Ständige Erreichbarkeit
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Ständige Erreichbarkeit

Ständig erreichbar - öfters krank?

Immer am Ball bleiben, alles muss schnell gehen, keine Pause im Hamsterrad: Der moderne Arbeitnehmer hat kaum Zeit, zwischendurch einmal zu verschnaufen. Wenigstens in der Freizeit sollte er abschalten – sofern er nicht die paar Stunden zwischen Schlaf und Arbeit dazu nutzt, noch schnell ein paar Büromails zu beantworten und einen wichtigen Firmenanruf zu tätigen.

Neue technische Entwicklungen lassen die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben immer häufiger verschwimmen: Ein schneller Check am Smartphone oder Tablet kostet doch schließlich keine Zeit und schadet nicht, oder? Falsch gedacht. Wer zwischendurch nicht runterkommt und ständig für den Arbeitgeber da ist, riskiert ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen. So zeigt ein Report der Deutschen Initiative für Gesundheit und Arbeit (IGA), dass der Wegfall von Erholungszeiträumen und die Einschränkung bei der Freizeitgestaltung nicht nur psychische und körperliche Unruhe verursachen kann, sondern auch mögliche Gesundheitsschäden wie  Bluthochdruck und psychische Beschwerden wie Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Burnout oder ernsthafte Krankheiten wie Depression nach sich ziehen kann.

Recht auf Unerreichbarkeit bei BMW

Versuche, die Notbremse zu ziehen, gibt es viele. Zuletzt verlangte die deutsche IG Metall, Mitarbeiter vor Anrufen und E-Mails nach Feierabend besser zu schützen. Der Autobauer BMW  hat mit dem Betriebsrat vereinbart, dass Büromitarbeiter ein Recht auf Unerreichbarkeit im Feierabend haben. Mitarbeiter von Daimler können E-Mails während ihrer Abwesenheit automatisch löschen lassen, bei Volkswagen werden E-Mails nach Dienstschluss nicht mehr in den Posteingang des Smartphones weitergeleitet.

Erste Schritte in die richtige Richtung, aber doch nur Tropfen auf den heißen Stein: Immer noch geben 62% der deutschen Unternehmen an, keine Regelungen zur Erreichbarkeit der Mitarbeiter außerhalb der regulären Arbeitszeiten getroffen zu haben. Eine österreichische Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) aus 2013 zeigt, dass von rund ein Drittel der Befragten erwartet wird, auch in der Freizeit erreichbar zu sein – und das ohne zusätzliche Bezahlung.

Ständige Erreichbarkeit schmeichelt dem Ego

Dennoch scheinen alle Arbeitnehmer nicht unter der ständigen Erreichbarkeit zu leiden.  „Allzeit bereit“ zu sein, sei eben auch verführerisch für das eigene Ego, erklärt Gerhard Klicka, Unternehmensberater bei Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement in Wien. „Immer erreichbar zu sein, ist für viele Menschen ein Zeichen für ihre eigene Wichtigkeit.“ Auch die IFES-Studie bestätigt: Jene, die dienstliche Mails in der Freizeit bearbeiten, machen das weniger auf Druck der Vorgesetzten, sondern weil es Teil ihrer Arbeitskultur geworden ist.

Alleine die Verfügbarkeit der Bereitschaft könne ein Dilemma sein, sagt Klicka: „Unterdrücke ich die Neugierde, meine Mails zu checken, kann dies Spannung auslösen. Tue ich es trotzdem und mir flattert ein unangenehmes Mail vom Chef in die Box, bin ich in meiner Freizeit wieder in Gedanken bei der Arbeit.“ Arbeitnehmer sehen in der ständigen Erreichbarkeit auch Vorteile, zeigt der IGA-Report, etwa hinsichtlich zusätzlicher Flexibilität und Mobilität. Auch die Möglichkeit, schneller Hilfestellung von Kollegen oder Vorgesetzten zu bekommen, gilt als Plus. Nicht zuletzt stehe die ständige Verfügbarkeit auch für einen Identitäts- und Statusgewinn, so die Autoren: „Mehrfach wurde von den Befragten betont, dass  bestimmte Beschäftigtengruppen gerne ständig erreichbar seien. Für viele Beschäftigte sei Erreichbarkeit offensichtlich mit einer interessanten Tätigkeit verbunden.“

Kein Raubbau an Personalreserven

Um Ruhepausen und Entschleunigung in den modernen Arbeitsalltag zu bringen, hat die Gewerkschaft Druck, Journalismus und Papier unter dem Motto „Schalt mal ab“ vergangenen Sommer eine Info-Kampagne gestartet. Ein „Batterien-Check“ im Internet soll helfen, sein persönliches Belastungslevel herauszufinden. Zusätzlich rät die gpa, klare Regelungen in Bezug auf Rufbereitschaft oder ständige Erreichbarkeit in der Reisezeit zu vereinbaren und – no na – das Handy zwischendurch immer wieder mal auszuschalten.

Aber auch Führungskräfte und Personalabteilungen sind gefragt, wenn es um das Thema ständige Erreichbarkeit geht, sagt Gerhard Klicka: „Die Betriebskultur und Unternehmensphilosophie trägt einen entscheidenden Beitrag zum Umgang und Verhalten mit neuen Medien bei. Führungskräfte sind die Gestalter der Arbeitsbedingungen und haben dafür zu sorgen, die Produktivität langfristig sicherzustellen. Das geht nur durch einen Führungsstil, der auf Belastungsabbau und Ressourcenaufbau setzt und mit Transparenz und Wertschätzung arbeitet.“

Er rät Vorgesetzten, auf höchster Ebene zunächst die Spielregeln zu klären: „Was wird verlangt? Was wird erwartet? Und wie wird es kommuniziert?“ Dann könne man sich im Team an gültige Richtlinien halten, etwa einen E-Mail-Stopp nach Feierabend oder die Vorgabe, Mails generell kurz und knapp zu halten. Am Ende sollte man aber auch nicht auf die zwischenmenschliche Komponente vergessen, sagt Klicka: „Wenn sie die Wahl haben, ziehen Sie den persönlichen Kontakt einem E-Mail vor.“ Das geht nicht nur schneller, sondern sorgt vielleicht auch für die dringend benötigte Ruhepause im hektischen Arbeitsalltag.

INFO:
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Bildnachweis: www.thinkstock.de



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