Soft Skills werden wichtiger
#Recruiting | Doris Hartl

Schlüsselkompetenzen im 21. Jahrhundert

Soziale und emotionale Fertigkeiten

Schlüsselkompetenzen im 21. Jahrhundert – Immer wieder loben wir nur eine Begabung: die kognitive. Vielleicht weil uns außer unserer Gesundheit nichts so wichtig ist wie Intelligenz. Und auch im globalen Wettbewerb ist sie kostbarer denn je. So werden Begabung und Erfolg immer wieder mit Intelligenz in Verbindung gebracht. IQ-Tests messen fast ausschließlich intellektuelle Fähigkeiten. Vorsprung durch Köpfchen.

Doch was ist mit Emotionaler Intelligenz? Kreativität? Empathie? Daniel Goleman, US-amerikanischer Psychologe formuliert provokant: „Wer Erfolg im Leben haben will, muss klug mit seinen Gefühlen umgehen können und das emotionale Alphabet beherrschen. Was nutzt ein hoher IQ wenn man ein emotionaler Trottel ist?“

Soziale und emotionale Fertigkeiten als „21st century skills“

Auch die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) betont in ihrem Bericht (Skills for Social Progress, 2015) die Bedeutung sozialer und emotionaler Fertigkeiten, wie Ausdauer, Resilienz (persönliche Widerstandskraft) und Selbstmanagement und gibt eine klare Empfehlung, diese zu fördern. Denn um produktiv und gesund zu bleiben, braucht es nicht nur die kognitive, mentale Ebene, sondern auch die Gefühlsebene. Es braucht eine Verbindung aus „mind“ und „emotion“, eine Balance zwischen kognitiver und emotionaler Intelligenz.

Dabei darf das Zusammenspiel beider Ebenen – Geist und Emotion – nicht unterschätzt werden. So ist erwiesen, dass Gefühle einen großen Einfluss auf unsere geistige Fähigkeit haben. Während negative Gefühle (Angst, Wut etc.) das rationale Denken behindern, können positive Gefühle dieses fördern. Das wiederum begünstigt kreatives und innovatives Denken.

Was bedeutet „emotionale Intelligenz“?

Emotionale Intelligenz beinhaltet Eigenschaften wie die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, Selbstmotivation, Selbstmanagement sowie Empathie, Lebenssinn und Zukunftsgestaltung. Aufbauend auf den Auslegungen von Salovey und Gardner gliedert Daniel Goleman den Begriff in fünf Bereiche:

  1. Die eigenen Emotionen kennen. Selbstwahrnehmung als wichtige Voraussetzung, denn wer die eigenen Gefühle nicht kennt, ist ihnen ausgeliefert. In Kontakt mit den eigenen Gefühlen zu sein bedeutet, diese zu erkennen während sie auftreten.
  2. Emotionen handhaben. Sich von Gefühlen nicht überwältigen zu lassen und sich von Rückschlägen rascher zu erholen.
  3. Emotionen in die Tat umsetzen. So ist emotionale Selbstbeherrschung die Grundlage jeder Art von Erfolg.
  4. Empathie. Die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen ? eine Fähigkeit, die jedoch auf emotionaler Selbstwahrnehmung aufbaut – ist die Grundlage der Menschenkenntnis.
  5. Umgang mit Beziehungen. Die Kunst der Beziehung besteht in der Kunst, mit den Emotionen anderer umzugehen.

Emotionale Intelligenz im Business-Kontext

Bereits seit den 1980er Jahren konnten Soziologen eine Entwicklung hin zur „Wissensarbeit“ festmachen. Manuelle Routinearbeit wurde von komplexer Problemlösungskompetenz und ExpertInnenwissen abgelöst.
Die Frage nach den so genannten „21st Century Skills“ – nach den Schlüsselkompetenzen für das 21. Jahrhundert – beschäftigt Bildungs- und WirtschaftsexpertInnen gleichermaßen.

Doch welche Fertigkeiten braucht der Mensch von morgen? Die US-amerikanische Organisation „Partnership for 21st Century Skills“ hat im Wesentlichen fünf Kompetenzbereiche definiert:

  1. Creativity – Kreativität und Problemlösefähigkeit
  2. Collaboration – Teamfähigkeit und Kooperationsvermögen
  3. Critical Thinking – Kritische Auseinandersetzung und Wissensaufbau
  4. Assessement – Evaluation und Selbstreflexion
  5. Organization – Organisationfähigkeit und eigenverantwortliches Arbeiten

Diese Kompetenzen implizieren emotionale und soziale Dimensionen, weisen diese aber nicht explizit aus. Wo bleibt das Gefühl?

Die Schnittstelle zwischen „mind“ und „emotion“

Führen wir uns vielleicht noch einmal die Definition von Intelligenz vor Augen. Intelligenz wird definiert „als die Fähigkeit, den Anforderungen, die die Welt an uns stellt, bestmöglich zu entsprechen.“

Wir leben in einer hochkomplexen, global-vernetzten Zeit, in der nicht nur das Fachwissen zählt, sondern auch die menschliche Note. Gemeinschaftliches, kreatives Arbeiten, rasches Umdenken und Einarbeiten in neue Bereiche, vernetztes und analytisches Denken sowie Problemlösungs- und Kommunikationskompetenz sind wichtig.

Das Arbeitsfeld und die Anforderungen von heute machen die Schnittstelle zwischen „mind“ und „emotion“ deutlich. Dieser Analogie folgend, gehören emotionale Selbstwahrnehmung, Emotionsregulation und Selbstmanagement genau so geschult wie Kommunikations- und Konfliktlösungskompetenz.

Soziale und emotionale Kompetenzen sind entscheidend und haben nicht nur Auswirkungen auf die interpersonale Effektivität, sondern auch auf die (Eigen-)Motivation, die Führungsqualität und die Produktivität, sowie das Arbeitsklima gesamt.

„Hard skills get you hired, soft skills get you fired“
So lautet ein Sprichwort. Dann investieren wir lieber mal in Letzteres!



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Doris Hartl

Den Menschen in seiner Vielfalt zu betrachten, und das wertfrei. Empathie und ein achtsamer Umgang mit sich und anderen sind wichtige Werte, die es (wieder) zu vermitteln gilt. Auch wenn Organisationsstruktur & -kultur als auch gelebte Kommunikationsprozesse berücksichtigt werden müssen, so geht es letztlich um den Menschen und um ein besseres Miteinander. Mag. (FH) Doris Hartl, MA ist Eigentümerin von Aroha Consulting sowie Dozentin für "Interkulturelles Management" und bietet Trainings & Beratung in den Bereichen: Kulturelle Vielfalt, Empathische Kommunikation und Achtsamkeit. www.aroha-consulting.com