Recruiting Maßnahmen
#Trends im Recruiting | Barbara Oberrauter

Neues Futter für den Recruiting-Funnel

Erfolgreiches Recruiting gelingt in Zukunft nur noch Hand in Hand mit der Fachabteilung.

Davon ist Recruiting-Experte Frank Rechsteiner überzeugt. Wie sich HR-Verantwortliche schlagkräftige Argumente und Details von der Fachabteilung holen und ihre „time to hire“ reduzieren, erzählt er im Interview mit JOBnews.at

Herr Rechsteiner, es ist das alte Problem: Es hakt an allen Ecken und EndenWke, die Nachfrage nach Fachkräften steigt immer weiter. Wie finde ich als Unternehmen da die richtigen Kandidaten – und bekomme meinen Kandidaten-Funnel voll?

Frank Rechsteiner: Die Frage ist falsch gestellt. Das Problem heute ist nicht, die Leute zu finden – sondern ihre Aufmerksamkeit zu wecken.

Und wie wecke ich ihre Aufmerksamkeit?

Zunächst muss ich mich fragen, wo sich meine Zielgruppe befindet. Nicht jeder ist automatisch auf LinkedIn und Xing registriert – Sie müssen also dorthin gehen, wo sich die Leute befinden.

Wie finde ich heraus, wo diese Leute sind?

Treten Sie mit Ihrer Zielgruppe aktiv in Kommunikation! Sie sitzt vermutlich gleich ein Büro weiter: Wenn Sie Netzwerk-Spezialisten brauchen, gehen Sie zu Ihren eigenen Netzwerk-Experten und fragen sie, wie die vorgehen würden, wenn sie einen Job suchen. Das ist ihre Antwort darauf, wo ihre Zielgruppe ist – und wie sie suchen.

Einmal gefunden, muss ich Kandidaten für mich begeistern. Wie stelle ich das als Arbeitgeber an?

Sie müssen überlegen, welchen Mehrwert Sie als Arbeitgeber bieten können und zu welchen Kompromissen Sie bereit sind. Sie müssen Ihren Kandidaten etwas bieten, was diese heute noch nicht haben. Ein Job allein ist das nicht – die meisten haben bereits eine Stelle. Sie müssen Dinge bieten, die die Leute noch nicht haben, und da geht es ganz stark auch in Richtung Unternehmenskultur: Welchen USP, welches Alleinstellungsmerkmal habe ich als Arbeitgeber, und wo liegt meine Kernkompetenz? Wenn ich das aktiv und ansprechend genug kommuniziere, mache ich die richtigen Leute auf mich aufmerksam – und bringe sie im Idealfall dazu, in mein Unternehmen zu wechseln.

Was ist mit Bewerbern, die nicht abgeworben werden – ganz „normalen“ Kandidaten also?

Auch denen müssen Sie etwas bieten und Ihren Bewerbungsprozess so weit individualisieren, dass sich Ihre Kandidaten als absolute VIPs fühlen. Außerdem müssen die Abläufe schneller werden: Speed is king! Die Benchmark für die „time to hire“ liegt heute bei drei Wochen – wer heute noch länger braucht, um sich zu entscheiden, hat in der heutigen Zeit keine Chance mehr.

Oft müssen Bewerbungsprozesse zwischen mehreren Abteilungen abgestimmt werden. Das dauert seine Zeit.

Da müssen Sie als HR-Verantwortlicher die Fachabteilung in die Pflicht nehmen und auf verbesserte Zusammenarbeit achten.

Was kann ich als HR-Verantwortlicher dafür tun, das Silo-Denken aufzubrechen?

Indem Sie erstmal auf oberster Ebene klarmachen, dass das Recruiting der Zukunft nur noch gemeinsam funktioniert. Anstatt immer im Feuerwehrmodus zu agieren und nur auszurücken, wenn es akut wo brennt, müssen Sie gemeinsam mit der Fachabteilung eine geeignete Personalstrategie ausarbeiten – und zwar auf Augenhöhe. Dafür müssen Sie auch die Sprache der Fachabteilungen sprechen, sonst wird das Ganze nichts. Setzen Sie sich zu Ihren Kollegen, hospitieren Sie in den einzelnen Abteilungen, gehen Sie mit zu Kundengesprächen. Nur so lernen Sie, wo in den einzelnen Abteilungen der Schuh drückt und wie die Leute ticken. Und mit dem Wissen im Hinterkopf können Sie dann gemeinsam Recruiting Maßnahmen setzen und einen Recruitingprozess aufbauen, der schnell, effizient und nachhaltig effektiv ist.

 

Recruiting Maßnahmen

Recruiting-Experte Frank Rechsteiner

INFO: Frank Rechsteiner ist Inhaber der Hype Group, die auf Executive-Recruiting und Strategieberatung für IT-Unternehmen spezialisiert ist. Als Recruiting Experte, Blogger, YouTuber und Autor gibt er regelmäßig Recruiting Impulse. Mehr Infos auf https://neue-recruitingmodelle.com/

 

 

 

 

 

Bildnachweis: www.istockphoto.com/LaylaBird



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.