Psychische Krankheiten
#Work & Life | Andrea Heider

Psychische Krankheiten am Vormarsch

Anstieg von Invaliditätspension in Kärnten und der Steiermark

„Speziell ausgebildete ArbeitspsychologInnen decken den wichtigen Bereich der Prävention von arbeitsbedingten psychischen Erkrankungen ab. Mit Hilfe arbeitspsychologischer Methoden werden psychische Krankheitssymptome rascher und frühzeitig erkannt, ein erfolgreiches Konfliktmanagement kann rechtzeitig implementiert oder Stressfaktoren vermieden werden“, Sandra M. Lettner, Präsidentin des Bundesverbandes Österreichischer PsychologInnen.

Psychische Krankheiten am Vormarsch – Wir sterben später und arbeiten länger. Was vor 100 Jahren noch als Lebensabend galt, ist nun unsere Lebensmitte. Oder anders formuliert: Ein Mittvierziger gehörte um 1900 in Mitteleuropa bereits zum alten Eisen, heute geht in diesem Alter das Leben erstmal so richtig los. Unsere Lebenserwartung steigt seit 100 Jahren stetig. Mittlerweile haben wir eine Lebenserwartung von etwa 80 Jahren, wobei Frauen ein paar Jahre älter werden als Männer.

Diese demographischen Entwicklungen stellen Wirtschaft und Arbeitsmarkt vor große Herausforderungen. Einerseits gibt es die Forderungen das Pensionsantrittsalter zu erhöhen. Andererseits gibt es zu wenige altersgerechte Jobs, die es älteren Arbeitnehmern ermöglichen weiterhin im Arbeitsleben zu bleiben. Denn immer mehr Arbeitnehmer in Österreich nehmen befristete oder unbefristete Invaliditätspension, kurz Ipension, in Anspruch – und zwar aufgrund psychischer Erkrankungen.

Anstieg von Invaliditätspension in Kärnten und der Steiermark

Eine aktuelle IHS-Studie ergibt: Die Österreicher in der Altersgruppe der 55- bis 64-jährigen beziehen mit merkbar höherer Wahrscheinlichkeit Ipension, als gleichaltrige Kollegen in Dänemark oder der Schweiz. Außerdem sind psychisch Kranke in Österreich im internationalen Vergleich weniger häufig im Erwerbsleben. Dabei gibt es signifikante geschlechtsspezifische und regionale Unterschiede: Kärnten und die Steiermark sind die beiden Bundesländer mit den höchsten psychisch bedingten unbefristeten und befristeten Ipensionen.

In der Steiermark sind psychische Ursachen fünf Mal häufiger vorzufinden, als andere Krankheitsbilder, in Kärnten viermal. 26% der unbefristeten Ipensionen bei Männern haben psychisch bedingte Ursachen und 48% der Frauen. Weiter lassen sich 57% der befristeten Ipensionen bei Männern und 69% der befristeten Ipensionen bei Frauen auf psychische Faktoren zurückführen. Gründe für frühzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben sind vielfältig.

Psychische Krankheiten am Arbeitsplatz

Psychische Erkrankungen frühzeitig erkennen und entgegenwirken ist die Devise. Doch leider gibt es nach wie vor zu wenig Sensibilisierung zur Vorbeugung psychischer Erkrankungen. Denn psychische Erkrankungen kommen meist schleichend und verfestigen sich langsam. Auch Engpässe in der psychiatrischen Flächenversorgung führen zur Verschleppung psychischer Krankheiten. Damit wird eine zeitnahe Rehabilitation schwierig. Der IHS-Studienautor Dr. Thomas Czypionka ist überzeugt: betriebliches Gesundheitsmanagement sollte zukünftig ein Augenmerk auf psychische Erkrankungen haben. Arbeitsplätze müssen für psychisch Kranke gerecht gemacht werden, damit eine stufenweise Reintegration nach internationalen Vorbildern möglich ist. Unternehmen sollten dabei auch unterstützt werden.

Diesbezüglich fordert der Bundesverband Österreichischer PsychologInnen eine verstärkte Einbindung von ArbeitspsychologInnen in den Betriebsalltag sowie die Finanzierung der klinisch-psychologischen Behandlungen durch die Krankenkasse. Betroffene, die beispielsweise an Depression oder Angststörungen leiden, könnten mit Hilfe der Klinischen Psychologie behandelt und in den Arbeitsprozess zurück integriert werden. Diese Maßnahmen sollen dabei helfen, das völlige Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu verhindern. Nicht zuletzt weil mit der Ipension auch das Armutsrisiko für die Betroffenen eklatant steigt, aber auch, um volkswirtschaftliche Kosten zu reduzieren.
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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.