#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Weltfrauentag: Noch 50 Jahre bis sich in Österreich die Einkommensschere schließt

Verbesserung der weiblichen Wirtschaftskraft in OECD-Ländern

Weltfrauentag 8. März: Laut der aktuellen PwC-Studie „Women in Work“ machen OECD-Länder Fortschritte in Richtung größerer weiblicher Wirtschaftskraft. Die geschlechtsspezifische Lohnlücke bleibt jedoch weiterhin deutlich spürbar: berufstätige Frauen verdienen um 16% weniger als ihre männlichen Kollegen, trotz einer Verbesserung der Qualifikation. Österreich konnte sich jedoch im Vergleich zum Vorjahr nicht verbessern. Es landet erneut auf Rang 22.

Der „Women in Work-Index“ von PwC untersucht das Niveau der weiblichen Wirtschaftskraft in 33 OECD-Ländern. Herangezogen werden dazu die fünf Schlüsselfaktoren Einkommensgleichheit, Fähigkeit der Frauen, Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten, Vollzeitbeschäftigungsrate, Arbeitslosigkeit und Arbeitsplatzsicherheit.

Nordische Länder geben den Ton an

Wenig überraschend führen nordische Länder das Ranking an. Dabei liegen Island, Schweden und Norwegen an der Spitze. Weitere Plätze in den Top Ten halten Neuseeland, Slowenien, Dänemark, Luxemburg, Finnland und die Schweiz. Den größten messbaren Fortschritt gibt es in Polen zu verzeichnen: Dank Verringerung der Arbeitslosigkeit unter Frauen steigt es von Platz 12 auf Platz 9.

Der sogenannte „Gender Gap“, also die geschlechtsspezifische Lohnlücke, bleibt eine Herausforderung. Die Lohngleichheit liegt nach wie vor in weiter Ferne. Dabei würde die Schließung dieser Lücke langfristig gesehen wesentliche Vorteile bringen. So würde beispielsweise das BIP um rund 9 Prozent ansteigen, wenn die Beschäftigungsrate bei Frauen in Österreich auf ein mit Schweden vergleichbares Niveau angehoben werden würde. Wir sehen: fair entlohnte Frauen sind gut für die Wirtschaft. In Österreich gibt es jedoch Aufholbedarf.

Österreich nur auf Rang 22

Im Jahr 2000 belegte Österreich noch Rang 13. Laut Prognosen dauert es sogar noch 50 Jahre bis sich die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern schließt – das wäre dann also das Jahr 2058. Das sind keine guten Aussichten. Verglichen mit anderen Ländern hinkt Österreich folglich hinterher. Etwa Luxemburg und Belgien könnten es in den nächsten zwei Jahrzehnten schaffen, diese Lücke zu schließen. In Polen könnte die Angleichung des Lohngefälles bereits im nächsten Jahrzehnt gelingen. Was kann die österreichische Wirtschaft also tun, um wieder aufzuholen und weiblicher Arbeitskraft faire Entlohnung zu gewährleisten?

Bianca Flaschner, Senior Manager People and Organisation bei PwC-Österreich: „Unternehmen und Regierungen können viel mehr tun, um die Ursachen der geschlechtsspezifischen Lohnlücke anzusprechen, die tief verwurzelt sind. Mit wirtschaftspolitischen Hebeln, die den Zugang zu erschwinglicher und ausreichender Kinderbetreuung verbessern, sowie mit geteilter Elternkarenz schaffen es nachweislich mehr Frauen in die Erwerbsarbeit. Darüber hinaus könnten eine Frauenförderung am Arbeitsplatz und ein effizienter Rückkehrprozess nach der Karenz den Frauen den Wiedereinstieg in den beruflichen Alltag signifikant erleichtern. Durch flexible Gestaltung könnten Unternehmen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen, ihren familiären Verpflichtungen neben der Arbeit nachzukommen. Somit ergibt sich eine Win-Win Situation für beide Seiten.“

Quelle
Women in Work Index
PwC



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.