Vorstandsgehälter steigen weltweit
#Compensation & Benefits | Conrad Pramböck

Vorstandsgehälter steigen weltweit

Vorstände verdienen durchschnittlich 1,4 Mio. Euro

Die durchschnittlichen Vorstandsgehälter in einem großen, globalen Unternehmen beträgt 1,4 Mio. Euro. Im Schnitt sind die Gesamtgehälter inklusive Bonus um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Diese Vergütung umfasst ein Grundgehalt von 681.000 Euro und einen kurzfristigen Bonus von 719.000 Euro brutto pro Jahr. Im Durchschnitt stiegen die Grundgehälter um 3,1 Prozent und die kurzfristigen Boni um 4,2 Prozent.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer weltweiten Studie der Personalberatung Pedersen & Partners unter mehr als 1.700 Top-Managern in 330 Unternehmen in 17 Ländern. Die Umfrage umfasst Vorstände in den weltweit größten Unternehmen mit durchschnittlich 133.000 Mitarbeitern, einem durchschnittlichen Umsatz von 42 Mrd. Euro und einem durchschnittlichen Unternehmensgewinn von 4,1 Mrd. Euro.

In Österreich gibt es nur wenige Konzerne in dieser Größenordnung, weswegen nur ein paar Dutzend heimische Manager über eine Mio. Euro Jahresgehalt verdienen, wie etwa die Vorstände der großen Banken und Industriekonzerne. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Gehalt eines Geschäftsführers in Österreich mit 200 bis 300 Mitarbeitern beträgt 183.700 Euro inklusive Bonus.

Vorstandsgehälter steigen mit geringerer Geschwindigkeit

Die Vorstandsgehälter in Österreich wie auch in den meisten westlichen Ländern steigen derzeit langsamer an als in früheren Jahren. Während die Grundgehälter in den letzten fünf Jahren durchschnittlich um vier bis sechs Prozent pro Jahr erhöht wurden, liegen die Gehaltssteigerungen heute bei knapp über drei Prozent. Die Gesamtgehälter einschließlich der kurzfristigen Boni sind im Schnitt der letzten fünf Jahre um fast sieben Prozent jährlich gestiegen, im letzten Jahr nur um 3,5 Prozent.

In den meisten westeuropäischen Ländern und den Vereinigten Staaten liegen die durchschnittlichen Gehaltserhöhungen für Angestellte zwischen drei und vier Prozent. Das bedeutet, dass selbst die Top-Manager in den weltweit größten Unternehmen gleich hohe Gehaltssteigerungen erzielen wie die ihnen unterstellten Führungskräfte und Mitarbeiter.

Größe des Verantwortungsbereichs ist entscheidend

Die Größe des Unternehmens ist der wichtigste Faktor bei der Bestimmung der Höhe der Vergütung von Führungskräften. Im Allgemeinen gilt, dass die Gehälter der Manager umso höher sind, je größer das Unternehmen ist, für das sie arbeiten, da gleichzeitig ihre Verantwortung für Umsätze, Mitarbeiter und Budgets steigt. Einfach ausgedrückt: Im Schnitt erhöht sich das Gesamtgehalt eines Top-Managers um 600.000 Euro pro 50.000 Mitarbeiter im Unternehmen.

Unternehmensgewinne bestimmen Vorstandsboni

Der zweite entscheidende Faktor für die Höhe der Vorstandsgehälter neben der Größe des Verantwortungsbereichs ist der Profit des Unternehmens. Die meisten Top-Manager werden am Unternehmensgewinn gemessen, insbesondere am EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit). Wenngleich die meisten großen Konzerne im letzten Jahr sehr erfolgreich waren, müssen die Vorstände ständig höhere Unternehmensziele erfüllen, um einen Bonus zu erhalten. Deshalb erhielten die Top-Manager auch in hoch profitablen Unternehmen einen geringeren Bonus, wenn der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr zurückging.

Internationaler Vergleich

Unternehmen aus Westeuropa und den USA bieten ihren Führungskräften ähnliche Vergütungspakete, soweit es das Grundgehalt und kurzfristige Bonuszahlungen betrifft. Die größten Unterschiede in der Vergütungsstruktur betreffen langfristige Anreize („Long Term Incentives„), die meist in Form von Aktienoptionen („Stock Options“) gewährt werden. Vorstände in US-Unternehmen erhalten Stock Options im Wert von 447.000 Euro im Schnitt, während die westeuropäischen Konzerne ihren Top-Managern Aktienoptionen nur im Wert von 107.000 Euro gewähren. In Österreich verfügen überhaupt nur ein paar Dutzend Unternehmen über Stock Option-Programme für ihr Management. In der Regel handelt es sich dabei um die großen ATX-Unternehmen.

Aus globaler Sicht sind die Vorstandsgehälter in den Vereinigten Staaten und Westeuropa am höchsten. Die größten Unternehmen in Schwellenländern wie China, Indien oder Südafrika zahlen ihre Manager zum Großteil noch immer deutlich unter dem Niveau westlicher Länder. Allerdings sind die Gehaltssteigerungen in diesen Ländern viel höher als in Westeuropa und den Vereinigten Staaten. Derzeit steigen die Gehälter der Top-Manager in Österreich und in anderen westlichen Ländern im Schnitt um drei bis fünf Prozent und in den Schwellenländern um sieben bis zehn Prozent.



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Conrad Pramböck
Conrad Pramböck

Dr. Conrad Pramböck leitet den Geschäftsbereich Compensation Consulting bei der internationalen Personalberatung Pedersen & Partners. Von Wien aus berät Pramböck weltweit Unternehmen in Gehaltsfragen mit Schwerpunkt auf Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika. Insgesamt hat er Gehaltsprojekte in über 40 Ländern durchgeführt. Neben seiner Beratungstätigkeit betreut er die internationale Gehaltsdatenbank von Pedersen & Partners und ist Lektor auf verschiedenen Fachhochschulen und Universitäten.