Die perfekte Stellenanzeige
#Recruiting | Barbara Oberrauter

Die perfekte Stellenanzeige

„Es hat keinen Sinn, smarte Menschen einzustellen, um ihnen zu sagen, was sie machen sollen. Wir stellen smarte Menschen ein, damit sie uns sagen, was wir machen sollen.“
– Steve Jobs, verstorbener Apple-Gründer

Weltweit, führend, international und innovativ: Das sind die Schlagwörter, die deutsche Unternehmen laut einer Studie am häufigsten in ihren Stellenanzeigen einsetzen. Wer sich aber im Kampf um die besten Talente von der Masse der übrigen Arbeitgeber abheben möchte, muss die Kandidaten schon beim ersten Lesen mitreißen – beim Lesen der üblichen Floskeln verliert selbst der geduldigste Bewerber irgendwann die Lust, sich eingehender mit dem Unternehmen zu beschäftigen.

Noch immer achten Unternehmen viel zu selten auf eine persönliche Ansprache mit dem gewissen Etwas, sondern bemühen immer und immer wieder dieselben Schlagwörter. Dabei braucht ein Inserat neben ansprechendem Design vor allem zwei Dinge, um geeignete Kandidaten anzusprechen, zeigt eine Studie der Agentur Wortwelt: Verständlichkeit – und eine klare Kommunikation der Lebenswelt, die Kandidaten im Unternehmen erwartet.

 

So bauen Sie Ihre Stellenanzeige auf

Fünf Fragen muss eine perfekte Stellenanzeige beantworten:

  • Wer sind Sie?
  • Wen suchen Sie?
  • Was erwarten Sie?
  • Was können Sie bieten?
  • Wie kann man sich bewerben?

Klingt einfach, erfordert aber Fingerspitzengefühl – und eine genaue Kenntnis des jeweiligen Anforderungsprofils. Nicht selten werden Fachkräfte, etwa aus der IT, durch schwammige Begrifflichkeiten und Fehler im Qualifikationsprofil abgeschreckt. Bewerber möchten auf Augenhöhe angesprochen und von ihrem Gegenüber fachlich ernst genommen werden. Bevor es also ans Formulieren der Stellenanzeige geht, sollten Profis ran – und sich nochmal genau anschauen, ob das, was da gefordert wird, auch wirklich Bestandteil der täglichen Arbeitslast ist.

Auch die Unternehmensvorstellung sollte genau auf die Zielgruppe abgestimmt werden, die man sucht: Sollen eher Fachkräfte angesprochen werden oder Berufseinsteiger? Geht es um einen kommunikativen Job im Marketing oder werden robuste Schichtarbeiter gesucht? Je nachdem, wie der Arbeitgeber sozial tickt, sollten auch Informationen zu Unternehmenskultur und dem jeweiligen Team eingebaut werden, damit nur Kandidaten angesprochen werden, die sich damit langfristig auch wohlfühlen.

 

Das muss alles in eine Stellenanzeige

Die Employer Branding-Studie von StepStone zeigt, welche Inhalte Kandidaten abseits der Jobbeschreibung in einer Stellenanzeige wichtig ist, um sich ein gutes Bild von einem Unternehmen machen zu können:

  • Infos zum Bewerbungsprozess allgemein (62,1%)
  • Link zur Website des Unternehmens (60%)
  • Direkte Kontaktmöglichkeiten zum Unternehmen für Fragen (58,2%)
  • Weiterbildungsmöglichkeiten (46,7%)
  • Unternehmensleitbild (44,9%)
  • Benefits, die den Mitarbeitern angeboten werden, etwa Fitnessstudio, private Pensionsvorsorge oder Anderes (44%)
  • Bewertungen & Erfahrungsberichte von Mitarbeitern (34,4%)
  • Google Maps / Erreichbarkeit und Verkehrsanbindung (24,8%)
  • Fotos (23,6%)

Wird in einer Stellenanzeige zu wenig Information geliefert, besuchen übrigens 86% aller Befragten die Unternehmenswebsite – entsprechend up to date und benutzerfreundlich sollte sie also sein!

