Kündigungsgespräche
#Leadership | Andrea Heider

Richtig Kündigen?

Kündigungsgespräche wollen gelernt sein

Richtig Kündigen? – Schlechte Nachrichten überbringen ist keine einfache Angelegenheit. Vorgesetzte fühlen sich schuldig, Mitarbeiter wertlos. Meist ist es Aufgabe des Managements Kündigungen, Werksschließungen und ähnliches zu übermitteln. Vor allem die Art und Weise, wie Kündigungen überbracht werden, kann schmerzhaft sein.

Nach vielen Jahren und Engagement einfach abserviert zu werden, hinterlässt bei den meisten Arbeitnehmern einen schlechten Nachgeschmack. Kündigungsgespräch lösen oft viele Emotionen aus. Schock, Aggression, aber auch Trauer oder Wut können ans Tageslicht treten. Es gibt jedoch klare Handlungsanweisungen, wie man ein professionelles Kündigungsgespräch angeht.

Bad-News-Training

Manuela Richter von der Universität Saarland hat ein spezielles Bad-News-Training entwickelt, das Managern dabei helfen soll, schlechte Nachrichten formal richtig und fair zu überbringen. Jene Manager, die an dem Bad-News-Training teilgenommen hatten, waren in Entlassungsgesprächen kompetenter und gerechter. Die Betroffenen hingegen waren weniger verärgert und planten seltener gerichtlich gegen die Kündigung vorzugehen, soweit der Schluss der Psychologin, wie Psychologie aktuell zu entnehmen ist.

Die drei zentralen Bausteine des Bad-News-Trainings sind „fair reden“, „richtig übermitteln“ und zu guter Letzt „auf Gefühle eingehen“. Im ersten Schritt „fair reden“ lernen die Teilnehmer eindeutige Aussagen zu machen, objektiv und unparteiisch zu bleiben, nachvollziehbare Gründe anzugeben, das Gegenüber zu Wort kommen zu lassen sowie Respekt und Wertschätzung. In weiterer Folge geht es um „richtig übermitteln“, hierbei werden folgende sechs Schritte vermittelt:

  1. Gespräch vorbereiten und einen passenden Rahmen finden
  2. Die schlechte Nachricht sofort ohne um den heißen Brei herumzureden, übermitteln
  3. Ausführliche Begründungen für die Entscheidung bringen
  4. Gefühle des Gegenübers auffangen
  5. Was passiert danach? Weitere Schritte planen, zB ein Job-Coaching
  6. Besprechung zusammenfassen und beenden


Und schließlich, im letzten Baustein geht es darum, auf Gefühle richtig einzugehen. Teilnehmer des Bad-News-Trainings werden über die häufigsten Gefühle der Betroffenen aufgeklärt. Sie lernen darauf zu reagieren, indem sie zuhören oder nachfragen.

Faire Kündigungsgespräche lernen

Die Studie war folgendermaßen aufgebaut: in der ersten Studie erhielt ein Teil der Teilnehmer ein Training mit allen Bausteinen, ein anderer Teil überhaupt kein Training. In der zweiten Studie übten drei Gruppen am Computer, wobei eine Gruppe das vollständige Training erhielt, der zweiten Gruppe wurde nur die richtige Übermittlung gelehrt und die dritte Gruppe erhielt kein Training. Danach mussten die Teilnehmer ein Kündigungsgespräch führen, bei dem sie beobachtet und eingeschätzt wurden.

Die Ergebnisse sind wie folgt: Teilnehmer, die das Training ganz bzw. teilweise absolvierten, hielten sich an die Schritte der korrekten Übermittlung – dadurch wirkten sie insgesamt kompetenter. Des Weiteren waren sich die Beobachter einig, dass die Gespräche der Trainingsteilnehmer fairer waren, als jene, die kein Training absolviert hatten. Vermittelte Fairness stimmte auch die Gekündigten milder und dämmte negative Reaktionen des Empfängers ein. Die Psychologen von der Universität Saarland empfehlen, dieses Bad-News-Training als fixen Bestandteil der Personalentwicklung zu implementieren.
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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.