Smart Factory: Ersetzen Roboter bald Menschen?
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Smart Factory

Ersetzen Roboter bald Menschen?

Smart Factory – 150 Jahre nach der industriellen Revolution steht die Wirtschaft vor einer Wende. Experten prognostizieren, einen radikalen Wandel von Industrie und Produktion. Das Schlagwort und Zukunftsprojekt Industrie 4.0. bezeichnet die vollständige, digitale, intelligente Vernetzung der Wertschöpfungskette eines Produktes.

Roboter ersetzen Menschen in der Fabrik der Zukunft: sie erledigen die Arbeit, die früher von Menschen gemacht wurde, wie etwa Werkstücke abholen, Kapazitäten für den nächsten Produktionsschritt buchen. Ja, sie kommunizieren sogar miteinander und kennen die Wünsche ihrer Kunden. Eine, ohne menschliche Eingriffe, weitgehend selbstorganisierte, intelligente Fabrik, die sogenannte „Smart Factory“ entsteht. Alles Zukunftsmusik oder schon bald Realität?

45% der Jobs durch Roboter bedroht

Bereits in den nächsten 20 Jahren weisen ein Viertel aller Jobprofile ein hohes Automatisierungsrisiko auf. Der Effekt für den Arbeitsmarkt wäre demnach drastisch, da in den betroffenen Bereichen alleine in Deutschland 17,2 Mio. Männer und Frauen beschäftigt sind – also 45% aller Beschäftigten. Dies ergab eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney. „In zwanzig Jahren wird fast die Hälfte der heutigen Arbeitsplätze in Deutschland durch Roboter ersetzt werden, die die Jobs effizienter erledigen können“, betont Dr. Martin Sonnenschein, Partner und Europachef bei A.T. Kearney.

Alte Arbeitsplätze gehen durch die Automatisierung verloren, neue werden allerdings auch geschaffen. „Das fordert uns viel Veränderungsbereitschaft und Flexibilität ab. Wer sie aufbringt, kann von diesem drastischen Wandel aber auch profitieren – als Arbeitnehmer und als Arbeitgeber“, versichert Sonnenschein. Industrie 4.0. führt jedoch keineswegs zu menschenleeren Fabrikhallen, denn die Maschinen können niemals ganz autonom funktioniere. Selbst eine Smart Factory wird Arbeitskräfte brauchen, um Maschinen zu bedienen. Experten sind sich jedoch einig: Menschen werden keine manuellen, routinierten Arbeitsschritte mehr durchführen, monotone Arbeiten werden wegfallen.

Gefährdete Berufe im digitalen Zeitalter

Die Arbeitswelt verändert sich durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologien. Digitalisierung bringt Chancen, aber auch Risiken für Beschäftigte. Was passiert mit den wenig qualifizierten Arbeitskräften, die bis dato jene Arbeiten verrichtet haben? Mitarbeiter müssen für die neuen Bedürfnisse der Smart Factory erst qualifiziert werden. Wie können zB ältere Mitarbeiter, die keine „digital natives“ sind an diesen Entwicklungen teilhaben. Die Produktion wird kostengünstiger und flexibler. Die Anforderungen ändern sich allerdings.

Eine hohe Automatisierungswahrscheinlichkeit haben den Studienautoren zufolge Berufe wie Versicherungsvertreter (99%), Kreditanalysten (98%), Kassierer (97%) oder auch Köche (96%). Ebenso betroffen davon sind klassische Büro- und Sekretariatskräfte. Bedeutet diese Entwicklung etwa das Ende des traditionellen Arbeitsplatzes? Nein, keineswegs. Sonnenschein empfiehlt: „Lassen Sie sich mit Mut zur Veränderung auf die anrollende Automatisierung ein“. Um diese Zukunftsvision der Smart Factory umzusetzen brauchen Unternehmen nicht nur Know-How, sondern sie müssen auch investieren in neue Technologien, Big Data, Datenanalyse und Informationsverarbeitung. Daher ist es wichtig, dass technologische Entwicklungen für soziale Innovationen genützt werden. Dann wird die Smart Factory zur Chance.

Studie
Wie werden wir morgen leben?
A.T. Kearney

Bildnachweis: www.istockphoto.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.