Quereinsteiger im Job
#Recruiting | Andrea Heider

Quereinsteiger müssen Assets mitbringen

frischer Wind fürs Unternehmen

„Quereinsteiger haben erhöhten Schulungsbedarf. Die Einarbeitungsdauer ist meist länger, als bei anderen Kandidaten.“ Di Christof Heiss, Director Powerserv Select.

Quereinsteiger müssen Assets mitbringen – „Wer jahrelang die gleichen Aufgaben erledigt, tendiert oft zu einem gewissen Scheuklappendenken, Quereinsteiger sind ein Anreiz, um dieses zu vermeiden“, erklärt DI Christof Heiss, Director Powerserv Select, warum es sich lohnen kann, Quereinsteiger zu rekrutieren. „Sie bringen frischen Wind in Unternehmen und Teams“. Quereinsteiger haben es am Arbeitsmarkt nicht immer leicht. In vielen Branchen gibt es einen Bewerberüberschuss. Spezielle Fachqualifikationen und einschlägige Berufserfahrung werden meist vorausgesetzt. Es versteht sich dann von selbst, dass Bewerber aus der Branche auf mehr Erfahrung, Netzwerke und Knowhow zurückgreifen können.

Doch vor allem in Branchen mit Personalmangel gibt es Chancen. „In Vorarlberg beispielsweise kann es ein Alptraum werden, passendes Personal zu finden, weil die Löhne in der Schweiz viel höher sind. Daher wohnen viele zwar in Vorarlberg, arbeiten aber in der Schweiz“ erklärt Heiss. In demographisch schwachen Regionen gibt es also gute, realistische Chancen für Quereinsteiger. In niederqualifizierten Tätigkeiten seien die Chancen auch höher, denn: „Je allgemeiner die Anforderungen, umso größer ist die Chance, dass ein Quereinsteiger zum Zug kommt“, bestätigt Heiss.

Vielfältige Teams

„Quereinsteiger müssen Assets mitbringen“, weiß der Personalberater, und vor allem müssen sie im Recruiting mit Persönlichkeit überzeugen. Fachkenntnisse werden nicht unbedingt vorausgesetzt. „Man muss sich auf jeden Falle ein persönliches Bild vom Bewerber machen“, ist er überzeugt. „Auch wenn der Kandidat nur fünf von den sieben erforderlichen Anforderungen hat. Man sollte sich die Zeit für interessante Bewerber nehmen“. Das wichtigste ist also, dass der zukünftige Arbeitgeber von der Persönlichkeit des Kandidaten überzeugt ist und dass dieser in der Lage ist sich „on the job“ weiter zu qualifizieren, um den Einstieg ins neue Tätigkeitsfeld zu erleichtern.

Quereinsteiger werden allerdings auch häufig rekrutiert, um die Vielfalt in Teams zu erhalten. Gefragte Alternativen zu klassischen Ausbildungen ermöglichen neue Sichtweisen und frischen Wind. Jedoch weiß man nicht genau worauf man sich einlässt. Das gilt für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer gleichermaßen. „Der Bewerber muss im Gespräch überzeugen. Seine Motivation muss Hand und Fuss haben. Ausprobiercharakter ist zu wenig“ erklärt Heiss „denn sonst denkt sich der Recruiter, der bleibt ein halbes Jahr und dann springt er wieder ab“.

Erhöhter Schulungsbedarf

Quereinsteigenden Kollegen muss man mit genügend Ratschlägen, Information und Unterstützung zur Verfügung zu stehen. Dies bestätigt auch Heiss: „Quereinsteiger haben erhöhten Schulungsbedarf. Die Einarbeitungsdauer ist meist länger, als bei anderen Kandidaten.“ Außerdem: Ein Kandidat, der bereits lange im Vertrieb gearbeitet hat, hat natürlich mehr Kontakte und bringt somit dem Unternehmen schneller Umsätze, als ein Neuling“. Flexibilität und schnelle Auffassungsgabe werden jedoch vorausgesetzt, denn die wenigsten Arbeitgeber investieren in langfristige Ausbildungen. „Manche unserer Kunden investieren in Ausbildungsprogramme, dann bekommt man auch Bewerber aus anderen Fachrichtungen. Das kostet allerdings Zeit und Geld, daher machen es die wenigsten Unternehmen“, meint der Personalberater.

Ältere Bewerber mit mehreren Jahren Berufserfahrung, haben bessere Chancen in einem neuen Beschäftigungsfeld unterzukommen. „Berufserfahrung und Netzwerke spielen eine wichtige Rolle. Jemand, der 10 bis 20 Jahre Berufserfahrung hat, bringt mehr mit, als ganz junge Bewerber“, erklärt Heiss, daher sei es leichter ältere Kollegen zu vermitteln. Einer Studie aus dem Jahr 2012 der deutschen Personalberatung personal total zur Folge richten sich von 13.400 Stellenausschreibungen rund 3.900 explizit an Quereinsteiger. Die Tendenz ist jedoch steigend. Quereinsteiger einstellen ist also sowohl mit Anreizen als auch gewissen Risiken verbunden. Sie sollten jeden Falles die Eigenschaft haben, sich schnell in neue Themenbereiche und Tätigkeitsfelder einzuarbeiten. Studien zeigen jedoch auch, dass vor allem jene Mitarbeiter eine Karriere machen, die über eine vielfältige Ausbildung verfügen.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.