was kandidaten abschreckt
#Allgemein | Barbara Oberrauter

Was Kandidaten garantiert abschreckt

Was Sie dagegen tun können

Gute Kandidaten sind oft rar gesät. Umso schlimmer, wenn man sie schon im Vorfeld des Bewerbungsprozesses mit Fehlern verschreckt, die eigentlich zu vermeiden gewesen wären. Im Rahmen einer Studie hat StepStone Österreich erhoben, was Kandidaten am meisten abschreckt – und was Arbeitgeber im Gegenzug tun können, um ihre Candidate Experience zu optimieren und seine Employer Brand damit nachhaltig zu stärken.

 

Inhaltsverzeichnis

Fehler #1: Schöngefärbte Arbeitgeberdarstellungen
Fehler #2: Fehlende Arbeitgeberbewertungen
Fehler #3: Arbeitgeber ohne Sinn und Ziel
Fehler #4: Unmotivierte Mitarbeiter
Fehler #5: Unprofessionelle Stellenanzeigen
Fehler #6: Zu komplexe Bewerbungsprozesse
Fehler #7: Unfreundliche Personaler
Fehler #8: Keine Rückmeldung nach ihrer Bewerbung

 

Fehler #1: Schöngefärbte Arbeitgeberdarstellungen

Wer sich als Arbeitgeber mit falschen Tatsachen oder geschönten Darstellungen präsentiert, hat schlechte Karten: Stimmen Unternehmensrealität und vermitteltes Bild nicht überein, sind 80% aller Kandidaten bereits kurz nach dem Einstieg wieder auf der Suche nach einem neuen Job. Und mehr als die Hälfte (60%) aller Studienteilnehmer gibt an, sich im Job nicht wohlzufühlen, wenn im Bewerbungsgespräch falsche Information weitergegeben wurden.

 

Gefragt: Authentische Unternehmenseinblicke

Mit authentischen Einblicken ins Unternehmen können Arbeitgeber ihr Image deutlich verbessern. Vor allem jüngeren Generationen informieren sich vorab intensiv über das Unternehmen und können Märchengeschichten schnell entlarven. Unternehmen, die sich mit kleinen Ecken und Kanten präsentieren, wirken sympathisch und anziehend: Wie sieht es in der Firma aus, was sagen die eigenen Mitarbeiter, und wie chaotisch geht es wirklich zu? Wer die eigenen Schwächen offen kommuniziert, stärkt nicht nur seine Employer Brand, sondern zieht auch passgenaue Mitarbeiter an – die genau wissen, was sie erwartet.

 

Fehler #2: Fehlende Arbeitgeberbewertungen

Jeder fünfte Kandidat (22%) ist irritiert, wenn er oder sie keine Bewertungen zu einem potentiellen Arbeitgeber findet. Nicht nur stellen diese für Bewerber eine gute Möglichkeit dar, ehrliche und ungeschönte Einblicke ins Unternehmen zu erhalten, für 43% aller Kandidaten sind Bewertungen auch ein guter Gründ für (oder gegen) eine Bewerbung bei einem Arbeitgeber.

 

Kandidaten wünschen sich ehrliche Bewertungen

Die eigenen Mitarbeiter zu einer ehrlichen Bewertung zu ermuntern, kann der eigenen Employer Brand ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal verleihen. Die Bewertungen von Menschen, die tagtäglich mit dem Unternehmen zu tun hatten, liefern Bewerbern Aufschluss darüber, wie es im Job wirklich abläuft – und zeigen Arbeitgebern ganz genau, was den Mitarbeitern bei ihnen gefällt und nicht. Durch das tatsachengerechte Stimmungsbild erhalten Unternehmen die Möglichkeit, sich als Arbeitgeber laufend zu verbessern – und damit sowohl Kandidaten als auch Mitarbeitern entgegenzukommen.

