Lügen im Büro
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Sind Lügen im Büro erlaubt?

60% der Angestellten lügen täglich

Sind Lügen im Büro erlaubt? – Der Mensch lügt was das Zeug hält, nämlich bis zu 200-mal täglich. Lügen sind jedoch nicht gleich Lügen. Manch einer ist sogar überzeugt: Lügen sind besser als ihr Ruf. Es kommt schließlich immer auf den Kontext an. Denn der Begriff „lügen“ sollte nicht missverstanden werden. Wenn jemand zum Beispiel nicht seine vollständige Meinung sagt, dann ist das noch keine Lüge. Jemand, der allerdings ganz bewusst die Unwahrheit sagt, um selbst daraus einen Vorteil herauszuziehen, lügt vorsätzlich. Das sind also zwei verschiedene Paar Schuh.

Auch am Arbeitsplatz wird nicht immer die Wahrheit gesprochen. Das fängt häufig schon bei der harmlosen Frage nach dem Befinden an und kann schlimmsten Falles bei der Vortäuschung falscher Tatsachen enden. Die neue Frisur ihrer Kollegin gefällt ihnen überhaupt nicht, die politische Meinung eines Kollegen entspricht gar nicht der Ihren, keine Lust auf gemeinsames Essen in der Kantine oder der unangenehme Körpergeruch ihres Sitznachbarn. Ja, es gibt schwierige Situationen im Büroleben. Doch sind wir in solchen Situationen immer ehrlich? Meistens nicht. Denn wir möchten soziale Spannungen vermeiden. Diese, sogenannten „prosozialen Lügen“, verwenden wir, wenn wir unser Gegenüber nicht verletzen oder auch die Stimmung im Team nicht verschlechtern möchten. In der Tat: es ist nicht immer ehrlich, aber sozial.

 

60% der Angestellten lügen täglich

Eine Umfrage von Viking ergab: 60% aller Angestellten lügen täglich in der Arbeit. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Frauen sehen offensichtlich öfter die Notwendigkeit zu flunkern als Männer. Immerhin lügen 66% der Frauen laut Studie täglich, wohingegen sich 39% der Männer selbst als „sehr ehrlich“ einschätzen. Außerdem gibt es einen Unterschied hinsichtlich Einkommen. Die Umfrage ergab: je höher das Einkommen, desto häufiger wird die Unwahrheit gesprochen.

52% der Wenig-Verdiener, also jenen, die weniger als 10.000 Euro im Jahr verdienen, sehen keine Notwendigkeit Unaufrichtig zu sein. Bei den Top-Verdienern, also jenen, die mehr als 40.000 Euro im Jahr verdienen, gaben jedoch 70% an, dass sie mindestens einmal täglich an der Wahrheit herumbasteln. Interessant hierbei ist auch, dass 32% der Arbeitnehmer, die in gut bezahlten Jobs sind, nicht das Gefühl haben, ehrlich sein zu können. Wichtige Gründe hierbei sind in erster Linie, dass Kunden und Kollegen nicht verärgert werden möchte.

 

Ist es erlaubt eine Stelle schönzureden?

Kennen wir das nicht alle? Ein vielversprechender Bewerber mit exzellenten Bewerbungsunterlangen wird zum Gespräch eingeladen und entpuppt sich rasch als Blender. Lebenslauf und Bewerbungsschreiben waren eindeutig geschönt. Angegebene Qualifikationen, Fähigkeiten und Kenntnisse entsprechen nicht der Realität. Selbstverständlich ist es besser man kommt vor dem ersten Arbeitstag dahinter, als danach. Schon klar: Bewerber möchten sich im besten Licht darstellen. Unwahrheiten sind dann jedoch äußerst ärgerlich. Doch wie sieht es eigentlich mit dem umgekehrten Falle aus: ist es erlaubt eine Stelle schönzureden?

Bewerber blenden – ist es erlaubt eine Stelle schönzureden? Das ist eine heikle Frage. Eine Stelle mit Altlasten oder Leichen im Keller, kann Bewerber, die mehrere Eisen im Feuer haben vertreiben. Eine Vorspiegelung falscher Tatsachen kann allerdings auch dazu führen, dass Bewerber spätestens nach dem Probemonat wieder gehen. Das kostet Zeit und Geld. Daher ist es in so einem Falle immer besser die Tatsachen auf den Tisch zu legen und mit offenen Karten zu spielen. Bewerber, die Positionen mit speziellen Herausforderungen trotzdem möchten, werden sich im Vorstellungsgespräch nicht abschrecken lassen, wenn Sie offen und ehrlich über die Herausforderungen der besagten Position sprechen. Soll heißen: eine Stelle beim Bewerbungsgespräch gut zu verkaufen und schmackhaft zu machen, ist natürlich kein Fehler. Jedoch sollte sie nicht schöngeredet werden. Falls es sich also um eine Stelle mit Tücken handelt, so sollte dies auch im Vorstellungsgespräch kommuniziert werden. Manche Bewerber fühlen sich dadurch sicherlich auch motiviert.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.