Rauchpausen
#Work & Life | Team JOBnews

Rauchpausen (nicht) erlaubt

Wie Unternehmen mit Rauchen umgehen

Es ist ein Ritual, das im Ranking der täglichen Bürotätigkeiten einen der höchsten Stellenwerte einnimmt: Die Rauchpause ist österreichischen Arbeitnehmern fast so wichtig wie die Mittagspause und das Schwätzchen zum Kaffee. War die Auszeit für die Zigarette früher einfach schlechte Angewohnheit, die toleriert wurde, gerät das Rauchen am Arbeitsplatz seit Jahren vermehrt in die Kritik – nicht nur in der Freizeit. Auch immer mehr Arbeitgeber setzen sich intensiv mit dem Thema (Nicht-)Rauchen auseinander, nicht zuletzt der Gesundheit ihrer Angestellten wegen.

Österreich hinkt der internationalen Entwicklung in punkto Rauchverbote ein wenig hinterher: Rauchpausen werden meist stillschweigend geduldet, nur wenige Betriebe sind ganz rauchfrei oder ziehen Rauchpausen von der Arbeitszeit ab, hat das Marktforschungsinstitut Spectra in einer breit angelegten Umfrage unter Arbeitnehmern herausgefunden. In mehr als zwei Dritteln aller österreichischen Unternehmen wird geraucht, nur bei einem knappen Drittel aller Betriebe ist Rauchen am Arbeitsplatz untersagt.

Rauchpausen sozial akzeptiert

Ernest Groman

Sozialmediziner Ernest Groman von der Universität Wien zum Thema Rauchpausen.

Etwa 44 Prozent aller Berufstätigen frönen dem Nikotingenuss, und das ohne größere Einschränkungen. Nur 29 Prozent der Arbeitnehmer geben an, in ihrem Betrieb Kurzpausenregelungen unterworfen zu sein, mehr als die Hälfte sagt, dass Rauchen jederzeit erlaubt ist und Rauchpausen nicht einzuarbeiten seien. „Psychosozial ist die Rauchpause die akzeptierte Pause“, erklärt der Sozialmediziner Ernest Groman von der Universität Wien die Hintergründe der toleranten Regelungen. „Wenn man jemanden wo rauchen sieht, stellt das keiner infrage. Normalerweise hat der seine Ruhe.“

Ein Umstand, den Nichtraucher zunehmen beklagen: Mit 3,2 Pausen legen Raucher deutlich mehr Kurzpausen ein als Mitarbeiter, die nicht rauchen (2,6). Um den Betrieb rauchfrei zu machen, sei es daher wichtig, zunächst die Nichtraucher davon zu überzeugen, dass sie ebenfalls davon profitieren würden, wenn es weniger Raucher gebe, sagt Groman. „Abgesehen vom Arbeitszeitverlust, der hier immer wieder ins Treffen geführt wird, hab ich ganz generell ein entspannteres Klima, wenn weniger oder gar nicht geraucht wird, und in Summe auch eine gesündere Belegschaft und damit weniger Krankenstände.“

Alternative zu Rauchpausen schaffen

Unternehmen, die überlegen, auf rauchfrei umzusatteln, tun gut daran, sich zunächst gemeinsam mit der Belegschaft ein Konzept zu überlegen, rät der Sozialmediziner. „Man sollte einmal damit beginnen, dass man diskutiert, was man statt Rauchpausen machen könnte.“ So könne auch Nichtrauchern die Möglichkeit gegeben werden, am sozialen Austausch teilzunehmen. Welche Maßnahmen schließlich umgesetzt werden, hängt von den Wünschen und Ideen der Mitarbeiter ab: Ob Entwöhnungsseminare, Obstpausen oder Nikotinersatzmittel, wichtig ist, dass alle gemeinsam im Boot sitzen und die Entscheidungen mittragen.

Klare Regelungen hinsichtlich Pausenzeiten und Rauchverhalten könnten zusätzlich dafür sorgen, das Rauchen im Betrieb langfristig einzuschränken, so das Fazit der Spectra-Umfrage: „Sind in Betrieben Kurz- oder Rauchpausen geregelt bzw. gibt es einen betrieblichen Nichtraucherschutz, dann rauchen die Berufstätigen etwa fünf Zigaretten pro Tag weniger. […] dies gilt nicht nur für die Zigaretten während der Arbeit, sondern für den gesamten Tageskonsum.“ Die Hypothese, dass Raucher aufgrund eingeschränkter Möglichkeiten während der Arbeit in ihrer Freizeit einen erhöhten „Aufholbedarf“ hätten, könne nicht bestätigt werden.

Auch Ernest Groman ist von den Wirkungen einer Pausenregelung überzeugt: „Wir hätten mehr Wiederstand bei den Rauchverboten erwartet. Zumindest von den leichten bis mittleren Rauchern bekommen wir aber eher positive Rückmeldungen. Sie sagen, das Verbot ist eh nicht so schlecht, dann rauch ich wenigstens weniger.“ Wer stärker am Glimmstängel hängt, bräuchte hingegen bei einem Rauchverbot zusätzliche Betreuung. Groman bietet im Rahmen des Österreichischen Nikotininstituts Entwöhnungsseminare für Unternehmen an. „Ein Rauchverbot löst das Raucherproblem ja nicht. Ideal wäre zwar, dass man versucht, ganz aufzuhören, aber uns sind auch Leute willkommen, die ihren Zigarettenkonsum reduzieren wollen.“ Auch Raucher, für die Aufhören gar keine Option darstellt, können darin unterstützt werden, rauchfrei über den Arbeitstag zu kommen.

Heimliche Nichtraucher: Führungskräfte

Zu seinem Glück gezwungen wird aber niemand: „Man kann niemanden zum Aufhören zwingen. Wir legen Wert darauf, die Raucher nicht als schlechte Menschen hinzustellen, sondern ihnen Ausstiegshilfen anzubieten. Wenn die Leute das merken, sind sie oft gar nicht mehr so negativ eingestellt.“ Eine wichtige Rolle beim Thema Rauchfreiheit im Betrieb spielen auch die Vorgesetzten, sagt der Sozialmediziner. „Führungskräfte haben beim Rauchen eine Vorbildfunktion. Wenn komplette Bereichsleiter gegen ein Entwöhnungsprogramm sind, kann das die Stimmung schon sehr beeinflussen.“

Hinter der Ablehnung stehe oft die Angst, Schwäche zu zeigen. „Viele haben Angst, dass sie sich vor den Mitarbeitern blamieren, wenn sie es nicht schaffen, aufzuhören. Wir hatten schon Leute aus der Chefetage, die heimlich bei unserem Programm mitgemacht haben.“ Wer hingegen konsequent fürs Nichtrauchen eintritt, tut nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern auch seinen Angestellten. „Wenn Firmenleiter bei Programmen mitmachen, hat das eine enorm positive Wirkung auf die Mitarbeiter. Und die wiederum honorieren, dass der Betrieb etwas für sie  und ihre Gesundheit tut.“

INFO:
http://www.nikotininstitut.at/

Bildnachweis: www.thinkstock.de



Verwandte Artikel






Team JOBnews
Team JOBnews

Das StepStone Marketingteam schreibt über neue und wichtige Themen sowie Trends im Online-Recruiting. Mit den beiden Jobbörsen www.stepstone.at und www.unijobs.at gehört Stepstone Österreich zu den wichtigsten Jobbörsen in Österreich.