Trends in der Personalberatung
#Recruiting | Daniela Schlick

Trends in der Personalberatung

Executive Coaching, Personalmarketing & neue Arbeitszeitmodelle

Das Schreckgespenst „War for talents“ geisterte lange Zeit in den Fachmedien und wurde viel diskutiert. Heute ist die Herausforderung vor allem in Industrie und Wirtschaft angekommen. Eine neue Generation von Fach- und Führungskräften mit anderen Erwartungen an das Berufsleben, geringerer Treue gegenüber den Unternehmen, aber auch mit schwächerer örtlicher Flexibilität macht es für Unternehmen und Personalberater zusätzlich problematischer und aufwendiger Fach- und Führungskräfte für neue berufliche Herausforderung zu begeistern. Dazu kommt, dass die jüngere Generation einer werteorientierten Unternehmenskultur stärkeres Augenmerk schenkt. Die Bemühungen um das eigene Employer Branding und eine klare HR-Strategie für das Aufspüren und Halten von Talenten haben infolgedessen im Rahmen des Recruitings erheblich zugenommen.  Wie sich das Handlungsfeld der Personalberaterbranche unter diesen Vorzeichen verändert und welche Trends in der Personalberatung im Vormarsch sind haben wir Daniela Schlick, Personalberaterin und Trainerin in HR-Themen gefragt.

JOBnews: Frau Schlick –  Ihrer Einschätzung nach: werden HR-strategische Aufgabenstellungen den klassischen Personalsuchaufträgen den Rang ablaufen?
Die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften ist das größte Beratungsfeld in der Personalberatungsbranche. Mit zunehmender Dynamik entwickelt sich jedoch der Trend hin zu ergänzenden Beratungsangeboten in HR-Themen. Die Expertise von Personalberatern ist unter anderem  gefragt, wenn es um dem gezielten Aufbau der Arbeitgebermarke  oder zum Beispiel bei der Umsetzung demographiegerechter Motivations- und Entgeltsysteme. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen stehen bei der Einführung von neuen Arbeitszeitmodellen vor besonderen Herausforderungen. Wenn es um Trends in der Personalberatung geht, ist auch das Executive Coaching zu nennen. Hier handelt es sich zum Beispiel um die Weiterentwicklung von Führungskompetenzen beim Funktionswechsel oder  beim Aufstieg in die nächste Managementebene.  Dennoch rechne ich nicht damit, dass diese Dienstleistungen in naher Zukunft den höheren Umsatz bringen werden.

JOBnews: Personalberater müssen gewährleisten, dass sie die besten Köpfe auf dem chancenreichsten und effizientesten Weg ansprechen. Soweit so gut. Aber inwieweit haben sich die Methoden gegenüber jenen im  alten Jahrtausend verändert?
Mit dem Start der Online-Jobbörsen begann der Triumph des Internets mit seinen neuen und effizienteren Möglichkeiten bei der Personalsuche. Heute sind durchdachte Kombinationen von Methoden für jeden einzelnen Suchauftrag gefragt. Insbesondere bei der Direktsuche bewährt es sich Social Media Kanäle und Online-Jobbörsen einzubeziehen.

JOBnews: Welche Positionen werden aktuell besonders oft bei Personalberatern beauftragt?
Die überwiegende Mehrheit der Positionen sind meiner Beobachtung nach Fachkräfte oder Funktionen im mittleren Management.  Besonders häufig  suchen Berater im Auftrag ihrer Kunden nach Experten in den Bereichen Elektrotechnik, Energietechnik, Fahrzeugtechnik, Informatik, Marketing, Maschinenbau, Softwareentwicklung,  Vertrieb und nach Spezialisten aus dem Gesundheitsbereich. Gerade der Gesundheitsbereich –  hier zum Beispiel in der Forschung und Entwicklung neuer medizinischer Produkte, Geräte und Dienstleistungen – wird es meiner Einschätzung nach in Zukunft noch sehr viel mehr Aufträge für Personalberater geben.

JOBnews: Welchen Veränderungen beobachten Sie im Hinblick auf die Kundenerwartungen?
Die Anforderungen der beauftragenden Unternehmen steigen hinsichtlich der Dauer, der Qualität, dem Preis und der Transparenz der Suche-und Auswahlprozesse.  Die Geschwindigkeit ist ein heikles Thema. Einerseits tun sich viele Unternehmen verständlicherweise  mit der Entscheidung schwer, wenn sie nur sehr wenige Kandidaten zur Auswahl für die Vakanz haben, andererseits verlängert der Wunsch nach weiteren Bewerbern die Laufzeit des Recruitingprojekts. Um den Qualitätsansprüchen  der Kunden entsprechen zu können, wird es immer wichtiger in die Strukturen und Strategien der Unternehmen eingebunden zu werden. Unternehmen wünschen sich mehr Verständnis für die Unternehmenskultur und Flexibilität bei der Preisgestaltung.  Während Personalberater im TOP Segment ihre Beratungssätze weiterhin durchsetzen können,  verschärft sich bei mittleren und kleinen Marktteilnehmer der Preisdruck. Dabei erkennen Kunden den Aufwand der Berater durchaus an. Allerdings streben viele Unternehmen niedrigere Gesamtkosten und eine stärkere Erfolgskomponente am Ende des Beratungsauftrages an.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



Verwandte Artikel






Daniela Schlick

Daniela Schlick ist seit zwanzig Jahren mit Begeisterung in beratender Funktion tätig. Sie arbeitete als Personalberaterin in renommierten Personalberatungsunternehmen und als Recruiterin & Karriereredakteurin ehe sie 2008 ihr eigenes Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt werteorientierter Personaldiagnostik gründete. Seit 2011 ist sie zudem Vortragende zu verschiedenen HR-Themen: www.danielaschlick.at