 

Fehler #3: Arbeitgeber ohne Sinn und Ziel

Wohin will mein künftiger Arbeitgeber? Welche Werte sind in der Firma wichtig? Und wie sieht die Unternehmensphilosophie aus? Wer solche Bewerberfragen als esoterisches Geschwätz abtut, begeht einen großen Fehler: Mehr als jeder Dritte (35%) rät Unternehmen, seine Ziele, Werte und Philosophie klar anzusprechen und zu definieren, um für Bewerber attraktiver zu erscheinen. Denn: 40% all jener, die neu in einem Unternehmen anfangen, wollen sich mit den Werten und Zielen ihres neuen Arbeitgebers identifizieren.

 

Bewerber wollen Unternehmensziele kennenlernen

Wenn Kandidat und Arbeitgeber gut zusammenpassen sollen, muss nach denselben Werten gelebt und gearbeitet werden. Um einen möglichst hohen „cultural fit“ zu erzielen, sollten Unternehmen ihre Werte und Ziele daher so früh wie möglich in der candidate journey präsentieren – auch auf die Gefahr hin, damit mögliche Bewerber zu verprellen. Allerdings verhindert die Kommunikation der eigenen Firmenphilosophie „bad hires“ und stellt sicher, dass alle im Unternehmen am selben Strang ziehen.

 

Fehler #4: Unmotivierte Mitarbeiter

Sie verbreiten nicht nur im Unternehmen schlechte Stimmung, sondern schädigen die Arbeitgebermarke auch nach außen hin: Fast jeder zweite Bewerber (49%) ist überzeugt, dass demotivierte Mitarbeiter die Stimmung im Unternehmen vergiften und darunter auch das Image in der Öffentlichkeit leidet. Denn: Wer will sich bei einem Arbeitgeber bewerben, dessen Mitarbeiter öffentlich schlechte Laune verbreiten und schlecht über ihre Firma sprechen?

 

Mit motivierten Mitarbeitern Kandidaten überzeugen

In keinem Unternehmen ist immer alles eitel Wonne. Wer aber sämtliche negative Äußerungen seiner Mitarbeiter zu unterbinden versucht, steht schnell im Verdacht eines spaßbefreiten Kontrollfreaks. Besser ist es, in die Zufriedenheit seiner eigenen Belegschaft zu investieren, um sie zu engagierten Botschaftern für die eigene Arbeitgebermarke zu machen. Denn: Was einem Spaß macht, über das spricht man gerne. Und wer sagt, dass das nicht der eigene Job oder die Firma sein kann, für die man arbeitet? Eben.

 

Fehler #5: Unprofessionelle Stellenanzeigen

Die Stellenanzeige ist für viele Bewerber der erste Kontakt mit einem potentiellen neuen Arbeitgeber. Umso schlimmer, wenn sie nicht gut gemacht ist: Für mehr als die Hälfte (54%) aller Kandidaten sind Fehler oder unstrukturierte Stellenanzeigen ein No-Go. Und mehr als ein Drittel aller Bewerber (40%) ist von fehlenden Kontaktinformationen extrem genervt.

 

Bewerber brauchen alle Informationen auf einen Blick

Um was geht es bei dem Job? Wo bekomme ich mehr Informationen über das Unternehmen her? An wen kann ich mich bei Fragen wenden? Und wie viel wird für die ausgeschriebene Stelle geboten? Arbeitgeber, die einen guten ersten Eindruck bei Kandidaten hinterlassen wollen, tun gut daran, auf all diese Fragen eine Antwort zu finden – und sie optisch ansprechend in Szene gesetzt in einem Stelleninserat zu hinterlegen. Denn nichts nervt Kandidaten mehr, als sich durch 200 Stellenanzeigen zu wühlen – und nicht die Informationen zu finden, die sie für eine Bewerbung brauchen.

 

Fehler #6: Zu komplexe Bewerbungsprozesse

Erst auf der Karriereseite registrieren, dann alle Kontaktdaten ausfüllen, schließlich noch Lebenslauf und Motivationsschreiben hochladen und vielleicht noch eine Sicherheitsfrage beantworten – das ist für knapp ein Drittel (30%) aller Kandidaten zu mühsam. Insgesamt zeigt sich jeder Fünfte (21%) von überkomplexen Bewerbungssystemen genervt.

