Stellenanzeigen richtig formuljieren
#Recruiting | Team JOBnews

Stellenanzeigen richtig formulieren

Das wollen Bewerber wirklich lesen

„Gute Leute zu finden wird immer schwieriger.“ So oder ähnlich hört man aus vielen Personalabteilungen in Österreich Klagen. Und das, obwohl genug Menschen in ihrem aktuellen Job unzufrieden sind und zu einem Wechsel mehr als bereit: Gerade mal zwei Jahre bleiben zwei Drittel aller Mitarbeiter durchschnittlich bei ihrem neuen Arbeitgeber, zeigen Zahlen der Statistik Austria.

Dieses Potential abzurufen und entsprechend anzusprechen, ist dennoch ein Kunststück, das nicht allen Unternehmen gelingt. Neben ansprechender Unternehmenskultur und nachhaltigem Employer Branding ist vor allem die Stellenanzeige der Touchpoint, an dem aus Interessenten potentielle Kandidaten werden. Und hier zeigt sich: Unternehmen achten viel zu selten auf eine persönliche Ansprache mit dem gewissen Etwas, sondern bemühen immer und immer wieder dieselben Schlagwörter.

Eine gute Stellenanzeige muss verständlich und klar formuliert sein

Kein Wunder, dass Talente schon beim Lesen abschalten – und sich anderweitig nach attraktiven Arbeitgebern umsehen. Um die geeigneten Kandidaten anzusprechen, braucht ein Inserat neben ansprechendem Design vor allem zwei Dinge, zeigt eine neue Studie der Agentur Wortwelt: Zum einen ist Verständlichkeit die Grundvoraussetzung für erfolgreiche Kommunikation. Wer das Inserat nicht versteht, wird sich nicht bewerben.

Der zweite Punkt, den alle guten Inserate erfüllen müssen, ist die klare Kommunikation der Lebenswelt, die Kandidaten im Unternehmen erwartet. Der Text muss im Kopf von Bewerbern eine möglichst klare Vorstellung über Aufgaben und Umfeld entstehen lassen. Nur bekommen genau die richtigen Kandidaten das Gefühl: „Das ist mein Job, da bewerbe ich mich.“ Im Umkehrschluss siebt eine klar kommunizierte Stellenanzeige auch unpassende Bewerber aus – weil die schon vorab sehen, dass der Job wohl nichts für sie ist.

Schachtelsätze meiden, konkrete Aktivitäten benennen

Zur klaren Kommunikation gehört auch eine Sprache, die mehr erklärt als verwirrt. Schachtelsätze und Überflüssiges schaffen Verwirrung, zeigt die Wortwelt-Studie: Zwei von drei Stelleninseraten sind eher kompliziert formuliert. Hauptgrund ist die Vorliebe von Personalern für Hauptwörter: Es wimmelt nur so von Substantiven wie „Durchführung“, „Koordinierung“, „Planung“ etc.

Das Problem: Der Hauptwortstil verschleiert die konkreten Aktivitäten und damit genau das, was Interessierte anzieht. Wer sich in seinem Stelleninserat hingegen an die gesprochene Sprache anlehnt und klar sagt, was im Job zu tun ist, weckt Interesse – und erhöht die Chance auf viele Bewerbungen, etwa so: „Praktikumsplatz: Helfen Sie dem HSEQ Manager, unsere Abläufe zu optimieren.“

Verständliche Jobtitel und klare Jobbeschreibung

Neben einer klaren Sprache braucht es auch einen verständlichen Stellentitel, um im Karriereportal gefunden zu werden. Ist die Jobbezeichnung nicht aussagekräftig genug, hilft es, die Essenz der betreffenden Position in einem knackigen Satz über oder unter den Jobtitel stellen. So wird die klare Beschreibung der Aufgabe in Verbindung mit einem knackigen Titel zu einer erfolgreichen, magnetische Stellenanzeigen.

Nur so erkennen Interessierte, ob hinter der Ausschreibung der persönliche Traumjob steckt – oder eben auch nicht. Wer sich hinter Floskeln wie „Konzeptentwicklung“ versteckt, sagt nichts darüber aus, ob damit 20 Stunden pro Woche alleine im Büro gemeint sind oder doch der rege Austausch mit drei kreativen Köpfen. Und was bedeutet „Unterstützung der GL“: Spannende Fachdiskussionen im Chefbüro auf Augenhöhe oder das Erstellen von Powerpoint-Präsentationen auf Zuruf?

Stellenanzeige mit Sinn

Zudem fordern immer mehr Talente auch eine Antwort auf die Frage: Was habe ich davon, wenn ich mich hier bewerbe? Was wird mir hier geboten, das ich wo anders nicht bekomme? Unternehmen, die die besten Talente an Land ziehen wollen, müssen hierauf eine Autwort finden, die aus mehr besteht als der üblichen „Work Life-Balance“ oder „kostenloser Obstkorb.“ Eine gute Stellenanzeige kommuniziert daher auch den Sinn des Jobs: Jenen Beitrag, der die Vision des Unternehmens ein Stück weiter voranbringt und Kandidaten ihren Beitrag zum großen Ganzen aufzeigt.

„Ob zufriedene Kunden, reibungslose Abläufe, sichere Maschinen oder genaue Diagnosen, Menschen identifizieren sich in hohem Maß über den Sinn dessen, was sie tun“, schreiben die Autoren der Wortwelt-Studie. „Wer das in seiner Stellenanzeige berücksichtigt, motiviert Kandidaten und schafft ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Unternehmen.“

Menschen wollen Stellenanzeigen, die Geschichten erzählen

Fazit: Stellenanzeigen sind und bleiben auf absehbare Zeit der wichtigste Kontaktpunkt im Recruiting. Recruiter sollten sich daher wirklich Zeit für klare und verständliche Jobprofile nehmen. „Fühlen Sie dem Fachbereich auf den Zahn und filtern Sie gemeinsam heraus: Was taugt den Menschen in dem spezifischen Job im Alltag wirklich? Und was geht ihnen auf die Nerven?“, raten die Studienautoren.

Auch wenn das mehr Arbeit bedeutet als bloß ein paar Keywords zusammenzutragen, lohnt es sich, sagt Johannes Angerer von Wortwelt, denn: „Menschen reagieren nicht auf bloße Keywords, sie sind keine Maschinen. Wer weg möchte von Jobinseraten, die bloße Schlagwörter verbreiten, muss in den Köpfen der Menschen eine Geschichten entstehen lassen.“ Nur so können sich Bewerber wirklich vorstellen, was es bedeutet, in der ausgeschriebenen Position für die Firma zu arbeiten – und ob sie sich selbst in dieser Position sehen.

INFO: www.wortwelt.at

Bildquelle: istockphoto.com

 



Verwandte Artikel






Team JOBnews
Team JOBnews

Das StepStone Marketingteam schreibt über neue und wichtige Themen sowie Trends im Online-Recruiting. Mit den beiden Jobbörsen www.stepstone.at und www.unijobs.at gehört Stepstone Österreich zu den wichtigsten Jobbörsen in Österreich.