No Go beim Vorstellungsgespräch
#Recruiting | Andrea Heider

Kandidaten schlecht behandlen

Wann werden Kandidaten schlecht behandelt?

Mittagsschlaf im Vorstellungsgespräch

Mittagsschlaf im Vorstellungsgespräch

Sie behandeln Kandidaten schlecht, wenn… – Ja, ja, Kandidaten müssen heutzutage alles haben: High Potential, Top-Ausbildung in Mindeststudiendauer, internationale Berufserfahrung, Fremdsprachenkenntnisse, leistungsstark, sympathisch und ein Teamplayer. Doch wie sieht es eigentlich auf der anderen Seite des Kreuzverhöres aus? Welche Eigenschaften sollte ein guter Recruiter mitbringen? Und: Gibt es auch Recruiter, die durch ihr Verhalten Top-Kandidaten vertreiben? Ja, die gibt es. Bewerber klagen oftmals darüber vom Recruiter respektlos behandelt worden zu sein. Vorsicht: Das spricht sich herum!

Was bedeutet das konkret? Etwa, wenn Recruiter beim Vorstellungsgespräch unhöflich und desinteressiert sind, oder sich sexistisch, diskriminierend, rassistisch oder chauvinistisch verhalten. Bewerbungen, die in schwarzen Löchern verschwinden, auf die niemals eine Antwort erhalten wird, sollten ebenfalls vermieden werden. Als Recruiter sollte man davon ausgehen, dass sich jeder Bewerber Mühe gibt und Hoffnungen hat, wenn eine Bewerbung verschickt wird. Vor allem für Kandidaten, die bereits länger auf Jobsuche sind, kann respektlose Behandlung im Jobinterview sehr frustrierend sein. Dementsprechend sollte jeder Bewerber würdevoll behandelt werden – auch wenn es sich nicht um die idealen Kandidaten handelt.

Recruiter lügen im Bewerbungsgespräch

Recruiter erwarten von Kandidaten Ehrlichkeit. Genauso sollten auch Sie ihre Kandidaten nicht anlügen. Eine Stelle schön reden? Nein, lieber nicht. Der Kandidat erkundigt sich nach der Work-Life-Balance, Überstunden sind im Unternehmen jedoch Gang und Gebe? Bleiben Sie lieber bei der Wahrheit. Folgende Äußerungen sollten Sie unbedingt vermeiden:

„Sie sind der beste Kandidat für diese Position“
Haben Sie überhaupt schon alle Kandidaten interviewt? Es mag sein, dass der Kandidat sympathisch ist, jedoch sollten Sie sich erst alle anderen Bewerber, die in die engere Auswahl kommen, ansehen. Wer weiß, vielleicht wird es ja doch jemand anderer. Wenn Sie Ihr Interesse am Kandidaten verlautbaren möchten, dann formulieren Sie etwas diplomatischer, etwa so: „Ihre Bewerbung ist sehr interessant, aber wir werden noch andere Gespräche führen.“

„In unserem Büro gibt es keine Intrigen“
In jedem Büro gibt es Machtdynamiken, Teamdynamiken und schlimmsten Falles sogar Intrigen. Das lässt sich vermutlich gar nicht vermeiden. Nicht alle Unternehmen pflegen eine vorbildliche Unternehmenskultur. Falls es komplizierte Mitarbeiter gibt, dann laden Sie den Kandidaten doch einfach zu einer Runde durch das Büro ein. Falls die Chemie überhaupt nicht stimmt, dann wissen Sie: das ist der falsche Kandidat.

„Wir sind uns mit dem Gehalt noch nicht ganz sicher“

Ach so? Was soll denn das bedeuten? Gehälter stehen in den Kollektivverträgen, Unternehmer müssen sich daran halten. Personalkosten sollten bereits, bevor die Stelle ausgeschrieben wird, festgelegt werden. Bestimmt möchten Sie vermeiden, einen geeigneten Kandidaten, der seinen Job vielleicht sogar aufgegeben hat, nach einigen Monaten wieder zu kündigen, bloß weil Sie die Personalkosten falsch eingeplant haben. Fazit: nicht gut.

Gelangweilte Recruiter

Gelangweilte Recruiter

Körpersprache des Recruiters ist abweisend

Der Körper spricht mit. Kandidaten wissen das oftmals besser als Recruiter. Die Körperhalten des Kandidaten sollten aufrecht sein, Selbstbewusstsein, Zuversicht und Sicherheit zum Ausdruck bringen, aber keine Überheblichkeit. Doch was sagt uns der Körper des Recruiters während des Gespräches? Wirken Sie gelangweilt, dominant, skeptisch oder gar abweisend? Führen Sie Bewerber nicht mit falscher Körpersprache in die Irre. Diese Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden:

Gelangweilt mit den Fingern auf den Tisch trommeln, aus dem Fenster schauen

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Der Bewerber ist nervös, freut sich über die Einladung zum Gespräch und bereitet sich auf das Vorstellungsgespräch vor. Dann kommt er zur Türe hinein und wird vom Recruiter mit Desinteresse abgestraft. Dies obwohl der Bewerber leidenschaftlich über sein Leben erzählt – Sie haben nichts Besseres zu tun, als gedanklich abzuschweifen? Plötzlich ist das Haus gegenüber interessanter als der Mensch, der vor Ihnen sitzt? Das hinterlässt keinen guten Eindruck beim Bewerber. Auch wenn Sie schon mehrere Gespräche geführt haben: bleiben Sie immer fokussiert und schenken Sie jedem Bewerber Ihre Aufmerksamkeit.

Zurücklehnen mit verschränkten Händen
Dabei runzeln Sie vielleicht auch noch die Stirn und ziehen die Augenbrauen hoch. Ganz klar: diese Köperhaltung signalisiert Abweisung und Desinteresse, gepaart mit Dominanz. Besser: Lehnen Sie sich entspannt nach vorne, stützen Sie sich mit den Armen am Tisch ab. Idealer Weise haben Sie die Unterlagen des Kandidaten vor sich liegen und können individuell auf den Lebenslauf eingehen. Das wirkt auf den Bewerber offener und sympathischer.

Bewerber von oben bis unten skeptisch mustern, Frauen auf ihre Brüste starren

Grundsätzlich gilt: Kommentare zur äußeren Erscheinung eines Bewerbers sind zu unterlassen. Sind Sie gerade aufgestanden? Sie haben aber eine bunte Jacke an. Sie sind auch nicht mehr die Jüngste. Oder noch schlimmer: ein paar Kilo weniger würden Ihnen nicht schaden. Nein! Das geht wirklich überhaupt nicht. Ja, Sie können es sich denken, aber aussprechen sollten Sie es niemals. Weibliche Bewerberinnen „abchecken“ oder gar mit ihnen flirten? Niemals, das ist ein absolutes NoGo beim Bewerbungsgespräch.

Bildquelle: www.istockphoto.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.






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