Resilienz
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Resilienz

Mit Resilienz sicher durch die Krise kommen

Mit unerwarteten Situationen umgehen, Krisen sicher umschiffen und dabei auch noch den internen Zusammenhalt im Unternehmen stärken – all das kann gelingen, wenn Firma und Mitarbeiter mit genügend Resilienz ausgestattet sind. Wie man Widerstandsfähigkeit stärken kann und was hinter dem Begriff steckt, erklärt Regina S. de Grancy, Juristin und Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt soziale Innovation, im Gespräch mit JOBnews.

JOBnews: Frau de Grancy, was kann man sich unter Resilienz vorstellen?

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Krisen gut umzugehen und unbeschadet wieder herauszukommen. Ursprünglich ist es ein Begriff aus der Naturwissenschaft, der die Fähigkeit von Materialien beschreibt, sich durch Druckeinwirkung oder Stress nicht zu verändern. Wenn Sie an die letzten Jahre denken, wo beispielsweise durch die Krise große Auftraggeber wegbrechen oder technologische Veränderungen große Umwälzungen verursachen, geht es um die Fähigkeit, sich schnell an neue Umstände anzupassen.

Wie stellt man das genau an?

Wichtig ist einerseits, dass man klar weiß, wofür man steht: Was ist mein Kerngeschäft, wofür bin ich als Unternehmen da. Dann darf man auch nicht in allen Bereichen aus dem letzten Loch pfeifen. Man muss Reserven haben. Da geht es um Geldreserven, aber auch um einen Vorsprung beim Know How. Auch in Wirtschaftsbeziehungen ist es ganz wichtig, nicht immer ans Limit zu gehen und seine Zulieferer komplett auszupressen.

Was bedeutet Widerstandskraft auf der menschlichen Seite?

Mitarbeiter, die dauernd Überstunden machen müssen, haben kein Zulagepotential mehr, wenn’s drauf ankommt. Wenn ich will, dass in der Krise alle gemeinsam die Ärmel hochkrempeln, muss ich meine Leute fair behandeln. Das heißt auch, dass ich sie gut ausbilden muss, damit sie fachlich am neuesten Stand sind und nicht sofort unter Druck kommen. Zudem sollten Arbeitsverträge so gestaltet sein, dass man flexibel sein kann, beispielsweise mit Durchrechnungsmodellen für die Arbeitszeit.

Was sollte beim Recruiting neuer Mitarbeiter beachtet werden?

Wenn ich Stellen neu besetze, sollte ich nach Leuten suchen, die Know How mitbringen, das im Unternehmen noch nicht vorhanden ist. Damit ist man fachlich nicht immer gleich am Anschlag. Außerdem ist es wichtig, nicht nur reine Fachleute anzuwerben, sondern Menschen, die ein Stück Allroundertum mitbringen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ich mit meinem bestehenden Team nicht schnell in ein ähnliches Feld wechseln kann, wenn die Krise da ist.

Kann ich mich auf Krisen vorbereiten?

Auf jeden Fall. Wichtig ist, dass man es für möglich halten muss, dass sich etwas verändern könnte, und dafür einen Plan B oder C parat hat. Auch wenn die Krise noch nicht eingetreten ist, kann man Szenarien durchspielen, damit auf Führungsebene klar ist, was getan werden muss, wenn da oder dort etwas wegbricht. Wenn man das schon einmal durchgerechnet hat, geht es schneller, sich den neuen Umständen anzupassen.

Wie können Unternehmen ein Gespür für Krisensignale entwickeln?

Zum einen ist der Blick nach Außen ganz wichtig: Welche Trends und Strömungen kommen auf uns zu, was tut sich in dem Bereich, in dem wir tätig sind? Zum anderen müssen die internen Kommunikationsstrukturen schnell und unkompliziert sein. Das funktioniert wie die Nervenbahnen in einem Körper: Je besser der Austausch der Informationen funktioniert, desto schneller kann man sich bewegen.

Welche Maßnahmen kann ich hier innerhalb des Unternehmens setzen?

Da geht es einerseits um die Möglichkeiten des informellen Austausches, etwa beim gemeinsamen Mittagessen oder in der Kaffeepause. Zum anderen müssen Vorgesetzte auch bereit sein, zuzuhören, und jedem Mitarbeiter die gleiche Chance geben, seine Meinung zu äußern – unabhängig davon, in welcher hierarchischen Rangstufe er steht. Grundsätzlich sollte man schauen, dass die Welt außen in irgendeiner Weise auch innen abgebildet ist, weil dann die Codes leichter verstanden werden und die Kommunikation mit der Außenwelt einfacher verläuft – Stichwort Diversity Management. Es geht darum, das Unternehmen als System zu verstehen und sich zu überlegen, wie ich an die Realität draußen möglichst gut andocken kann.

Was tun, wenn die Krise dann doch da ist?

Wesentlich ist es, an Lösungen zu arbeiten und zu schauen, wie es stattdessen gehen kann, statt in der Rückschau einen Schuldigen zu suchen. Es gibt immer mehr Chancen als Probleme, wenn ich ausschließlich auf das Hindernis schaue, komme ich kein Stück weiter. Hier kann ich mir auch hier Inputs von Außen holen: Entweder von neuen Mitarbeitern, die noch einen frischen, unverbrauchten Blick auf das große Ganze habe, oder durch Know How von externen Experten.

Welche Rolle spielen Führungskräfte beim Thema Resilienz?

Da ist es wichtig, den Mitarbeitern einerseits das Ziel zu vermitteln, wo es hingehen soll, ihnen aber andererseits auch Freiheit in der Umsetzung zu geben, damit die Beweglichkeit im Unternehmen erhalten bleibt. Wer seine Leute zu Fortbildungen motiviert und abteilungsübergreifende Kommunikationsmöglichkeiten schafft, trägt ebenfalls zur Krisensicherheit seiner Mitarbeiter und des Unternehmens bei. Ein gutes betriebliches Vorschlagswesen rundet das Ganze ab: Man sieht die Mitarbeiter als erwachsene Menschen und hält es für möglich, dass sie auch gute Ideen einbringen können. Das schweißt die Leute auch zusammen: Die meisten Mitarbeiter danken einem solche Initiativen mit hoher Loyalität.

 

Info:
http://www.degrancy.com/

Buchtipp:
Sylvia Kéré Wellensiek: Handbuch Resilienz-Training: Widerstandskraft und Flexibilität für Unternehmen und Mitarbeiter. Beltz 2011, ISBN 978-3407365040.

 

Autor: Barbara Oberrauter
Bildnachweis: www.thinkstock.de



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