Pflege
#Compensation & Benefits | Daniela Schlick

Pflegefälle in vielen Betrieben ein Tabu

Vertrauen und Angebote fehlen

Laut amtlicher Statistik gibt es in Österreich über 450.000 Pflegefälle mit anerkannter Pflegestufe. 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Dabei geht es nicht nur um die Pflege von Menschen hohen Alters: Im Durchschnitt sind Pflegefälle 55 Jahre alt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gewinnt auch aus demografischer Sicht an Bedeutung. Der Altersdurchschnitt ist in zahlreichen Unternehmen bereits recht hoch. Ende Jänner 2015 wurde das brisante Thema in einem b2b:dialog der abz*austria beleuchtet.

Ist Pflege eine Frage des Entweder-Oder?

Umfragen und Studien zeigen: Pflegende Erwerbstätige wollen trotz Doppelbelastungen an ihrer beruflichen Tätigkeit festhalten. Aus Angst vor Stigmatisierung wird das Thema Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit von Betroffenen jedoch häufig nicht angesprochen. Das Vertrauen, dass Unternehmen ein Eigeninteresse an funktionierender Pflege und Mitarbeit ihrer Beschäftigten haben, fehlt ebenso wie vielerorts explizite Angebote.

Unternehmen spielen eine große Rolle, wenn es darum geht, das Tabu zu brechen. Für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gilt es ein wertschätzendes, vertrauensstiftendes Klima zu schaffen und Rahmenbedingungen zu etablieren, die berufstätige Pflegende entlasten. Viele Strukturen der Elternkarenz ließen sich auf das Thema Pflegekarenz oder Pflegeauszeit übertragen. Doch Auszeitenmanagement greift noch viel weiter. Es umschließt die gesamte frühzeitige, systematische Planung von generellen Auszeiten – und das auf Unternehmens- sowie auf Mitarbeiterseite.

Best Practice

In der Bundesimmobiliengesellschaft hat man ein Rezept gefunden, um in schwierigen Lebenssituationen ein verlässlicher Arbeitgeber zu sein, der flexible Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt. BIG-Personalleiter und Prokurist Alexander Mäder: „Verhalte dich fair und gerecht, schätze die Leute wert und ernte loyale und dankbare Mitarbeiter auf lange Zeit.“ Seine Erfahrung zeigt, der Pflegebedarf entsteht unter Umständen sehr rasch, eine schnelle Reaktion ist gefragt.

Als Sofortmaßnahme lässt sich an der Arbeitszeit schrauben. So wird zum Beispiel bei der BIG der Gleitzeitrahmen für den betroffenen Mitarbeiter vorübergehend außer Kraft gesetzt. Der Mitarbeiter kann sich seine Zeit freier einteilen – ein starker Gewinn. In einem nächsten Schritt kann unter bestimmten Voraussetzungen (Pflegestufe 3) Pflegekarenz für 3 Monate beantragt werden. Besonders wichtig ist aber die menschliche Komponente. Es gilt, dem Mitarbeiter Verständnis für seine Situation zu zeigen und ihm zu verstehen zu geben, dass er in der Firma weiterhin gebraucht wird.

Tipps und Infos

To Do’s, Rechtliches, Finanzielles, Info & Service für Unternehmen und Mitarbeiter auf dem neuesten Stand stellt das abz*austria im Rahmen der RoadMap*KarenzManagement® bereit. Ein kostenloser Probezugang kann angefordert werden.



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Daniela Schlick

Daniela Schlick ist seit zwanzig Jahren mit Begeisterung in beratender Funktion tätig. Sie arbeitete als Personalberaterin in renommierten Personalberatungsunternehmen und als Recruiterin & Karriereredakteurin ehe sie 2008 ihr eigenes Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt werteorientierter Personaldiagnostik gründete. Seit 2011 ist sie zudem Vortragende zu verschiedenen HR-Themen: www.danielaschlick.at