Teeküche
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Tatort Teeküche

Modernes Bürodesign braucht Mitbestimmung

In der Teeküche stapeln sich die Tassen und Teller, der Geschirrspüler ist bereits zum Bersten voll. Dennoch fühlt sich niemand dafür zuständig, klar Schiff zu machen und die Küche aufzuräumen? „Wird schon wer anderer machen“ oder „Dafür werde ich nicht bezahlt“ sind klassische Denkmuster, die hinter dem Wegschauen stehen, erklärt die Arbeitspsychologin Regina Nicham von der IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH.

„Die Verantwortung wird einfach abgegeben. Man hat das Gefühl, ohnehin nicht zuständig zu sein, oder man weiß nicht genau, wer dafür eigentlich verantwortlich ist. Viele denken sich auch, ein Häferl stell ich halt jetzt hin, das ist ja nicht so schlimm. Wenn dann schon 25 Tassen da stehen, denkt sich der nächste aber auch, ich räum das jetzt sicher nicht ein.“

Eine Putzfrau für alle

Unordnung, die viele in ihrem eigenen Heim niemals dulden würden, setzt sich so im Büro durch – und zieht mitunter weite Kreise. „Hinter diesem Verhalten steht oft eine ganz andere Kränkung“, erläutert Nicham. „Da fühlt sich jemand schlecht bezahlt oder nicht genug wertgeschätzt, und der denkt sich, da werd ich nicht auch noch die Putzfrau für alle anderen spielen.“

Auch ganze Abteilungen können so in Versuchung geraten, sich abzuputzen: „Möglicherweise steckt auch eine Art Revierkampf hiner der Weigerung, zumindest seinen eigenen Dreck wegzuräumen.“ Meistens findet sich eine arme Seele, die sich um den Geschirrberg in der Teeküche kümmert – und die ist dann zu Recht sauer, wenn sie keine Unterstützung findet.

Um Abhilfe zu schaffen, ist vor allem die Führungsriege gefragt, ist Nicham überzeugt. „Wenn man das Problem angehen will, muss man auf den Teamgeist setzen. Ein Vorgesetzter, der das Thema immer wieder anspricht, kann mehr bewegen als jemand, der selbst keinen Finger rührt.“ A propos Finger: Mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen sollten Chefs dennoch nicht.

Mitarbeiter gestalten Büroräume

„Wichtig ist bei solchen Problemen auch immer, bei Lösungsansätzen alle miteinzubeziehen. Dann können auch alle die Ergebnisse mittragen.“ In ihrer Firma hätten die Mitarbeiter beispielsweise lustige Plakate designt, die in der Teeküche hängen und als kleine Erinnerungshilfe dafür dienen, sich um eine gewisse Grundsauberkeit zu kümmern.

Aber auch das Miteinbeziehen der Mitarbeiter in die Bürogestaltung kann dafür sorgen, dass diese sich mehr für die Räumlichkeiten verantwortlich fühlen, in denen sie gute 40 Stunden in der Woche verbringen. Nicham: „Man nimmt auch automatisch mehr Rücksicht auf Räume, bei deren Gestaltung man selbst beteiligt war. Je mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten die Mitarbeiter haben, desto mehr fühlen sie sich auch verantwortlich und zugehörig zum Unternehmen.“

Möglichkeiten, die Belegschaft in die Gestaltung der eigenen Büroräumlichkeiten einzubeziehen, bieten beispielsweise individualisierte Arbeitsplätze. „Um kostenschonend zu arbeiten, können Firmen verschiedene Modelle einer Preiskategorie anbieten oder die Mitarbeiter zumindest die Farbe der Möbel aussuchen lassen“, schlägt Nicham vor.

Ein persönlicher Arbeitsplatz

Viele Führungskräfte haben den Sinn solcher Maßnahmen schon erkannt: Der „Office Indicator 2013“ des Wirtschaftsforums geben von 300 befragten Managern ganze 90 Prozent an, dass Mitarbeitermotivation ein (sehr) wichtiger Grund für Investitionen in neue Büroausstattung sei. Die Führungskräfte sehen in der (Neu-)Gestaltung der Arbeitsplätze auch eine gute Möglichkeit, neue Organisationsformen zu unterstützen (82 Prozent).

„Das hat auch mit Wertschätzung zu tun, wenn ich mich an der Auswahl meines Arbeitsplatzes beteiligen darf“, bestätigt Nicham. Studien zeigen, dass Mitarbeiter in persönlich gestalteten Büros bis zu 30 Prozent produktiver arbeiten als jene in zwar modernen, aber vereinheitlichten Büros. Ist aus Gründen der Coroporate Identity oder sonstigen Anlässen das Umgestalten der Arbeitsplätze nicht gestattet, können Firmen Gemeinschaftsräume schaffen, in denen sich die Mitarbeiter austoben können.

Teamgeist stärken, Mitarbeiter einbeziehen

„Dahinter steckt die Idee zu sagen, das ist jetzt euer Raum, da dürft ihr die Farben und Möbel aussuchen, und das zeigt die Wertschätzung und das Interesse an den Mitarbeitern. Solche Projekte stärken natürlich auch den Teamgeist und zugleich auch die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen – schließlich sind solche Einrichtungsprojekte oft längerfristige Angelegenheiten“, sagt Nicham.

Auch hier gilt: Die Planung funktioniert besser gemeinsam statt einsam. „Egal, ob Sie den Arbeitsort flexibler gestalten, eine neue Büroform initiieren oder einen Ort der Gemeinschaft schaffen möchten – stellen Sie Ihre Mitarbeiter nicht vor vollendete Tatsachen, sondern beziehen Sie sie mit ein. Denn sie kennen die spezifischen Anforderungen ihrer Arbeitsplätze sowie Aufgaben und wissen, was sie benötigen, um am Ende produktiv sein zu können“, schreibt die Führungskräfteberaterin Sabine Hockling in der ZEIT.

Auch wenn sich die Neuorganisation des Büros nicht sofort in Produktivität messen lässt – Mitarbeiter, die ihre Zeit gerne im Büro verbringen, schaffen mit Sicherheit ein angenehmes Betriebsklima.

Weitere Infos: IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH



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