Vertrauensarbeitszeit
#HR & Recht | Franz Brandstetter

Vertrauensarbeitszeit

und was das österreichische Arbeitsrecht dazu sagt...

  • Arbeiten, wann immer Sie Lust dazu haben?
  • Am Pool oder im Garten sitzen und Stau frei von zu Hause aus arbeiten?
  • Zusätzlich zum kollektivvertraglichen Gehalt eine fette Prämie für ein fertiggestelltes Projekt bekommen?

Zwei von diesen drei Möglichkeiten können Arbeitgeber und Mitarbeiter/in schon heute nutzen und vereinbaren, bei einer der drei Möglichkeiten hat der Gesetzgeber allerdings einen Riegel vorgeschoben. Wissen Sie, auf welche dieser Möglichkeiten das zutrifft?

Da das Arbeitszeitrecht streng reguliert ist und sowohl arbeitsrechtliche Überlegungen als auch Arbeitsschutzbestimmungen einzuhalten sind, muss sich Vertrauensarbeitszeit innerhalb der vom Arbeitsrecht und Arbeitsschutzbestimmungen gezogenen Grenzen bewegen. Innerhalb dieser Bestimmungen können aber vielversprechende Lösungen erreicht werden.

Können Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Zeiterfassung und Zeitkontrolle verzichten?

  • Nein, keinesfalls. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, das Arbeitszeitgesetz und das Arbeitsruhegesetz einzuhalten. Eine der zentralen Bestimmungen besagt, dass der Arbeitgeber zur Überwachung der Einhaltung der Arbeitszeit Aufzeichnungen über die geleisteten Arbeitsstunden zu führen hat (§ 26 AZG). Die Arbeitszeitaufzeichnungen haben nicht nur das Ausmaß der Arbeitszeit, sondern auch den tatsächlichen Beginn und Ende sowie die Lage der Arbeitspausen festzuhalten.
  •  Eine Ausnahme von Zeiterfassung und Zeitkontrolle besteht für „Leitende Angestellte“, denen maßgebliche Führungsaufgaben selbstverantwortlich übertragen sind, weil für diese das AZG nicht anwendbar ist (§ 1 Abs. 2 Ziff. 8 AZG).
  • Arbeiten nach Lust und Laune geht also für „Nicht Leitende Angestellte“ gar nicht. Sie dürfen mit wenigen Ausnahmen die tägliche Höchstarbeitszeit nicht überschreiten und müssen auch die Wochenendruhe penibel einhalten. Verstöße gegen die Aufzeichnungspflicht können für Arbeitgeber sehr teuer kommen, sowohl wegen allfälliger Nachforderungen von Mitarbeitern, als auch wegen beträchtlicher Strafen bei Nichteinhaltung der Aufzeichnungspflicht.

Muss man als Mitarbeiter immer oder zumindest zu bestimmten Zeiten körperlich anwesend sein und kann man sich die Arbeitszeit selbst einteilen?

  • Ja, jedenfalls wenn „gleitende Arbeitszeit“ vereinbart ist, ist es möglich sich die Arbeitszeit selbst einzuteilen. Gleitende Arbeitszeit liegt (nach § 4b AZG) vor, wenn der Arbeitnehmer innerhalb eines vereinbarten zeitlichen Rahmens Beginn und Ende seiner täglichen Normalarbeitszeit selbst bestimmen kann.
  • Auch was den Arbeitsort betrifft, besteht Autonomie: Arbeitszeit ist auch die Zeit, während der ein – im übrigen im Betrieb – Beschäftigter in seiner eigenen Wohnung oder Werkstätte oder sonst außerhalb des Betriebes beschäftigt wird. Somit ist klar, dass die Arbeitszeit auch in der eigenen Wohnung des Mitarbeiters oder sonst außerhalb des Betriebes erbracht werden kann.
  • Vertrauensarbeitszeit kann auf Basis sorgfältig erarbeiteter flexibler Arbeitszeitmodelle gelingen.

Nicht die Zeit, sondern die Leistung zählt!

  • Das kollektivvertragliche Mindestgehalt muss immer bezahlt werden. Über das kollektivvertragliche Mindestgehalt hinaus kann sowohl ein fixes, als auch ein variables Gehalt vereinbart werden. Zahlungen, die über den Kollektivvertrag hinausgehen, können ebenso als Leistungsprämie vereinbart werden.
  • In der Regel wird dafür eine Zielvereinbarung abgeschlossen und der variable ergebnisorientierte Gehaltsbestandteil oder die Prämie hängt von der Zielerreichung ab. Für die Führungs- bzw. Unternehmenskultur bedeutet Vertrauensarbeitszeit, dass Führen anhand von Zielen tatsächlich gelebt wird und entsprechend realistische Zielvereinbarungen abgeschlossen werden.

Soll man sich als Mitarbeiter oder als Unternehmer auf Vertrauensarbeitszeit einlassen?

Vertrauen ist ein zentraler Wert der Unternehmens- bzw. Führungskultur und macht Unternehmen attraktiv. Für Mitarbeiter wie für Unternehmer gilt, dass die Rahmenbedingungen sehr sorgfältig abgesteckt werden müssen. Die Regeln des Arbeitszeitrechts sind immer zu beachten und bilden den Rahmen für Vertrauensarbeitszeit.



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Franz Brandstetter

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