Chefetagen
#Leadership | Barbara Oberrauter

Wenig Fluktuation in den Chefetagen

CEOs bleiben sechs Jahre in Führungsposition

CEOs im deutschsprachigen Raum können aufatmen: In den Chefetagen der 300 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz herrscht Kontinuität. Nur jeder zehnte Vorstandsvorsitzende eines deutschsprachigen Blue Chips musste im vergangenen Jahr seinen Posten zugunsten eines Nachfolgers räumen.

CEOs sitzen kürzer im Chefsessel

Zum Vergleich: In China, Brasilien, Russland und Indien musste knapp jeder Sechste CEO gehen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der „2014 Study of CEOs, Governance, and Success“ der Managementberatung Strategy&.

Die derzeit guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verstärken bei deutschsprachigen Konzernen auch den Trend zur langfristig geplanten und gut vorbereiteten Nachfolge für den Vorstandsvorsitz: 78% der Wechsel fanden aufgrund auslaufender Verträge oder festgelegter Altersobergrenzen statt. Weniger schön: Die Halbwertszeit der Vorstandsvorsitzenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz verringerte sich 2014. CEOs bleiben inzwischen durchschnittlich etwa sechs Jahre im Amt.

Neue Herausforderungen für CEOs

Trotz der relativen Stabilität in den Vorstandsetagen stehen Führungsspitzen über alle Branchen hinweg vor großen Umwälzungen. „In den kommenden Jahren werden die Weichen für die digitale Zukunft gestellt. Um bei Themen wie Industrie 4.0 und Smart Data eine Führungsposition zu einzunehmen und international eine Vorreiterrolle spielen zu können, brauchen die Konzerne digitales Know-how sowie Mut zum Umdenken“, sagt Klaus-Peter Gushurst von Strategy&.

Erste Unternehmen stellen sich bereits darauf ein, zeigt die Studie: So ist das Profil eines neu ernannten CEOs im deutschsprachigen Raum heute wesentlich diversifizierter als früher. „Durch kürzere Innovationszyklen und die Implementierung digitaler Geschäftsmodelle sinkt die Bedeutung von industriespezifischer Erfahrung. Technologie- und Digitalkenntnisse sowie Umsetzungserfahrung werden eine immer größere Rolle spielen“, so Gushurst. Um das zu gewährleisten, werden mittlerweile 39 Prozent aller CEOs extern rekrutiert – gobal liegt dieser Wert lediglich bei 22%.

Gesucht: CEOs mit Erfahrung und Ausbildung

Die Hälfte aller neuen CEOs hat auch bereits operative Erfahrung in anderen Branchen gesammelt. Und gut ein Drittel der neuen CEOs in deutschen, österreichischen und Schweizer Konzernen hat promoviert – im Vorjahr waren es mit 18% noch deutlich weniger.

Die schlechte Nachricht: Auch wenn CEOs jünger und besser ausgebildet werden, ist der Frauenanteil in den Vorstandsetagen nach wie vor gering. Zwar stieg der Anteil von Frauen unter den neu ernannten CEOs um zwei Prozentpunkte. Weltweit erreicht er aber dennoch nur magere fünf Prozent. Und: Obwohl sich die beruflichen Profile von weiblichen und männlichen CEOs ähneln, verlieren Frauen häufiger als Männer ihren CEO-Posten. So mussten in den vergangenen elf Jahren 32 Prozent der weiblichen CEOs ihre Stelle räumen. Bei den Männern hingegen waren es nur 25 Prozent.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



Verwandte Artikel






Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.