Bildungskarenz Sabbatical und Co
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Sabbatical, Bildungskarenz und Co.

Auszeit von Job & Beruf

Durchatmen, verschnaufen, eine Pause machen: eine Auszeit vom Job braucht jeder. Während sich diese im Normalfall auf verlängerte Wochenenden oder ein paar Wochen Urlaub beschränkt, gibt es immer mehr Modelle, die auf eine längere Abwesenheit ermöglichen. Aber nicht nur Arbeitnehmer profitieren von Bildungskarenz und Sabbaticals, sagt der Wiener Unternehmensberater Peter Rieder im Gespräch mit JOBnews.at: „Wer so etwas anbietet, steigt den Attraktivitätswert seines Unternehmens gerade bei jungen Leuten, die an flexiblen Arbeitszeiten und Weiterbildung interessiert sind.“

Besonders gut geeignet sind längere Auszeiten auch, um besonders engagierte Mitarbeiter vor einem frühen Burnout zu bewahren: „Mittlerweile gibt es US-Konzerne, die Führungskräfte ganz gezielt auf Sabbatical schicken“, so Rieder. „Die schaffen sonst den Job einfach nicht mehr.“ Lebensphasenorientierte Personalpolitik ist gerade in Zeiten nicht-linearer Lebensläufe und vermehrter Projektarbeit wichtig. Unternehmen, die auf die privaten Bedürfnisse und Lebensentwürfe ihrer Mitarbeiter eingehen, haben im Kampf um die Toptalente die Nase ein kleines Stückchen weiter vorn.

Unternehmen schrecken vor Auszeiten zurück

Dennoch zögern viele Firmen, Bildungskarenzen und Sabbaticals großflächig zu ermöglichen: „Ich erlebe oft Unternehmen, die gewisse Dinge anbieten, sich aber nicht trauen, das allzu publik zu machen, aus Angst, das wollen dann alle machen. Auch gibt es Untersuchungen, die nahe legen, dass die Absprungrate nach einer längere Abwesenheit steigend ist. Da muss man sich aber überlegen, ermöglicht man dem Arbeitnehmer ein Sabbatical in zwei, drei Jahren und hält den so lange im Unternehmen, oder sagt man von vornherein Nein und riskiert, dass er schon früher geht?“

Grundsätzlich, so Rieder, sollten Unternehmen als Grundhaltung eine generell positive Einstellung gegenüber einer  längeren Auszeit vom Job haben, weil sich das positiv auf Mitarbeiter und Firma auswirke. „Ich  darf aber nicht im leeren Raum stehen lassen, wie das genau funktioniert. Die Leute sind sonst orientierunslos, wissen nicht, ob sie das in Anspruch nehmen können oder nicht, an wen sie sich wenden sollen und was passiert, wenn ein Chef Ja sagt und der andere Nein. In so einem Fall kann ich auch den positiven Effekt von Bildungskarenz oder Sabbatical nicht ausschöpfen.“ Er rät Firmen zu klaren Grundregeln und internen Spielregeln, die dann für alle gelten: „Sonst züchte ich mir Mikrokosmen heran, etwa wenn ein Abteilungsleiter das ermöglicht und der Andere nicht.“

Klare Regeln, zufriedene Mitarbeiter

Neben einem klaren Bekenntnis für oder wider längere Auszeiten braucht es auch eine möglichst transparentes Prozedere: „Unternehmen müssen einen Rahmen festlegen. Wie lange im Voraus sollen Mitarbeiter das melden, wie organisiert man eine Karenzvertretung? Es kann auch einen Ablehnungsmechanismus geben, dass ich als Unternehmen unter gewissen Voraussetzungen die Möglichkeit habe, Nein zu sagen, beispielsweise bei Engpässen im Unternehmen.“

Im Unterschied zur Bildungskarenz, in der ein tatsächlicher Leistungsnachweis erfolgen muss, sind Sabbaticals nicht zweckgebunden und können relativ frei zwischen Arbeitgeber und -nehmer vereinart werden. „Das ist eine komplett freie Vereinbarung, da gibt es kein Minimum und kein Maximum. Unternehmen, die ein bestimmtes Modell forcieren wollen, können natürlich etwas Bestimmtes anbieten, man kann aber genau so mit Einzelvereinbarungen arbeiten und individuelle Möglichkeiten zur Verfügung stellen“, so Rieder.

