Schlechte Onlinebewertungen
#Employer Branding & Personalmarketing | Andrea Heider

Schlechte Onlinebewertungen?

Macht nichts, Bewerber kommen trotzdem

Schlechte Onlinebewertungen – Herbert K. (28) ist derzeit auf Jobsuche. IT und technischer Support – das ist der Bereich, in dem er unterkommen möchte. Er findet zwei ansprechende Jobausschreibungen von unterschiedlichen Arbeitgebern. Die erste Ausschreibung ist exzellent und entspricht genau seinen Vorstellungen. Ein schneller Check auf einer Bewertungsplattform trüb jedoch das Bild: die Bewertungen sind mittelmäßig, das Führungsverhalten des Chefs lässt zu wünschen übrig, auch der Zusammenhalt im Team wird nur mäßig bewertet. Herr K. beschließt sich trotzdem zu bewerben.

Die zweite Ausschreibung hat wesentlich schlechtere Konditionen: das Gehalt könnte besser sein, die Verkehrsanbindung ist nicht optimal, es gibt keine Benefits. Herr K. möchte seine Bewerbung etwas besser abwägen und entschließt sich auch hier für einen kurzen Online-Check. Das Ergebnis überrascht: die Bewertungen des Unternehmens sind durchwegs positiv. Dadurch fühlt sich Herr K. motiviert eine Bewerbung abzuschicken, auch wenn die Konditionen nicht ideal sind.

38% der Jobsuchenden informieren sich auf Bewertungsplattformen

Grundsätzlich beziehen die meisten Jobsuchenden Informationen über Arbeitgeber aus dem Internet, insbesondere von der Unternehmensplattform oder aus dem Bekannten- und Freundeskreis. Tatsächlich beziehen sogar 38% der Jobsuchenden ihre Informationen über Arbeitgeber von Bewertungsplattformen – dies ergab eine StepStone Blitzumfrage. Diese Bewertungen sind für 80 % der Befragten wichtig.

Die bekanntesten Bewertungsplattformen sind kununu.at und arbeitgebercheck.at. Doch was erwarten Bewerber ganz konkret von ihrem Job und ihrem Arbeitgeber? Die wichtigsten Kriterien bei der Jobwahl sind laut Blitzumfrage: die Aufgabe, diese muss interessant sein (83%), ein sympathisches Team, in dem man sich wohlfühlt (72%) als auch Arbeitszeiten, die eine gute Work-Life-Balance ermöglichen (46%). Ein interessanter Arbeitgeber sollte laut Blitzumfrage folgende Punkte erfüllen: sympathische Belegschaft (70%), guten Ruf (52%), angenehme Unternehmenskultur (49%).

80% würden sich auch trotz schlechter Bewertungen bewerben

Welchen Einfluss haben derartige Bewertungen auf das Bewerbungsverhalten? Kann eine schlechte Bewertung dazu führen, dass qualifizierte Bewerber keine Bewerbung verschicken? Hier scheiden sich die Geister, denn so groß ist der Einfluss von Online-Bewertungen auf das Bewerberverhalten dann offensichtlich doch wieder nicht. Dies ergibt zumindest die Blitzumfrage: 80% der Befragten würde sich auf einen exzellenten Job mit schlechten Bewertungen trotzdem bewerben. Knapp 70% gaben jedoch an, dass sie sich auch auf einen Job mit schlechten Konditionen bewerben würden, wenn die Bewertungen gut sind.

Arbeitgeber können die Online-Bewertungen von Mitarbeitern nicht kontrollieren. Bewertungen früherer oder aktueller Arbeitgeber durch unzufriedene Mitarbeiter können gnadenlos ausfallen. Einerseits können sie die subjektive Realität einer unzufriedenen, enttäuschten Person widerspiegeln. Sie können aber andererseits auch auf strukturelle Probleme hinweisen. Auf das Bewerberverhalten haben Online-Bewertungen jedoch nicht so einen starken Einfluss: 80% der Befragten würde sich bei einem Unternehmen mit schlechten Bewertungen trotzdem bewerben.
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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.