 

Bewerbungsprozess digital beschleunigen

Wirklich gute Kandidaten sind durchschnittlich drei bis fünf Tage am Markt. Für Bewerbungsprozesse heißt das: Sie müssen schlanker, schneller und vor allem dynamischer werden. Ob mit One-Click-Bewerbungen, Vernetzung mit Business-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn oder Chatbots, die auf jede Kandidatenfrage eine Antwort parat haben, die Technik bietet mittlerweile genügend Möglichkeiten, verstaubte Recruitingprozesse zu beschleunigen und ins digitale Zeitalter zu holen. Besonders gefragte Kandidaten wollen umworben werden – und sich nicht mühselig selbst durch Bewerbungsprozesse quälen, die ans vorige Jahrhundert erinnern.

 

Fehler #7: Unfreundliche Personaler

Recruiter und Personalverantwortliche sind in der candidate journey die erste und wichtigste Visitenkarte eines Arbeitgebers. Entsprechend wird auch ihr Verhalten bewertet: Unfreundliche Personaler können bis zu 65% aller Kandidaten abschrecken. Und Personalverantwortliche, die zu wenig Informationen zu genauen Jobinhalten und Abläufen liefern können, verprellen gut die Hälfte aller Bewerber.

 

Kandidaten wünschen sich Gespräche auf Augenhöhe

Gerade Fachkräfte wollen sich über ihr Fachgebiet auf Augenhöhe austauschen. Wer als Personalverantwortlicher keinen blassen Schimmer von der Materie hat, kann auch nicht die richtigen Fragen stellen – und lässt zudem den Arbeitgeber in einem schlechten Licht dastehen. Noch schlimmer sind nur unfreundliche Recruiter: Immerhin haben sich alle Bewerber die Mühe gemacht, eine Bewerbung auszuschicken und zum Vorstellungsgespräch zu erscheinen. Das Mindeste, was man ihnen entgegenbringen kann, ist Wertschätzung und Höflichkeit.

 

Fehler #8: Keine Rückmeldung nach ihrer Bewerbung

Kandidaten wollen wissen, woran sie sind: Mehr als jeden Dritten (38%) nervt es, wenn ihnen zum Status ihrer Bewerbung kein Feedback gegeben wird. Und 32% sind von einer Absage ohne Nennung von Gründen irritiert. Schlechtes Bewerbermanagement wirkt sich direkt auf die Reputation von Arbeitgebern aus – da jeder Bewerber auch als Markenbotschafter für die Employer Brand wirkt.

 

Mit Bewerbern in Kontakt bleiben – auch nach einer Absage

Wer Bewerbern schon im Bewerbungsprozess authentische und positive Erfahrungen beschert, sichert sich nicht nur Talente für die eigene Pipeline, sondern investiert auch nachhaltig in seinen Ruf als vertrauenswürdiger Arbeitgeber. Oft sind Unternehmen gerade am Beginn der Candidate Journey gut aufgestellt, verlieren jedoch im weiteren Prozess, etwa weil Antworten auf Bewerberfragen nicht zufriedenstellend sind oder sie den weiteren Prozess nicht gut kommunizieren. Hier nachzujustieren, zeugt nicht nur von Professionalität, sondern sorgt dafür, dass auch Kandidaten, die nicht genommen werden, das Unternehmen in guter Erinnerung behalten und positiv darüber sprechen.

 

Fazit: Ehrliche Einblicke in den Firmenalltag, ein wertschätzender Umgang mit den Kandidaten und Bewerbungsprozesse, die schlank und effizient sind – Unternehmen können viel tun, um Bewerber anzusprechen und ihre candidate journey zu optimieren. Das zahlt sich doppelt aus: Durch motivierte Bewerber und eine Employer Brand, die unterfüttert durch positive Erlebnisse mit dem Arbeitgeber an Strahlkraft gewinnt.

Bildnachweis: enviromantic/Quelle: www.istockphoto.com



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.