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Wenn Personaler Personaler recruiten

Was Personaler heute können müssen

77 Stellenanzeigen erhält man, wenn man auf stepstone.at nach Jobs im Bereich Personalwesen sucht – und das innerhalb der letzten 14 Tage. Der Beruf des Personalers ist nach wie vor gefragt am Arbeitsmarkt. Welche Kompetenzen diese haben müssen und ob eher Generalisten oder Experten gesucht werden, unterscheidet sich aber stark. Klaus Stulle von der Hochschule Fresenius hat über 300 Online-Stellenanzeigen ausgewertet und sagt: Gesucht werden nach wie vor eher Leute mit breitem Fachwissen als Experten auf einem bestimmten HR-Gebiet.

Klaus Stulle über das Berufsbild Personaler

Klaus Stulle zu den Anforderungen an den Personaler von heute

„Gesucht wird nach wie vor der klassische Personaler, das sind in zwei Drittel der Fälle weiterhin Generalisten mit Ausbildung, die alles machen. Bei dem restlichen Drittel verteilt sich der Großteil auf Experten im Recruiting, wobei wir festgestellt haben, dass hier diejenigen vorgezogen werden, die qualifizierter sind – Stichwort Hochschulstudium. Stellen für Personalentwicklung, Vergütung und Arbeitsrecht werden am seltensten nachgefragt.“ Einen Grund, warum Human Ressources-Mitarbeiter weiterhin die eierlegende Wollmilchsau sein müssen, sehen die Autoren der Studie in den Effizienzverlusten, mit denen eine Arbeitsteilung „in Extremum“ einhergehen könnte. Zudem seien die Aufgabenbereiche teils sehr komplex – Personaler mit generellem Wissen könnten besser den Überblick behalten.

Generalisten statt Business-Partnern

Stulle: „Generalisten werden immer gebraucht, jede Firma braucht Arbeitsverträge, eine Verwaltung der Arbeitszeiten und Urlaubsanträge, das lässt sich auch bei aller Computerisierung nicht auf ein Minimum reduzieren.“ Dieses „Brot und Butter-Geschäft“ der Personaler könne jedoch auch in externe Service-Zentren „auf der grünen Wiese“ ausgelagert werden, ist der Experte überzeugt. „Für die Verwaltung braucht man nicht sonderlich qualifizierte Arbeitskräfte. Man meint hier, etwas sparen zu können. Wenn das top ausgebildete Personaler machen, ist das aber eine Verschwendung von Ressourcen.“

Ein Modell in der HR-Arbeit geistert schon seit den 90er Jahren durch den Diskurs rund um HR-Verwaltung und Personalentwicklung. Der so genannte HR-Business-Partner unterstützt das Management als dynamischer Allrounder, der in oberen Hierarchieebenen unternehmerische Entscheidungen trifft und gleichzeitig für alle operativen, personalwirtschaftlichen Prozesse verantwortlich ist. „Die Rolle des Business-Partners ist eine sehr attraktive, weil der Personaler in diesem Fall als strategischer Partner gesehen wird, der mehr auf Augenhöhe mitredet und weniger als Verwalter tätig ist“, sagt Klaus Stulle.

Auf dem Arbeitsmarkt hat das Konzpet jedoch noch nicht durchgeschlagen: Nur in rund zehn Prozent aller ausgeschriebenen Positionen sind Personaler als Business-Partner ausgewiesen. „Dies ist dadurch bedingt, dass derartig auschlaggebende Evolutionen in ganzen Berufsfeldern stets lange dauern und Akzeptanz in jedem einzelnen Fall erkämpft werden muss. Niemand mit Aufgaben der Geschäftsführung gibt gerne Kompetenzbereiche ab an einen Bereich, der lange als Verwaltungsapparat gedient hat“, erklären die Studienautoren.

Personaler müssen sich weiterbilden

Ein weiteres Probem in vielen Firmen, so Stulle: „Oft hat man einfach früheren Personaler zum Business-Partner gemacht. Wenn der aber dann in dieser neuen Funktion das Gleiche macht wie bisher schon immer, wird er dieser Rolle nicht gerecht.“ Um sich selbst als strategischer Partner zu positionieren und die „klassische“ Personalerrolle auszubauen, empfiehlt Stulle vor allem Weiterbildungen im Business- und psychologischen Bereich.

„Das ganze Fachwissen, was Personaler brauchen, wird natürlich vorausgesetzt, ebenso wie Berufserfahrung. Neu dazu kommt jetzt aber auch ein verstärktes Business-Know-How und psychologisches Hintergrundwissen, das in der Beratungskompetenz und bei der Personaldiagnostik immer wichtiger wird.“ Weniger wichtig hingegen sei eine umfassende juristische Ausbildung: In nur sechs Prozent aller Anzeigen wird dezidiert nach einer Expertise im Wirtschaftsrecht gesucht.

Hochschulausbildung zahlt sich aus

Weiter stark nachgefragt wird hingegen eine Hochschulausbildung, sei es mit einem Bachelor- oder Masterabschluss. Heraus sticht der Bereich der Wirtschaftswissenschaften (BWL, VWL, Wirtschaftswissenschaften), der mehr als die Hälftealler Anzeigen abdeckt. Auf den Plätzen folgen die Studiengänge Psychologie und Jura. „Bedingt durch die zunehmende Komplexität der Aufgaben auf höheren Hierarchieebenen und die damit verbundenen benötigten Qualifikationen erscheint es plausibel, dass das Studium ab der mittleren Hierarchieebene gefordert wird“, erläutern die Studienautoren.

Grundsätzlich, so Stulle, gebe es derzeit noch keinen Hinweis darauf, dass Personaler über Bedarf ausgebildet würden. Vor allem die IT- und Softwarebranche weist derzeit einen hohen Bedarf an qualifiziertem HR-Personal auf, so das Fazit der Untersuchung: „Dies ist bedingt durch das starke Wachstum der Branche sowie ein generelles Umdenken in Unternehmen in Richtung der Vorstellung, dass HR mehr ist als ein Kostenverursacher.“ Die Personaler der Zukunft sind also mehr als bloße Verwalter: Im Kampf um High Potentials und Talente punkten sie mit umfassenden Branchenkenntnissen und Kontakten stellen damit einen deutlichen Mehrwert für Unternehmen dar.

INFO: Die Studie im Detail kann bei Klaus Stulle von der Hochschule Fresenius direkt angefordert werden.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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