Wo die besten Ideen wohnen
#Leadership | Barbara Oberrauter

Wo die besten Ideen wohnen

Kreative Lösungen kommen oft von außen

Wohin gehen Manager, wenn sie im Unternehmen ein Problem lösen wollen? Fragen sie Kollegen, Vorgesetzte oder sehen sie sich im privaten Freundeskreis nach einer Lösung um? Glaubt man einer aktuellen Studie, könnte letztere Vorgangsweise die besten Lösungen zutage fördern. Denn: Gute Ideen sind oft nicht innerhalb eines Unternehmens zu finden, sondern bei branchenfremden Experten außerhalb.

Experten aus analogen Märkten wissen oft weiter

Wie die Studie des Instituts für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien in Kooperation mit der Copenhagen Business School zeigt, liegt im Zusammentreffen von Menschen unterschiedlicher Branchen ungeahntes Innovationspotential verborgen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie sich in so genannten analogen Märkten mit ähnlichen Problemstellungen bewegen. „Menschen aus analogen Bereichen sind weniger betriebsblind, sie denken unbeeinflusster von Konventionen und bereits etablierten Lösungsansätzen“, schreiben die Studienautoren um WU-Professor Nikolaus Franke.

Je größer die Distanz zwischen dem Problem und der verwandten Branche, desto höher ist der Neuigkeitswert der Ideen. Denn: Menschen, die in analogen Branchen arbeiten, beziehen ihre Ideen aus einem bislang ungeschöpften Ideenpool und sind zudem mental nicht durch bereits existierende Lösungen vorbelastet. In ihrer Studie ließen die Forscher Dachdecker, Tischler und Inlineskater an neuen Lösungen für Sicherheitskleidung arbeiten. Das Ergebnis: Jede einzelne Gruppe war besser darin, Vorschläge für eine anderen Bereich zu erarbeiten als den eigenen.

Der Blick über den Tellerrand führt zu besseren Ergebnissen

Die Wissenschafter sprechen von einem „Effekt analoger Märke“: „Es gibt eine lange Liste an Beispielen, wo verwandte Märkte kreative Lösungen hervorgebracht haben“, schreiben sie. „So etwa ein Hersteller von Aufzügen, der sich eines Konzepts aus der Minenindustrie bediente, um Aufzüge in Shopping Malls zu installieren.“

Umgelegt auf den Business-Kontext würde das bedeuten, als Unternehmen ständig in Kontakt mit verwandten Branchen bzw. externen Stakeholdern zu stehen, die vielleicht eine bessere Lösung für das eigene Problem haben als interne Mitarbeiter. Um einen solchen Ideenpool zu managen, braucht es neben sinnvoll angelegten Datenbanken auch Teams, die sich um die Übersetzung hausinterner Problemstellungen und die Kontaktaufnahme zu externen Gesprächspartnern kümmert.

Mit Innovationen von außen zum Marktführer

Damit kommen neue Herausforderungen auf Führungskräfte und Management zu: Neben der laufenden Erhebung interner Problemstellungen müssen diese übersetzt und externen Stakeholdern für Lösungsvogschläge präsentiert werden. „Wir empfehlen Unternehmern darüber nachzudenken, was die Essenz des Problems ist. Und dann zu überlegen, mit wem sie sich am besten darüber besprechen“, schreiben die Studienautoren.

Der Mut zum Blick über den Tellerrand zahlt sich aus: „Problemlöser aus analogen Märkten können auf vorhandene Lösungen für verwandte Probleme in ihrem Markt zurückgreifen, die am Zielmarkt noch nicht bekannt sind“, sagt Studienautor Nikolas Franke. Mit einer solchen Lösung sichert man sich nicht nur eine Position als innovativer Marktführer – sondern ist auch der Konkurrenz um Nasenlängen voraus.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.