Wenige Neueinstellungen sind geplant.
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Schlechte Jobaussichten

Arbeitsmarkt gedämpft

Das Manpower Arbeitsmarktbarometer ist unter dem Namen Manpower Employment Outlook Survey seit 1962 ein international anerkannter Indikator zur Einschätzung der Arbeitsmarktentwicklung. Dabei werden Personalverantwortliche aus 42 Ländern befragt.

Die Studie wird vierteljährlich durchgeführt und misst die Erwartungshaltung von Arbeitgebern zur Lage der Beschäftigung in ihrem Unternehmen. In Europa, dem Mittleren Osten und Afrika wurden 20.000, in Nord-, Mittel- und Südamerika 23.444 und im asiatisch-pazifischen Raum 15.200 Arbeitgeber befragt. Es gibt nur eine Frage: „Wie schätzen Sie die Beschäftigungslage an Ihrem Unternehmensstandort bis zum Ende der folgenden drei Monate im Vergleich zum jetzigen Quartal ein“.

Erwartungen in Österreich für das 4. Quartal

Die österreichischen Arbeitgeber zeigen sich laut Arbeitsmarktbarometer für das 4. Quartal 2015 zurückhaltend. 6 % der 751 befragten Personalverantwortlichen planen Neueinstellungen, 5% wollen Personal abbauen, 88% erwarten keine Veränderung ihres Personalstandes. Der Beschäftigungsausblick in Österreich beträgt, zum dritten Mal in Folge, plus ein Prozent.

„Diese Zahlen gehen einher mit dem schlechten Wirtschaftswachstum. Das BIP stieg im zweiten Quartal zwar real um 0,3% gegenüber dem Vorquartal, der Konsum ist jedoch nur gering gestiegen,“ so Erich Pichorner, Geschäftsführer der ManpowerGroup Österreich. „Aufgrund des gedämpften Beschäftigungsausblicks für die kommenden Monate ist auch im vierten Quartal noch nicht von einer Entspannung der hohen Arbeitslosigkeit auszugehen“.

Jobs in Bereichen Finanzwesen & Dienstleistungen

In sechs von zehn Wirtschaftssektoren wird damit gerechnet, im Zeitraum Oktober bis Dezember Personal abzubauen. Vor allem Gastronomie & Hotellerie prognostizieren mit -10% schlechte Beschäftigungsaussichten. Ebenfalls die Bereiche Bergbau & Rohstoffgewinnung sowie Verkehr & Telekommunikation geben sich hinsichtlich Neueinstellungen mit -5% zurückhaltend. Gut stehen die Chancen jedoch in den Bereichen Finanzwesen & Dienstleistungen mit +7 % Beschäftigungsausblick und öffentliche Hand & Soziales mit +4 % Bereitschaft neue Mitarbeiter aufzunehmen.

Im Vergleich zum 3. Quartal gibt es in fünf von zehn Wirtschaftssektoren eine Verbesserung etwa in den Bereichen Finanzwesen & Dienstleistungen sowie Energieversorgung. In den anderen 5 Sektoren sinkt der Beschäftigungsausblick, davon besonders betroffen sind Gastronomie & Hotellerie, Land- & Forstwirtschaft, Handel als auch Sachgütererzeugung. Im Jahresvergleich fallen die Jobchancen in neun von zehn Wirtschaftssektoren geringer aus. Einzig das Bauwesen verzeichnet eine positive Entwicklung.

Gute Jobaussichten in Vorarlberg

Arbeitgeber in sieben von neun Bundesländern planen Ende 2015 Personal aufzustocken. Besonders gute Aussichten auf einen Job gibt es dabei mit + 10 % in Vorarlberg. Auch im Burgenland und Salzburg stehen die Chancen mit jeweils +4 % gut. In Oberösterreich und Tirol wird von den befragten Personalisten ebenfalls mit +2% ein leicht positiver Ausblick gegeben. Kärnten prognostiziert hingegen mit -10% einen Personalabbau. Auch die Steiermark steht mit einem Prozentpunkt im Minus. In Wien und Niederösterreich berichten die Arbeitgeber von einem Netto-Beschäftigungsausblick von +1%.

Großbetriebe stocken auf

Großbetriebe mit über 250 Mitarbeitern prognostizieren ein Wachstum von 12 %. HR-Verantwortliche sehen also gute Chancen neue Mitarbeiter einzustellen. Bei mittleren Unternehmen mit zwischen 50 und 249 Mitarbeitern und Kleinstunternehmen mit bis zu 9 Mitarbeitern ist der Ausblick mit +1% jedoch eher gedämpft. Kleinunternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern erwarten weder Wachstum noch Rückgang.

Eurokrise noch spürbar

Die Eurokrise in Griechenland ist noch nicht ganz durchstanden. Dies ist auch bei den europäischen Arbeitnehmern spürbar. So rutschen die Beschäftigungsausblicke in Finnland (-1%), Frankreich(-2%), Italien (-7%) und Griechenland (-13%) in den negativen Bereich ab. Auch die Aussichten für Arbeitssuchende in Irland (+2%) und Spanien (+1%) bleiben bescheiden. In Norwegen (+1%) und Schweden (+5%) rechnet man mit Stellenzuwachs, aber sehr langsam. Auch Deutschland bleibt mit +6 % Wachstum stabil. Genauso wie Großbritannien mit +4 % oder die Türkei mit +10 %. Das stärkste Beschäftigungsklima wird aus Rumänien gemeldet. Dort werden sowohl für Gewerbe als auch im Groß- und Einzelhandel Stellenzuwächse erwartet.

Beschäftigungswachstum in Indien und Taiwan

Wohingegen die europäischen Länder im Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum durchwegs gehemmt sind, verzeichnen die Länder Nord-, Mittel- und Südamerika optimistische Beschäftigungspläne, etwa die USA mit +15 % oder Mexiko mit +13 %. Weniger Chancen für Arbeitssuchende gibt es hingegen in Kanada mit nur +2 %. Absolutes Schlusslicht ist Brasilien mit sehr schlechten Aussichten bei -14 %.

Auch im asiatisch/pazifischen Raum werden durchgehend Neuanstellungen angedacht. Besonderen Optimismus gibt es in Indien mit +40 % Netto-Beschäftigungsausblick und in Taiwan mit +35 %. In China bleibt das Arbeitgebervertrauen mit +5 % vorsichtig optimistisch. Jeden Falles hat sich das Tempo des Stellenzuwachses im letzten Quartal verlangsamt. In einigen Ländern fallen die Beschäftigungspläne geringer aus, als in der Vergangenheit. Taiwan und Indien haben die stärksten Aussichten. China und Australien die schwächsten.

Quelle: Manpower Arbeitsmarktbarometer Q4/2015
Bildnachweis: www.istockphoto.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.