Mitarbeiterrabatte
#HR & Recht | Andrea Heider

Neuregelung der Mitarbeiterrabatte

Welche Änderungen kommen

Mitarbeiterrabatte, Geschenke und Goodies jeder Art stellen oftmals wichtige Anreize für qualifizierte Mitarbeiter oder begehrte Bewerber dar. Vor allem schwer zu besetzende Positionen locken häufig mit Benefits jeglicher Art. Auch die eigenen Produkte werden den Mitarbeitern vergünstigt zur Verfügung gestellt. Ermäßigungen, die nicht als Entgelt gelten haben nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für Firmen einen Reiz, da sie bis dato steuerfrei waren.

Jedoch werden Mitarbeiterrabatte ab 1.1.2016 neu geregelt. Dies bedeutet eine Neuregelung sämtlicher Rabatte und Geschenke von Firmen an die eigenen Mitarbeiter. Bisher waren Mitarbeiterrabatte steuerfrei, solange es argumentiert werden konnte. Mit der Neuregelung wird für sämtliche Berufsgruppen ein Freibetrag bzw. eine Freigrenze für Mitarbeiterrabatte eigeführt. Ein sogenannter steuerrechtlicher Vorteil aus dem Dienstverhältnis liegt vor, wenn ein Mitarbeiter Rabatte bekommt, die über solche, die Endverbrauchern gewährt werden, hinausgehen. Steuerpflichtig ist dann die Differenz zum handelsüblichen Preis.

Neuregelungen: was ändert sich

Ab 1.1.2016 sind Mitarbeiterrabatte steuerfrei wenn, sie allen Arbeitnehmern oder bestimmten Gruppen von Arbeitnehmern gleichermaßen gewährt werden, die Rabatte 20% nicht übersteigen. Falls die 20% Schwelle dennoch überstiegen wird, darf die Freigrenze von 1.000 Euro/ Jahr und Mitarbeiter nicht überschritten werden. Der steuerpflichtige Sachbezug errechnet sich aus der Differenz zum handelsüblichen Preis unter Berücksichtigung der an Endverbraucher gewährten Rabatte. Drei Beispiele sollen dies kurz verdeutlichen:

  • Ein Unternehmen verkauft ein Produkt, beispielsweise Schuhe, um 100 Euro an Letztverbraucher, seine Mitarbeiter können dieses Produkt jedoch um 80 Euro erwerben. Da die 20% Grenze eingehalten wird, ist dieser Rabatt abgabenfrei.
  • Ein Unternehmen verkauft zum Beispiel ein TV-Gerät um 500 Euro an den Letztverbraucher, Mitarbeiter können das Produkt um 250 Euro erstehen. Der 50%ige Rabatt übersteigt die besagte 20% Grenze mit 150 Euro, die also nun grundsätzlich steuerpflichtig wären. Wird jedoch die Grenze von 1.000 Euro Freibetrag im Jahr nicht überschritten, so bleibt auch dieser Betrag steuerfrei.
  • Ein Unternehmen verkauft einen Kleinwagen um 20.000 Euro an Letztverbraucher, seine Mitarbeiter können ihn jedoch um 15.000 Euro erwerben. Die 20% Grenze wird überschritten, die Freibetragsgrenze von 1.000 Euro wird daher schlagend. Das bedeutet, dass 1.000 Euro steuerfrei, die restlichen 4.000 Euro jedoch steuerpflichtig sind. Die Freibetragsgrenze ist nun voll ausgeschöpft, Rabatte bis zu 20% dürfen jedoch weiterhin steuerfrei gewährt werden.

Kollektivvertraglicher Eigenbezug

In manchen Branchen ist Eigenbezug sogar kollektivvertraglich vorgesehen. So durften beispielsweise Mitarbeiter der Ottakringer Brauerei monatlich eine Kiste Bier mit nachhause nehmen und vier weitere Kisten zum Sonderpreis beziehen. Dies wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben. Auch Verkehrsbetriebe, wie etwa die ÖBB, die ihren Mitarbeitern und deren Familien kostenlose Tickets oder sonstige Ermäßigungen zukommen ließen, die nicht als Entgelt galten, fallen künftig unter die Neuregelung der Mitarbeiterrabatte.

Einem Bericht in der Presse zur Folge sehen Österreichs Unternehmen der Neuregelung jedoch gelassen entgegen: Rewe gewährt seinen Mitarbeitern auch weiterhin Rabatte und auch Ikea vergibt weiterhin intern 15 Prozent. Vermutlich wird allerdings ein deutlicher Administrationsaufwand für Arbeitgeber anfallen, jedoch möglicherweise nur geringe steuerliche Einnahmen für den Staat. Zu hoffen bleibt jedoch, dass sich der Mehraufwand für den HR-Bereich dadurch in Grenzen hält. Empfohlen wird allerdings sämtliche Mitarbeiterrabatte systematisch zu dokumentieren und zu erfassen.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.