Sabbatical, Bildungskarenz oder Bildungsteilzeit?

Für ein Sabbatical spart man entweder Arbeitzeit oder Gehalt an, um es dann innerhalb eines zuvor festgelegten Zeitraumes zu verbrauchen. „Zum einen können Arbeitnehmer über einen längeren Zeitraum Mehrstunden ansammeln und die dann geballt im Rahmen eines Sabbaticals verbrauchen. Das ist im Grunde nichts anderes als ein geballter Zeitausgleich. Der Nachteil: Solche Modelle verführen Mitarbeiter, Überstunden zu ‚hamstern‘, die möglicherweise so gar nicht notwendig sind.“

Die zweite Möglichkeit betrifft eine temporäre Entgeltreduktion, so Rieder: „Mitarbeiter reduzieren über einen zuvor abgesprochenen Zeitraum ihr Gehalt und gehen dann bei denselben Bezügen für eine gewisse Zeit in ein Sabbatical.“ Wie viel das ist, bleibt Unternehmen und Mitarbeitern selbst überlassen – für ein Sabbatical gibt es keine Regeln im strengen Sinn, auch wenn manche Kollektivverträge eine Kann-Vereinbarung dafür festlegen.

Wer seine Mitarbeiter nicht Vollzeit in die Auszeit vom Job schicken will, hat in Österreich noch die Möglichkeit der Bildungs-Teilzeit. Dabei reduziert der Arbeitnehmer über einen maximalen Zeitraum von 24 Monaten seine Arbeitszeit und bekommt dafür vom AMS eine anteilsmäßige Ausgleichszahlung für das verminderte Entgelt. Der Vorteil für Arbeitgeber: Man verliert keinen vollen Mitarbeiter und bleibt weiterhin mit dem Kollegen in Kontakt.

Rechtzeitig Nachfolge regeln

Generell sprechen die erwähnten Modelle eher eine gut ausgebildete und zahlungskräftigere Berufsschicht an, sagt Rieder. „Man muss es sich schon leisten können, zu sagen, ich bin jetzt mal einige Monate für 60 Prozent meiner Gage weg. Untersuchungen zeigen auch, dass die Bildungskarenzwahrscheinlichkeit mit dem Bildungs- und Komplexitätsniveau steigt und dass das eher Leute nützen, die an sich schon ganz gut qualifiziert sind.“

Problematisch wird die Inanspruchnahme der Bildungskarenz von Höherqualifizierten dann, wenn es keine eindeutige Nachfolgeregelung gibt. Unternehmen, in denen relativ homogene Tätigkeiten ausgeführt werden, haben es noch leicht, sagt Rieder. „Bei Expertenorganisationen tue ich mir aber zunehmend schwerer. Wie bei allen Auszeiten gilt auch hier, dass ich sehr früh mit den Leuten zu planen beginnen muss. Unternehmen können das nur sauber lösen, wenn sie sagen, Leute, wir brauchen möglichst früh eure Wünsche, damit wir so bald wie möglich mit der Organisation anfangen können.“

Wagt man als Unternehmen den Sprung ins kalte Wasser und entlässt seine Mitarbeiter in die temporäre Auszeit, winken jedenfalls einige Benefits. „Die Idee hinter diesen Modellen ist, dass ich die Leute länger an mich binde und Anreize schaffe, sich für mich als Firma zu engagieren. Gerade beim Sabbatical muss man sich auch vor Augen führen, dass das ein längerfristiges Modell ist, das meist über mehrere Jahre hinweg geplant wird. Das heißt, wenn ich so etwas anbiete, kann ich mir sicher sein, dass die Leute zumindest für diesen Zeitraum bei mir bleiben werden.“

INFO:
www.arbeitswelten.at
Bildungskarenz und Bildungsteilzeit: www.help.gv.at

 

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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