermögen braucht, aus denen jedoch die Karriereleiter selten in die erste Führungsebene führt. Außerdem definieren sich Frauen über Soft Skills, wie etwa soziale Kompetenzen, Einfühlungsvermögen, Menschlichkeit und Nachgiebigkeit. Männer hingegen definieren sich über Hard Skills, wie etwas Selbstbewusstsein, Risikobereitschaft oder Machtorientierung. Außerdem haben Frauen weniger Selbstbewusstsein als Männer, und sie steuern weniger bewusst eine Führungsposition an.

Anders hingegen das Bild der Top-Managerinnen: Sie zeigen tendenziell mehr Selbstbewusstsein, ordnen sich sowohl Soft- als auch Hardskills zu und haben ihre Karriere bewusster angestrebt. Ein Hemmnis für Führungspositionen sind jedoch Familie und Kinder. Vor allem fehlende Kinderbetreuungsplätze und hohe zeitliche Flexibilität, die von einer Führungskraft erwartet werden, tragen nach wie vor dazu bei, dass sich Frauen mit Top-Managementpositionen schwer tun. Worauf legen Top-Managerinnen Wert? Vor allem Entscheidungsbefugnis, ein hohes Gehalt als auch ein schönes Büro haben seit 2006 für Frauen im Top-Management zugenommen. Männer sind in Führungsfunktionen tendenziell zufriedener und führen ihren Erfolg meist auf die eigene Leistung und den eigenen Ehrgeiz zurück. Frauen hingegen haben, eignen Angaben zur Folge, häufig Mentoren.

Studie:
Was wollen Frauen?
Eine Studie von Karmasin Behavioural Insights
im Auftrag von Lindlpower Personalmanagement
Bildnachweis: www.istockphoto.com



Verwandte Artikel






Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.