Mitarbeiter brauchen individuelle Benefits
#Compensation & Benefits | Barbara Oberrauter

One Size passt nicht allen

Mitarbeiter brauchen individuelle Benefits

Betriebliche Altersvorsorge, Zeitkonten und Gesundheitsmanagement: Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern zusätzlich zur klassischen Gehaltszahlung Zusatzleistungen, die motivieren und den Mitarbeiter langfristig binden sollen. Das Problem: Viele dieser Leistungen orientieren sich nicht an den Bedürfnissen der Mitarbeiter, sind unstrukturiert aufgebaut und werden zu selten aktualisiert. Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Tower Watson, für die 145 Unternehmen aller Branchen in Deutschland befragt wurden.

Leistungen müssen sich an Bedürfnissen orientieren

Damit verschenken Unternehmen unnötig Geld, ist Thomas Jasper von Towers Watson überzeugt: „Solange sich die Leistungen nicht an den Bedürfnissen der Mitarbeiter orientieren, wird der volle Nutzen für Unternehmen und Belegschaften nicht abgerufen.“ Nach wie vor dominiert bei Zusatzleistungen der One size fits all-Gedanke, stellt der Experte fest. Nur drei Prozent der Firmen lassen ihre Angestellten zwischen verschiedenen Leistungen wählen. Und lediglich 13 Prozent der Firmen erheben, was sich ihre Belegschaft in Punkto Zusatzleistung eigentlich wünscht.

Ohne Feedback sind passgenaue Angebote aber kaum möglich: Alter, Karrierestufe und individuelle Vorlieben haben großen Einfluss auf die Wünsche der Angestellten. Am häufigsten werden in deutschen Unternehmen betriebliche Altersversorgung sowie eine Unfallversicherung angeboten, zeigen die Studienergebnisse. Außerdem bietet fast jedes fünfte Unternehmen seinen Mitarbeitern an, einen Teil der Vergütung auf einem Zeitwertkonto anzusparen und die letzten Jahre vor dem Ruhestand flexibel zu gestalten. Etwa ein Viertel der Firmen erlaubt den Beschäftigten, eine eigenfinanzierte Auszeit zu nehmen.

Zusätzliche Benefits entsprechend kommunizieren

Ohne entsprechende Kommunikation kommen die entsprechenden Angebote jedoch nur selten bei der Belegschaft an. Um Mitarbeitern den Mehrwert von Firmenwagen, betrieblicher Altersvorsorge und anderen Benefits zu kommunizieren, eignen sich etwa mobile Lösungen und Online-Angebote, sagt Stephan Wildner von Towers Watson. „Die Kommunikation der angebotenen Zusatzleistungen und deren Wert ist essenziell. Nur wer sich über das Investment des Arbeitgebers im Klaren ist und an der Auswahl der Benefits beteiligt wird, kann den finanziellen Aufwand wirklich wertschätzen.“

Werden sie in Anspruch genommen, können Zusatzleistungen einen großen Mehrwert haben: Arbeitnehmer sparen bares Geld, Unternehmen profitieren bei der Bindung und Gewinnung von Mitarbeitern durch Steuervorteile und Gruppenkonditionen. Die Studienautoren empfehlen, sich auf wenige Benefits zu konzentrieren, die dafür möglichst werthaltig sein sollten. „Historisch gewachsene Cafeteria-Systeme, bei denen zahlreiche Benefits nebeneinander stehen, sind bereits aus administrativer Sicht schwer zu realisieren.“

Leistungen sollten zur Unternehmenskultur passen

Zudem müssten die Benefits zur jeweiligen Unternehmensphilosophie passen: „So kann beispielsweise mit einer werthaltigen betrieblichen Altersvorsorge inklusive Risiko- und Unfallleistungen betont werden, dass sich das Unternehmen verpflichtet sieht, die existenziellen Lebensrisiken der Mitarbeiter abzusichern.“ Um den individuellen Lebensphasen der einzelnen Mitarbeiter Rechnung zu tragen, sollten Unternehmen ein jährliches Budget zur Verfügung stellen, welches je nach Bedarfslage zur Finanzierung der angebotenen Benefits verwendet werden kann. So kann die Auswahl von den Angestellten selbst getroffen werden, sagt Jasper: „Flexible Wahlmöglichkeiten steigern die Attraktivität der Vergütung und erhöhen das Involvement der Mitarbeiter.“ Kein Wunder: Schließlich wissen die Mitarbeiter selbst am besten, welche Förderung sie benötigen.



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.