Talent communities als Recruiting Tool
#Trends im Recruiting | Barbara Oberrauter

Talent Community

Die Talent Community als Recruiting Tool

In Zeiten, in denen Unternehmen sich um die qualifiziertesten Absolventen am Arbeitsmarkt prügeln, gilt es, mit potentiellen Kandidaten so eng wie möglich in Kontakt zu bleiben. Neben gezielter Ansprache gelingt Unternehmen das über den Aufbau einer Talent Community: Der interaktive Austausch zu branchen- und karrierebezogenen Themen fördert die Bindung zwischen Talenten und Unternehmen und stärkt die Arbeitgebermarke, ohne aufdringlich zu wirken.

Eine Talent Community ist eine Plattform, auf der sich Talente, interessierte Bewerber, aber auch Kandidaten, die eine Absage erhalten haben, engagieren und mit Mitarbeitern des Unternehmens interagieren können. Der verstärkte Wissensfluss von innen nach außen und umgekehrt dreht sich dabei und definierte Interessensgebiete, die einen Dialog zwischen Unternehmen und Talenten in Gang bringen und einzigartige Beziehungen ermöglichen, die auf Augenhöhe stattfinden und den Austausch zwischen Fachleuten ermöglichen.

Kandidaten profitieren vom Knowhow des Unternehmens

Kandidaten haben dabei die Möglickeit, vom Knowhow des Unternehmens zu profitieren, etwa in Form von Whitepapers, Blogposts, Ebooks, Studien und anderem Content, den die Firma zielgruppengerecht veröffentlichen und in den einzelnen Communities zur Diskussion stellen kann. Das Unternehmen wiederum hält sich wichtige Kandidaten warm und lernt künftige Bewerber kennen, noch bevor überhaupt eine Stelle ausgeschrieben ist. Im Idealfall profitieren beide von dem Austausch – und es ergibt sich die Möglichkeit zur (späteren) Zusammenarbeit.

Brücke zwischen Employer Branding und Recruiting

„Talent Communities schaffen die Brücke zwischen dem Employer Branding und der Rekrutierung“, bestätigt auch Kaj Ossman, Talent-Pool-Experte bei Universum. „Unternehmen bauen sich damit eine Pipeline aus Talenten auf, die noch nicht ‚reif‘ für eine Einstellung sind. Noch bevor das Talent nach einem Job Ausschau hält, hat das Unternehmen bereits eine Beziehung zu ihm aufgebaut. Dies wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil, sobald zum Beispiel aus einem Studierenden ein Absolvent wird.“

Erstklassige Pipeline für Talente

Wird die Talent Community wirklich als Element im Employer Branding eingesetzt und entsprechend mit Ressourcen und finanziellen Mitteln ausgestattet, ist sie das ideale Mittel für Unternehmen, eine erstklassige Pipeline für Talente zu schaffen und darüber hinaus im Austausch mit Fachleuten wertvolles Wissen zu erlangen, das in dieser Form im Unternehmen vielleicht nicht oder nur ansatzweise vorhanden ist. Umgekehrt werden Mitglieder, die in der Talent Community besonders stark aktiv sind, zu Markenbotschaftern des Unternehmens, die das positive Bild der Firma nach außen in ihre Netzwerke tragen und nicht nur zum guten Ruf des Unternehmens beitragen, sondern auch neue Bewerber und Talente an Land ziehen und für die Community rekrutieren.

Fachlich versierte Recruiter gefordert

Recruiter, die in einer Talent Community aktiv sind, müssen daher nicht nur über hohes fachliches KnowHow verfügen, sondern auch ein gutes Gespür dafür haben, welche Inhalte und Diskussionen die Talent Community gerade beschäftigen. Darüber hinaus ist es seine Aufgabe, entsprechende High potentials und Meinungsführer anzusprechen und in Zusammenarbeit mit diesen die Community inhaltlich und personell weiter auszubauen.

Längerfristiger Beziehungsaufbau statt schnelle Stellenanzeige

Das geht nicht über Nacht – und meist nicht als Nebenjob neben vielen anderes Tasks. Wer eine gut florierende Talent Community aufbauen will, braucht neben Zeit daher das entsprechende Personal – und den Willen, auf längerfristigen Beziehungsaufbau gegenüber schnellen Stellenanzeigen auf Bedarf zu setzen. Nur so wird die Talent Community zur strategischen Marketingtaktik im Employer Branding, die den entscheidenden Vorteil im Kampf um die besten Talente bietet – weil sie über das Engagement von Mensch zu Mensch funktioniert.

Vier Elemente machen eine gute Talent Community aus

1. Die richtige Plattform: Unternehmen können aus einer breiten Anzahl an Plattformen wählen, inklusive solchen, die in Social Media schon weit verbreitet und akzeptiert sind, etwa Facebook oder Twitter. Dazu gibt es eigene Software, die eigens für das Management von Talent Communities entworfen wurde und Mitglieder zusammenbringt, Inhalte verbreitet und Diskussionen ermöglicht. Welche Plattform am besten zum Unternehmen passt, ist eine individuelle Entscheidung und hängt von der Form ab, in der die Firma mit ihren Talenten in Kontakt treten möchte.

2. Die Pflege der Community: Das Betreuen von Talent Communities ist eine dauerhafte Aufgabe und nicht mit einem Massenmail an mögliche Interessenten erledigt. Unternehmen, die neue Talente an Land ziehen und bestehende Interessenten an Bord behalten möchten, tun gut daran, Inhalte mit hohem Aufmerksamkeitswert zu veröffentlichen, an entsprechenden Diskussionen dazu teilzunehmen und dauerhaft mit den Talenten zu interagieren. Dazu können auch spezielle Interessensgruppen gebildet werden, die einzelne Spezialbereiche abdecken – nicht jede IT-Fachkraft ist beispielsweise ein Entwickler, während umgekehrt Developer auch nicht als allgemeine IT-Experten gesehen werden möchten. Unternehmen, die zielgruppenspezifische Inhalte zur Verfügung stellen und diese mit relevanten Infos versorgen, haben später beim Recruiting die Nase vorn – und wissen, was ihre Talente gerade interessiert.

3. Die richtigen Inhalte: Wer seine Talent Community laufend ausbauen und erweitern möchte, muss in entsprechenden Interessensnischen präsent sein und seinem Publikum ständig neue Inhalte bieten – sonst wandern diese ab zur medialen Konkurrenz. Dazu ist es wichtig, sich in den Communities umzuhören, welche Themen gerade aktuell sind – und Talente auch zu motivieren, eigene Inhalte einzubringen. Content, der gerne geteilt wird, erzählt etwas Neues, ist spannend und passend für die Zielgruppe formuliert – nur so fühlen sich Experten auf Augenhöhe angesprochen.

4. Der Dialog mit den Talenten: Das Kernstück der Talent Community ist die Interaktion mit aktuellen Mitarbeitern des Unternehmens. Diesen Dialog zu ermöglichen oder sogar aktiv zu fördern bringt Transparenz ins Unternehmen ? und verwandelt passive Kandidaten in mögliche künftige Mitarbeiter. Dazu erhöht die Interaktion zwischen verschiedenen Mitgliedern des Talent Pools das Engagement auch aktueller Mitarbeiter ? und holt Wissen ins Unternehmen, das vorher vielleicht nicht vorhanden war.

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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.