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Recruiting auf Augenhöhe

Der Kampf um die besten Talente

Arbeitgeber, Vorgesetzte und Personalisten müssen sich für die Zukunft rüsten: Der Arbeitnehmer von morgen erwartet transparente Unternehmen, Gespräche auf Augenhöhe und selbstbestimmte Arbeitsplätze, in denen Kreativität und Innovation gefragt sind. Was genau sich verändern wird und wie Unternehmen und Recruiter darauf reagieren können, erzählt Franz Kühmayer, Trendforscher am Zukunftsinstitut und Mitbegründer des öst. Institutes für Zukunft der Arbeit, im Interview mit JOBnews.

JOBnews: Herr Kühmayer, welche Trends zeichnen sich für den Arbeitsmarkt der Zukunft ab?
Kühmayer: Zum einen wird man sich zunehmend besser informierten Kandidaten gegenüber sehen. Zwischen Unternehmen und Bewerbern wird ein viel größeres Maß an Offenheit und Transparenz da sein. Um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, wird es nötig werden, sich authentisch zu präsentieren.

Was bedeutet Authentizität in diesem Zusammenhang genau?
Es ist in Ordnung, auch Schwachstellen im Unternehmen aufzuzeigen. Die Zeit der austauschbaren Floskeln und Unternehmensleitbilder ist zwar nicht ganz vorbei, man muss dem aber auch gegenüber stellen, dass es auch Tage oder Projekte gibt, die nicht nur glänzen. Das kann entweder im persönlichen Gespräch passieren oder durch eine Darstellung auf Plattformen, wo man beispielsweise die eigenen Mitarbeiter von der Arbeit erzählen lässt, die ja nicht jeden Tag eitel Sonnenschein sein kann.

Wie wird diese Entwicklung auch den Recruiting-Prozess verändern?
Der Bewerbungsprozess der Zukunft wird nur dann gelingen, wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf Augenhöhe gegenüberstehen. Wenn man früher stark darauf geachtet hat, ob der Bewerber zum Unternehmen passt, stellen sich die Jobsuchenden von morgen diese Frage umgekehrt. Sie sind sich ihres Wertes am Arbeitsmarkt sehr bewusst und wollen herausfinden, ob ein Unternehmen überhaupt zu ihnen und ihren Wertevorstellungen passt.

Stichwort Wertewandel: Was ist hier zu erwarten?
Früher konnten wir uns darauf verlassen, dass es bestimmte Motivationslagen gibt. Wenn man denen als Arbeitgeber entsprechen konnte, war man als Unternehmen attraktiv. Mittlerweile muss ich mich vermehrt damit auseinandersetzen, dass es diese linearen Karrieren mit den klassischen Motivationsschüben wie Gehaltserhöhung oder einem größeren Dienstauto so nicht mehr gibt. Wenn ich jüngere Kandidaten ansprechen will, die vielleicht nur drei oder vier Jahre in der Firma bleiben wollen, muss ich mit anderen Werten operieren. Denen ist es vielleicht wichtiger, ihre Arbeitsumgebung oder Arbeitszeit frei zu gestalten als alle paar Jahre drei Prozent Gehalterhöhung zu bekommen.

Wir leben schon seit längerem in einer Wissensgesellschaft. Wie wirkt sich diese auf den zukünftigen Arbeitsmarkt aus?
Kreativität und Innovation werden die Themen sein, mit denen Unternehmen in Zukunft punkten können. Auch im Bewerbungsprozess legen mittlerweile immer mehr Leute Wert darauf, dass sie sich bei ihrem zukünftigen Arbeitgeber durch gute Ideen einbringen können und nicht rein durch ihre körperliche Präsenz. Hier Arbeitsbedingungen zu schaffen, damit das gelingt, ist eine Herausforderung, der sich die Unternehmen in Zukunft sicher stellen müssen.

Wie fördert man eine Unternehmenskultur der Kreativität?
Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, sich zu fragen, ob man als Unternehmen ausreichend Fehler macht. Dem liegt nämlich eine gewisse Experimentierfreudigkeit zugrunde, die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, dabei zwar hie und da auf die Schnauze zu fallen, aber insgesamt auch davon zu lernen. Wenn man das schafft, hat man eine Unternehmenskultur, in der Innovation viel selbstverständlicher ist, als wenn Fehler sofort im Eskalationsmodus besprochen werden.

Fordert diese neue Herangehensweise nicht auch Führungskräfte auf ganz besondere Art und Weise heraus?
In jedem Fall. Wenn Führungskräfte vorher nur zur Kontrolle da waren, ob die Leute auch brav arbeiten, dann geht den Chefs etwas verloren, wenn die auf einmal anfangen, selbstständig zu arbeiten. Autonomie und Eigenverantwortung werden immer wichtiger für Arbeitnehmer. Daher sollten sich auch Vorgesetzte mit der Frage beschäftigen, was sie an der Führungsebene verändern wollen. Wenn jemand ziel- statt zeitorientiert führt, ist das etwas anderes, als wenn ich nur darauf achte, ob jemand von neun bis 17 Uhr im Haus ist.

Wie profitiere ich als Unternehmen, wenn ich mich rechtzeitig auf diese neuen Entwicklungen einstelle?
Um uns als Wirtschaftsstandort Europa im internationalen Umfeld zu bewähren, müssen wir uns in der Wertschöpfung nach oben entwickeln. Dafür brauchen wir Mitarbeiter, denen Innovation und Kreativität wichtig ist. Aber genau da gehen uns die Arbeitskräfte aus: Aufgrund der demografischen Entwicklung gibt es immer weniger gut ausgebildete junge Leute. Und diese haben als Teilnehmer an der Informationsgesellschaft heute wesentlich mehr Informationen zu Arbeitgebern zur Verfügung als noch vor zehn Jahren. Damit gewinnen Plattformen, auf denen sich Bewerber und Personalsuchende austauschen können, enorm an Bedeutung.

Franz Kühmayer hat im Rahmen des StepStone Events „Recruiting Reloaded“ über die Trends & Herausforderungen der Arbeitswelt von heute und morgen referiert. Der Vortrag steht hier zum Download zur Verfügung.

Info: http://www.kspm.at/
Autor: Barbara Oberrauter im Interview mit Franz Kühmayer
Bildnachweis: www.thinkstock.de



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