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Vom Konzertpianisten zum Bürohengst

Von Spitzensportlern und Musikern lernen

Stellen Sie sich vor, Sie schreiben eine Stelle aus – und neben zahlreichen Kandidaten mit Praxisbezug bewirbt sich auch ein ehemaliger Spitzensportler oder ein Musiker. Die meisten Personaler würden sich rein bauchmäßig wohl für die Person mit der meisten Erfahrung entscheiden. Und doch könnte das Einstellen von ehemaligen Leistungssportlern oder Menschen mit einer musikalischen Ausbildung die bessere Entscheidung sein, sagen Experten.

Mit Disziplin zum Ziel

Der Grund? Die Disziplin und der Zug zum Ziel, der für beide Karrieren notwendig ist, können auch im Berufsleben wichtige Eigenschaften sein. Sowohl Sportler als auch Musiker sind es gewohnt, hart zu trainieren und sich immer wieder dem kritischen Feedback eines Trainers zu stellen. Balsam für Führungskräfte, deren Rückmeldungen in diesem Fall tatsächlich eingefordert und angewandt werden.

Zusätzliches Plus: Wer eine Laufbahn im Sport oder in der Berufsmusik plant, kennt den Eisberg-Effekt. Nicht nur die erbrachte Leistung (also die Spitze des Eisbergs) zählt, sondern die unzähligen Stunden, die zur Vorbereitung desselben absolviert wurden. Jener Teil also, der für die meisten Menschen nicht sichtbar ist.

Unmittelbares Feedback

Die positiven Effekte einer Sportlerlaufbahn können auch ohne entsprechende Sportskanonen im Team angewandt werden, etwa unmittelbares und öffentliches Feedback. Coaches und Trainer schleichen nicht lange um den heißen Brei herum, sondern artikulieren klar, was Sache ist. Damit bringen sie uns oft ein ganzes Stück weiter, als wir uns zunächst eingestehen wollen. Der Grund: Gute Coaches geben mit direktem Feedback jedem eine zeitnahe Rückmeldung darüber, wo er oder sie gerade steht – und pochen auf den Teamgeist, die eigene Leistung dem Team zuliebe zu verbessern.

Wissen, wer besser ist

Eine weitere Lektion aus dem Sportbusiness: Die Transparenz der Rangordnungen. Im Sport- und Musikgeschäft weiß man sehr genau, wer besser ist als man selbst. Das spornt zu Höchstleistungen an und gibt einem die Gelegenheit, von den Besten zu lernen. Am Arbeitsplatz wird hingegen oft verschwiegen, wer der oder die Beste ist – um ja niemandem auf den Schlips zu treten. Das ist jedoch kontraproduktiv: Führungskräfte sollten klar artikulieren, warum Person X diese Aufgabe übertragen wurde und nicht Person Y. Und deutlich machen, was notwendig ist, um das Projekt beim nächsten Mal an Land zu ziehen.

Transparente Leistung

Sportler und Musiker sind es gewohnt, dass ihre Leistungen aufgezeichnet werden. Die objektive Analyse davon zeigt nicht nur Schwächen erbarmungslos auf, sondern auch Wege, wie man besser wird. Auch wenn im Berufsleben nicht jeder Arbeitsschritt gespeichert werden kann: Es macht Sinn, sich hie und da objektiven Einschätzungen zu stellen. Und daraus für künftige Erfolge zu lernen.

Die Praxis führt zum Erfolg

Schlussendlich, sind sich Experten einig, geht es um die Praxis, die zum Erfolg führt. Studien zeigen, dass sowohl Sportler als auch Musiker an die zehn Jahre Training und 10.000 Stunden Übung brauchen, bis sie Spitzenleistungen erbringen. Im Arbeitsleben geht man nach absolvierter Ausbildung gern davon aus, dass die Person schon weiß, was sie tut. Gute Führungskräfte aber wissen: Lernen ist ein lebenslanger Prozess. Und als Coaches sind nicht zuletzt sie dafür verantwortlich, die Skills ihrer Mitarbeiter zu entwickeln und damit die gesamte Teamperformance zu verbessern.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.