 

9 Geheimtipps für Ihre Stellenanzeige

Abgesehen von den „hard facts“ wie Gehalt und Jobdescription gibt es einige Elemente, die Ihrer Stellenanzeige das gewisse Extra verleihen können und Kandidaten garantiert auch interessieren:

1. Menschen: Nicht nur Führungskräfte, sondern jene Menschen, die tagtäglich den ganzen Betrieb am Laufen halten, sind relevant: Kann sich Ihr Kandidat vorstellen, täglich mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten? Wie kann Ihr Team dem Kandidaten bei seiner Weiterentwicklung behilflich sein?

2. Der „Wow-Faktor“: Was erzählen Ihre Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber, um Freunde eifersüchtig zu machen? Das können Dinge wie schnelles Wachstum sein, eine bekannte Marke, aber auch die Art und Weise, wie das Unternehmen sich positiv auf seine Umgebung auswirkt und nachhaltig handelt. Überlegen Sie: Was ist so cool, schockierend oder einzigartig in Ihrer Firma, dass Kandidaten der Mund offen stehen bleibt?

3. Lernen und Weiterentwicklung: Wie werden Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen gefördert, welche Möglichkeiten zu Lernen und sich persönlich und fachlich weiterzuentwickeln gibt es? Gibt es strukturelle Karrierepfade – oder sucht sich jeder seinen eigenen Weg, vielleicht mit Hilfe eines Mentoring-Programms?

4. Der Arbeitsalltag: Wie erledigen Ihre Mitarbeiter die täglichen Arbeitsaufgaben? Ihr Ansatz in Sachen „getting stuff done“ (zu Deutsch: Dinge erledigen) ermöglicht Kandidaten einen ersten Einblick in Unternehmenskultur, Kommunikationsstrukturen und Kooperationsformen in Ihrem Betrieb.

5. Werte: Die Unternehmenswerte ziehen manche Kandidaten an, während sie andere abschrecken können. Was sind Ihre Unternehmenswerte – und wie wirken sie sich in der täglichen Arbeit aus?

6. Der „Social Vibe“: Macht es Spaß, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten? Welche Traditionen gibt es? Wie werden Erfolge gefeiert, und was machen Ihre Mitarbeiter nach Feierabend miteinander? Erzählen Sie, warum es sich lohnt, bei Ihnen einzusteigen – auch in sozialer Hinsicht.

7. Ort und Location: Wo sind Sie angesiedelt, und wie sieht Ihre Firmeneinrichtung aus? Hat jeder seinen eigenen Schreibtisch, oder gibt es eine shared desk-policy? Sitzen Ihre Mitarbeiter in Einzel- oder Großraumbüros? Und wie leicht erreicht man Ihr Unternehmen mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

8. Außergewöhnliche Benefits: Was bietet Ihr Unternehmen an, das niemand anderer hat? Ob es sich dabei um die Möglichkeit handelt, Haustiere oder Kinder in die Firma mitzunehmen, oder jedem Mitarbeiter ein Leihfahrrad zur Verfügung gestellt hat – hier besteht die Möglichkeit, sich mit innovativen Zusatzleistungen vom Mitbewerb am Arbeitsmarkt abzuheben – und damit die besten Kandidaten an Land zu ziehen.

9. Der Sinn der Sache: Vor allem die jüngeren Generationen suchen verstärkt nach Jobs mit Sinn. Was ihr Beitrag zum großen Ganzen sein wird, kann man daher ruhig auch schon in der Stellenanzeige erwähnen – so können sich Bewerber gleich verorten und orientieren.

 

So formulieren Sie Ihre Stellenanzeige

Nicht jeder ist zum Schreiben geboren. Um eine Stellenanzeige perfekt zu formulieren, lohnt sich daher der Einsatz von Experten – oder zumindest das Beachten folgender Regeln:

