Wenn Maschinen Bewerber auswählen
#Trends im Recruiting | Andrea Heider

Wenn Maschinen Bewerber auswählen

2 Vor- und 2 Nachteile der automatisierten Bewerbung

Wenn Maschinen Bewerber auswählen – „Bitte tragen Sie Ihre Daten im Bewerbungsformular ein“. Online-Bewerbungsformulare können für Bewerber oftmals eine erste Hürde darstellen. Vor allem Berufseinsteiger ohne spezifische Erfahrung im erwünschten Tätigkeitsfeld wissen oftmals nicht, was sie in manchen vorgegebenen Feldern eintragen sollen. Darüber hinaus erscheinen einige Eingabefelder sogar unsinnig oder nicht besonders User-Freundlich.

Die Individualität eines Bewerbungsschreibens scheint durch vorgefertigte Bewerberformulare und Eingabemasken ebenfalls gänzlich zu verschwinden. Dabei liegt gerade in der Individualität auch eine große Chance ? nämlich die Chance einen positiven Eindruck zu hinterlassen und von sich zu überzeugen. Bewerbungsformulare sind also verständlicherweise bei Kandidaten nicht besonders beliebt und sorgen für Ärgernisse. Bei Personalverantwortlichen, die täglich mit einer Flut an Bewerbungen zu kämpfen haben, erfreuen sich automatisierte Bewerbungsformulare jedoch besonderer Popularität.

Automatisierte Bewerbung: 2 Vorteile

Algorithmen wissen es besser – sie wählen passende Kandidaten nach Schlagworten. Big Data lässt grüßen. Personalverantwortlichen wird dadurch Arbeit abgenommen. Aussortieren und Vorselektieren – was früher Menschen gemacht haben, wird nun von scheinbar unfehlbaren Maschinen übernommen. Das sind zwei eindeutige Vorteile der automatisierten Bewerbung:

  1.  Arbeitsersparnis: Algorithmen wählen passgenaue Kandidaten aus. Sie analysieren die eingegebenen Informationen nach Schlagworten, Qualifikationen oder auch Rahmenbedingungen für die ausgeschriebene Tätigkeit, etwa nach dem ehest möglichen Eintrittszeitpunkt des Bewerbers. Dies erspart überforderten HR-Abteilungen Zeit und Geld. Denn die Maschinen übernehmen mühsames Vorselektieren.
  2. Qualifikationen werden quantifiziert und vergleichbar gemacht. Personaler können davon ausgehen, dass sie alle notwendigen Informationen, die sie brauchen, auch bekommen. Bewerber können dann in unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden: zB A-Bewerber, also jene Bewerber, die besonders vielversprechend sind und zum Gespräch eingeladen werden; B-Bewerber, solche Kandidaten, die eventuell nachrücken können. Und eben auch C-Bewerber, die gleich ausscheiden, weil die notwendigen Qualifikationen fehlen.

Automatisierte Bewerbung: 2 Nachteile

Nun gut, Bewerberformulare sparen vor allem den Personalabteilungen Zeit und Geld. Auf Bewerberseite sieht es da jedoch anders aus. Bewerber mögen Formularbewerbungen nämlich wirklich überhaupt nicht: Individualität geht verloren und das Ausfüllen solcher Formulare ist meist ziemlich öde. Ideal wäre, wenn das Ausfüllen einer Formularbewerbung zum Highlight der Bewerbung wird und nicht zur Qual. Die Nachteile liegen daher auf der Hand:

  1. Individualität geht verloren: Kandidaten werden darauf getrimmt viele Arbeitsstunden, Professionalität und Kreativität in ihre Bewerbungsunterlagen zu stecken. Bewerbungsunterlagen erstellen kommt dabei nahezu einem Spitzensport gleich. Die passenden Qualifikationen sind mindestens genauso wichtig, wie Inhalt, Form, Foto und Aufbau einer Bewerbung. Eine Bewerbung kann dabei tatsächlich die Persönlichkeit eines Bewerbers widerspiegeln. Standardisierte Online-Bewerbungsformulare nehmen Bewerbern jedoch die Möglichkeit mit ihren ganz persönlichen Bewerbungsunterlagen zu punkten.
  2. Bewerber mögen Formularbewerbungen nicht: Es ist so! Bewerber würden am liebsten auf Formularbewerbungen pfeifen. Dies ergab auch eine Umfrage des Center of Human Resources Information Systems der Uni Bamberg, der zufolge nur knapp 9 Prozent der Bewerber Formularbewerbungen bevorzugen. Demnach könnte man meinen, dass Kandidaten auf ihrer Bewerberreise hier bereits abspringen. Das wäre doch auch schade. Doch wie kann man dem entgegenwirken: indem Formularbewerbungen ausfüllen zum Genuss wird und nicht zur Last. Vielleicht sollten auch Sie Ihr Online-Bewerbungsformular überdenken!
    Bildnachweis: www.istockphoto.com


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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.