Social Recruiting heißt die Strategie, bei der Mitarbeiter neue Kollegen finden.
#Recruiting | Barbara Oberrauter

Social Recruiting

Mitarbeiter rekrutieren Mitarbeiter

Die einen nennen es Mundpropaganda, die anderen Gerüchteküche, und wieder andere bezeichnen es als Klatsch und Tratsch. Fakt ist: Brisante Informationen verbreiten sich oft wie ein Lauffeuer – und das umso schneller, seit es Facebook und Co. gibt. Grund genug für Personaler, sich dieses kommunikative Netzwerk zu Nutze zu machen. Social Recruiting heißt die Strategie, bei der Mitarbeiter neue Kollegen finden, ansprechen und für offene Stellen im eigenen Unternehmen rekrutieren.

Mitarbeiterempfehlungen gegen Fachkräftemangel

Vor allem für Positionen, die ansonsten nur schwer zu besetzen seien, sind Mitarbeiterempfehlungen oft Gold wert, schreiben Nils Schulenburg und Kyra Luthe im Fachmagazin Personalführung der DGFP. „Um im härter werdenden Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte langfristig erfolgreich sein zu können, stellen Mitarbeiterempfehlungsprogramme eine sinnvolle Ergänzung zu den bewährten Rekrutierungsinstrumenten dar.“

Zwei Vorteile sehen die beiden Experten beim Recruiting durch bestehendes Personal: Zum einen seien die Kosten pro Kandidat relativ gering, „da eine gezielte Ansprache über die etablierten Mitarbeiter erfolgt. Zweitens besteht über die eher informelle Art der Kommunikation in privaten Netzwerken die Möglichkeit, Besonderheiten der jeweiligen Unternehmenskultur zu vermitteln.“ Damit, so die Autoren, werde ein Teil des Kennenlernens des Unternehmens bereits vorweggenommen. Die Gefahr, dass neue Mitarbeiter in der Anfangszeit kündigen, weil sie mit der Unternehmenskultur nicht klar kommen, wird daher von vornherein reduziert.

Mitarbeiter als Gatekeeper

Zudem, so Schulenburg und Luthe, fungieren die bestehenden Mitarbeiter als eine Art Gatekeeper: Sie sprechen nur ausgewählte Personen an, die ihnen aus Ausbildung oder Berufslaufbahn bekannt sind. So kann seitens des Unternehmens sichergestellt werden, dass entsprechende fachliche Kompetenzen ebenso vorhanden sind wie eine gewisse Grundsympathie, ohne die ein Zusammenarbeiten im Team nicht funktionieren kann.

Neben finanziellen Anreizen könne vor allem die Verbesserung des Arbeitsklimas für gelungene Mitarbeiterempfehlungen sorgen, sind die Autoren überzeugt. „Insbesondere eine hohe Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter dürfte deren Bereitschaft, das eigene Unternehmen an Personen aus dem privaten Netzwerk weiterzuempfehlen, positiv beeinflussen.“ Der Grund: „Eine hohe Arbeitszufriedenheit steigert emotionale Bindung an das Unternehmen und Loyalität über die Verpflichtungen aus dem Arbeitsvertrag hinaus.“

Wettbewerbsvorteile durch Social Recruiting

Zwei Punkte sollten Unternehmen beachten, die das Engagement der Mitarbeiter beim Recruiting neuer Talente signifikant erhöhen wollen, ist im Whitepaper „Team Recruiting – Wie Mitarbeiter Mitarbeiter rekrutieren“ des Software-Unternehmen Haufe-Umantis zu lesen: Die finale Entscheidung für Neueinstellungen müsse beim Team selbst liegen. Und: „Das Team wird mit Fotos und Aussagen im Inserat dargestellt.“ Damit hat das Unternehmen gute Erfolge gemacht: Über 60 Prozent der letzten 60 Stellenausschreibungen konnten über Empfehlungen besetzt werden.

Die Autoren raten Personalabteilungen und Vorgesetzten, das Team bereits bei der Diskussion des Personalbedarfs mit einzubeziehen und die Mitarbeiter auch selbst eine Stellenanzeige formulieren zu lassen. Das heißt jedoch nicht, dass die Personalabteilung bei künftigen Stellenbesetzungen außen vor bleiben soll. Im Gegenteil: Als koordinierende Stelle und Moderator im Recruiting-Prozess bringen Personalverantwortliche Team, Führungskräfte und Talente an einen Tisch, um in einem gemeinsamen Entscheidungsprozess den oder die Beste für die Stelle herauszuarbeiten. Das sei ganz im Sinne des Unternehmens, zeigen sich die Autoren überzeugt: Schließlich sichere „die mutige Einführung von Recruiting als soziale Aktivität dem Unternehmen aktuell noch einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil.“

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Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.