  • Kurz und knackig: Niemand will elendslange Schachtelsätze in einer Stellenanzeige lesen. Besser: Kurze, verständliche Sätze ohne langes Blabla.
  • Aktiv statt passiv formulieren: Passive Satzkonstruktionen wirken verstaubt („Schon seit Generationen werden bei uns die besten Automobile hergestellt…“). Besser formuliert man aktiv, etwa: „Wir stellen seit Generationen die besten Automobile her.“
  • Keywords der Zielgruppe beachten: Je nach Alter, Geschlecht, Tätigkeitsfeld, Berufserfahrung oder sozialer Schicht reagieren unterschiedliche Zielgruppen verschieden auf spezielle Keywords. Wer einen 16-jährigen Lehrling sucht, muss anders formulieren als bei der Ansprache einer 54-jährigen langjährigen Fachkraft.
  • Gender-Bias beachten: Formulierungen in Stellenanzeigen können einen großen Einfluss darauf haben, ob sich eher Männer oder Frauen angesprochen fühlen, zeigen Studien: Bezeichnungen ( „Senior-Manager“) oder Anforderungen („Kommunikationsfähigkeit“) tragen dazu bei, dass Stellenanzeigen eher als männlich oder weiblich empfunden werden. Werden männlich konnotierte Eigenschaften gefordert, schrecken viele Frauen vor einer Bewerbung zurück.
  • Bleiben Sie sich selbst treu: Wenn es im Unternehmen förmlicher zugeht, muss die Stellenanzeige das widerspiegeln – und nicht plötzlich auf Jugendsprache machen, weil das gerade im Trend liegt. Ehrliche, authentische Kommunikation lautet das Schlüsselwort – in Zeiten von Arbeitgeberbewertungen lassen sich Kandidaten nicht mehr täuschen.

 

Kreative Stellenanzeigen

Ob grafisch, ehrlich oder zum Schreien komisch, kreative Stellenanzeigen tun mehr, als nur aufzufallen: Sie kommunizieren gleichzeitig den USP eines Arbeitgebers auf ganz eigene Art und Weise – und bleiben so Kandidaten langfristig im Gedächtnis.

Ein ganz besonderes Gustostückerl hat in diesem Jahr übrigens das deutsche Einzelhandelsunternehmen Edeka geliefert: Gemeinsam mit den Machern des YouTube-Kanals „Ost Boys“ möchte es auf seine Ausbildungs- und Studienangebote aufmerksam machen – auf ganz spezielle Art und Weise.

 

Storytelling in der Stellenanzeige

Eine Botschaft kommt nur als Geschichte verpackt gut an. Gerade das digitale Zeitalter ist für gelungenes Storytelling ein Segen: Verpackt in Geschichten aus dem Alltag kommen Informationen über Arbeitgeber und Job viel einprägsamer beim Kandidaten an – und motivieren ihn im besten Fall auch zu einer Bewerbung.

Via Social Media können Geschichten multimedial mit Bildern, Videos oder interaktiven Elementen greifbarer gemacht werden. Zum anderen bieten soziale Netzwerke jedem die Möglichkeit zu interagieren und Teil der Erzählung zu werden. Wichtig ist in jedem Fall, die Botschaft an die jeweilige Zielgruppe anzupassen – nur so holt man sich Kandidaten mit hohem „Cultural Fit“ ins Haus.

 

5 Tipps für gutes Storytelling

  • Anders: Tischkicker, kostenloses Obst und gratis Erfrischungsgetränke haben schon fast alle Unternehmen im Programm – damit lockt man keine Talente mehr hinter dem Ofen hervor. Suchen Sie jene Elemente, die Sie von anderen Firmen unterscheiden – und legen Sie den Fokus auf Ihre Einzigartigkeit.
  • Einfach: Auf der Suche nach einer guten Geschichte graben sich Kandidaten ungern durch seitenlange Textwüsten. Lassen Sie mit wenigen Worten vor dem Augen des Kandidaten ein lebhaftes Bild davon entstehen, wie es sich anfühlt, bei Ihnen zu arbeiten und Teil der Unternehmenskultur zu sein. Das überzeugt.
  • Glaubhaft: Eine gute Geschichte ist nicht nur einfach und simpel, sondern auch glaubwürdig. Dafür sorgen Testimonials, etwa die eigenen Mitarbeiter, eine starke Unternehmensmarke oder Influencers, die einen frischen, authentischen Blick auf Ihren Betrieb werfen.
  • Persönlich: Ihre Mitarbeiter haben sich alle aus unterschiedlichen Gründen dafür entschieden, bei Ihnen zu arbeiten. Identifizieren Sie diese Gründe – und verpacken Sie sie in Geschichten, die genau jene Talente ansprechen, die Sie zuvor als Zielgruppe identifiziert haben.
  • Interessant: Versetzen Sie sich mal in die Lage der Kandidaten: Erzählen Sie nur jene Geschichten, die diese auch wirklich interessieren – nicht die, die Sie unbedingt unters Volk bringen wollen.

 

Bildnachweis: Stadtratte/Quelle: www.istockphoto.com



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.