Nervensägen
#Buchtipp | Andrea Heider

Nervensägen im Job

Berufliche Nervensägen besser verstehen

Nervensägen im Job – Wer ein vorschnelles Urteil über Mitmenschen trifft, liegt oft falsch. Persönlichkeiten bestehen aus verschiedenen Facetten. Wir sollten Bewerber, Kollegen oder Vorgesetzte also nicht vorschnell in eine Schublade stecken. Mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten beschäftigen sich Menschen seit Jahrtausenden. Wozu brauchen wir eigentlich Typisierungen, Persönlichkeitstests, Potentialanalysen, Persönlichkeitsmodelle u.ä.? Typisierungen sollen grundsätzlich dem Einzelnen dazu dienen, sich selbst besser kennen zu lernen, die eigenen Stärken und Schwächen zu entdecken. Es kann aber auch Mitmenschen helfen, ihre Kollegen besser zu verstehen.

Wird man als Nervensäge geboren? Mit dieser Frage beschäftigt sich nicht nur das Buch „Nervensägen. So zähmen Sie schwierige Typen im Berufsalltag“, sondern auch die Entwicklungspsychologie. Laut Lotte Schenk-Danzinger gibt es folgende Faktoren, die für unsere Entwicklung verantwortlich sind: Genetische Faktoren, Soziokulturelle Faktoren und Innerseelische dynamische Faktoren. Genetische Faktoren sind angeborene Veranlagungen, soziokulturelle Faktoren sind von der sozialen Gruppe, der man angehört und deren Wertesystem abhängig. Innerseelisch dynamische Faktoren wiederrum spielen sich in uns selbst ab. Der größte Teil unserer Entwicklung passiert nachweislich in unserer Kindheit.

Warum gibt es Nervensägen?

Die Zuordnung in Typenkategorien ist nicht immer einfach. Die Autoren sind allerdings überzeugt: Der Umgang mit Nervensägen kann bei entsprechender Strategie einfach sein. Die Autoren sind überzeugt, dass Nervensägen durch schwierige Situationen entstehen. Die Berufswelt bietet dafür ein geeignetes Klima.

  • Ursache 1: Mangelnde Kommunikation: Dies ist, den Autoren zur Folge, die Hauptursache für Nervensägen im Job. Gemeint sind: Fehlende Kommunikation, aneinander vorbeireden oder auch kommunikative Missverständnisse.
  • Ursache 2: Organisationsdruck: Viele Management-Ansätze gehen von einem Menschenbild aus, das in der Realität kaum anzutreffen ist. Der ideale Mitarbeiter sei demnach stets offen für Neues, hat keine negativen Emotionen, ist in der Lage sich auf Veränderungen einzustellen, reagiert sofort auf Verzögerungen, stellt nichts in Frage und trifft trotzdem die richtigen Entscheidungen.
  • Ursache 3: Innere Einstellung: Ob eine Situation als schwierig wahrgenommen wird, liegt oftmals nur an der inneren Einstellung. Habe ich pessimistische Erwartungen? Angst vor Fehlern? Oder leide ich gar an Harmoniesucht?

Nervensägen im Job

Die Autorinnen Gabriele Cerwinka, freiberufliche Referentin und Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Gabriele Schranz, Trainerin für den Bereich Kommunikation, Prozessoptimierung und Office Management beschreiben 9 unterschiedliche Typen von Nervensägen, die uns im Berufsleben begegnen können, sei es als Kollege, Mitarbeiter, Patient, Kunde oder Chef.

  • Der Angeber: große Sprüche, wenig Taten, übertrieben zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein. Er unterhält sich gerne, Gespräche und Beziehungen bleiben an der Oberfläche. Selbstdarstellung und Selbstinszenierung sind seine Spezialgebiete, wird gerne bewundert. Wenn es um Detailwissen geht, zieht er sich jedoch gerne zurück. Offene Konflikte meidet er, ist für Kritik nicht sehr empfänglich.
  • Der Besserwisser: er mischt sich überall ein, redet belehrend. Er kleidet sich korrekt, aber unauffällig. Flexibilität ist nicht seine Stärke. Er liebt Details, Zusammenhänge und Hintergründe interessieren ihn wenig. Fakten, Zahlen und technische Daten sind seine Welt.
  • Der Negative: ausdruckslose Fassade mit Blick auf den Boden, er ist unauffällig. Er fasst schwer Vertrauen, er geht davon aus, dass Mitmenschen ihm feindlich begegnen. Schlechte Eigenschaften bemerkt er sofort. Er zieht immer alles Schlechte auf sich. Er kann Probleme sehr genau interessieren, ist jedoch nicht an deren Lösung interessiert. Seine Rhetorik ist von negativen Worten geprägt.
  • Der Nörgler: stellt alles in Frage, neigt zu negativen Vorurteilen. Unzufriedenheit und Zufriedenheit liegen nahe beisammen. Er klagt und jammert als Gewohnheit. Er sucht nach Fehlern und Mängeln bis er fündig wird. Er argumentiert weniger sachlich, sondern eher emotional.
  • Der Vulkan: Je nach Veranlagung kommen wir gut oder überhaupt nicht mit dem Vulkan zurecht. Er ist von einem Wechselspiel der Gefühle geprägt. Er ist unfähig seine Gefühle zu beherrschen. Er ist energiegeladen, selbstbewusst und kämpft an der Front. Er ist von Arbeit besessen und hasst Stillstand und Langeweile. Er ist Praktiker und genießt das Leben in vollen Zügen. Er freut sich laut, er leidet aber auch laut.
  • Der Machthungrige: er kann betont forsch und laut auftreten. Wenn nötig, wirft er sich aggressiv und ohne Rücksicht auf Verluste in den Kampf. Er möchte seine Macht aufbauen und erhalten. Sein Prinzip lautet: gewinnen oder verlieren. Er kann toben und drohen, aber auch nett und freundlich sein ? je nachdem, was die Situation erfordert.
  • Der Scheinheilige: Im Zentrum seines Denken und Handelns stehen sehr hohe Ansprüche, hinter denen er sich auch verschanzt. Er kommentiert gerne im Nachhinein. Seine Kommentare beziehen sich aber eher auf Anstand und Moral, nicht wie beim Besserwisser auf sachliche Themen.
  • Der Harmoniesüchtige: Der Harmoniesüchtige gibt vor, alles zu verstehen und alles zu akzeptieren, obwohl er in seinem Inneren das ein oder anderen durchaus ablehnt. Er hat nur einfach nicht den Mut seine Meinung zu sagen. Er möchte Konflikte um jeden Preis vermeiden. Er ist ein typischer Mitläufer.
  • Der Zyniker: Diese Nervensäge ist besonders vielschichtig. Er kann mit Worten beeindrucken und sich gut in Szene setzen. Seine Aggressionen äußern sich nicht offen, sondern versteckt. Er zeigt selten Gefühle, hat jedoch einen guten Sensor für die Gefühle von anderen. Er richtet seine Attacken gerne gegen persönliche Schwächen.

Buch:
Nervensägen. So zähmen Sie schwierige Typen im Berufsalltag
Gabriele Cerwinka, Gabriele Schranz
Linde International



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.