Jobs in Wien: Unternehmen halten Mitarbeiter
Zahl der optimistischen Unternehmer steigt
Blick vorne gerichtet
Deutlich positiv blicken die befragten Wiener Unternehmen aber in die Zukunft. So bewerten heute 80 Prozent ihre zukünftige Lage mit besser oder gleich bleibend – vor einem Jahr gaben dies erst 64 Prozent an. Besonders optimistisch sind demnach Industrieunternehmen, der Handel und Betriebe aus dem Bereich Information & Consulting. Etwas zurückhaltender sind die Prognosen der Gewerbe- und Handwerksbetriebe sowie der Tourismusunternehmen. „Die Maßnahmen zur Beschleunigung des Aufschwungs müssen mit mehr Nachdruck vorangetrieben werden“, sagt Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien. „Ich habe den Eindruck, dass viele, die mit Geldscheinen winken, am Ende doch daran festhalten“. Insbesondere öffentliche Aufträge müssten rascher in Umsetzung kommen. Erfreulich sei aber, dass die Wiener Wirtschaftstreibenden dennoch optimistisch sind, die Talsohle durchschritten zu haben. „Viele haben ihren Blick nun wieder nach vorne gerichtet, diese gute Stimmungslage muss nun genutzt werden, um die Wirtschaft wieder voll in Fahrt zu bekommen. Derzeit fahren wir noch mit dem ersten Gang“, sagt Jank.
Wie wichtig Optimismus ist, zeigt sich beim Ausblick für die Mitarbeiter
Drei Viertel der Befragten werden den Personalstand im kommenden Jahr halten; jedes zehnte Unternehmen sogar Personal aufnehmen. Vor allem Unternehmen aus den Bereichen Tourismus und Industrie gaben überdurchschnittlich oft an, im Jahr 2010 Mitarbeiter aufnehmen zu wollen. Lediglich vier Prozent aller Befragten – und
damit etwas weniger als im Vorjahr (sechs Prozent) – planen den Personalstand zu
reduzieren. Bezogen auf die Unternehmensgröße wollen Betriebe mit 6 bis 100
Beschäftigten am häufigsten neue Mitarbeiter aufnehmen (rund ein Viertel),
während lediglich drei Prozent der Ein-Personen-Unternehmen die Einstellung von
Mitarbeitern plant. Zurückzuführen ist dieses deutliche Bekenntnis der Wiener Betriebe zur eigenen Belegschaft auf die starke persönliche Bindung zwischen Unternehmern und Mitarbeitern in vielen Wiener KMU und auf den Umstand, dass qualifizierte, erfahrene Arbeitnehmer gebraucht werden, wenn sich die Auftragslage wieder verbessert. Daher halten gerade Klein- und Mittelbetriebe ihren Mitarbeiterstand mit aller Kraft auch in schwierigeren Zeiten.
Unternehmen, die zusätzliches Personal einstellen wollen, suchen vor allem
Facharbeiter (34 Prozent der Nennungen) und Angestellte (32 Prozent). Gegenüber
der vorigen Umfrage vom Jahresbeginn bedeutet das ein deutliches Plus bei der
Nachfrage nach Facharbeitern, aber ein Minus bei den Angestellten. Ebenfalls
geringer ist derzeit die Nachfrage nach Lehrlingen, was vor allem daran liegt, dass
viele Betriebe gerade erst neue Lehrlinge aufgenommen haben und Wien derzeit so
viele Lehrlinge in Ausbildung hat wie nie zuvor.
Schwierige Suche nach geeigneten Mitarbeitern
Wie die Studie zeigt, ist es für die Unternehmen jedoch schwierig, geeignete
Arbeitskräfte zu finden. So geben die Befragten große Probleme vor allem bei der
Suche nach Facharbeitern und Lehrlingen an. Besonders Gewerbe- und
Handwerksbetriebe sowie Unternehmen aus dem Tourismus sind in dieser Frage
betroffen. Wiens Betriebe suchen Personal, finden aber kaum geeignete Bewerber.
Besonders im Bereich der Lehrlinge klagen viele Unternehmer über wenig
qualifizierte Jugendliche“. Dabei gehe es nicht um fachspezifische Kenntnisse,
sondern um die Beherrschung der deutschen Sprache und einfaches Grundwissen.
Der Bedarf an Lehrlingen bzw. den Facharbeitern von morgen ist absolut gegeben.
Die Unternehmer sind jedoch zeitlich und personell nicht in der Lage, fehlende
oder mangelhafte Schulausbildung der Jugendlichen nachzuholen – und es ist auch
nicht ihre Aufgabe. Wer mehr Jugendliche in betriebliche Ausbildungen bringen
will, muss daher die schulische Grundqualifikation dringend verbessern.
Zurückhaltung bei Investitionen
Obwohl die Unternehmen zuversichtlich ins kommende Jahr blicken, sind sie bei
den geplanten Investitionen unverändert zurückhaltend. 41 Prozent der Befragten
wollen weniger (11) oder gar nicht (30) investieren. Nahezu gleich geblieben ist mit
38 Prozent auch die Zahl jener Wiener Betriebe, die angaben, deutlich mehr oder
im selben Ausmaß zu investieren. Allen voran die Industriebetriebe und Banken
planen überdurchschnittlich viel zu investieren, während der Handel bzw.
Tourismus am öftesten auf zusätzliche Ausgaben verzichtet. Der Anteil jener, die in
den kommenden Monaten gar nicht investieren wollen, ist übrigens in den Branchen
Transport und Verkehr sowie Gewerbe und Handwerk am höchsten. Die generelle
Zurückhaltung spiegelt sich auch in der Art der geplanten Ausgaben wider, die
knapp zur Hälfte in Ersatzinvestitionen fließen und nur zu 18 bzw. 14 Prozent in
neue Technologien oder Erweiterungen. Der Grund für diese Zurückhaltung liegt im
unverändert großen finanziellen Druck in den Unternehmen, der viele Betriebe
dazu zwingt, auf Auftragsrückgänge mit ausgabenseitigen Einsparungen zu
reagieren. Dabei sind Investitionen, speziell dann, wenn es um Innovationen geht,
für wirtschaftliches Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit des
Wirtschaftsstandortes von großer Bedeutung. Daher gilt es, die Forschungs- und
Entwicklungsarbeit der Betriebe noch stärker zu fördern, denn für die Wiener
Wirtschaft wird es immer entscheidender, dem internationalen Mitbewerb immer
einen Schritt voraus zu sein. Die Wirtschaftskammer Wien fordert daher finanzielle
Anreize, um die Drehzahl des Wiener Innovationsmotors weiter zu erhöhen.
Erreicht werden kann dies etwa durch steuerliche Freibeträge.
Quelle: Wirtschaftskammer Wien, Presse und Medienmanagement - Konjunkturaussichten für Wien, 16.12.2009