Narzissten
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Narzissten im Job

Narzissten brauchen Streicheleinheiten

Narzissten im Job – „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Narzissten: Sie können auf den ersten Blick unglaublich positiv auf uns wirken: charmant, selbstbewusst, charismatisch. Narzisstische Persönlichkeitszüge werden jedoch nicht immer gleich erkannt. Viel eher wundern sich Freunde, Partner und Kollegen über das irreführende Verhalten des heimlichen Narzissten – dieses kann nämlich äußerst verletzend sein. Auf den zweiten Blick werden Beziehungen, seien es nun berufliche oder private, zu Personen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung nämlich ungleich schwieriger: Sie fordern viel und geben wenig.

Narzissten legen besonderen Wert darauf, von Partnern, Freunden und Kollegen als großartig und unerreichbar anerkannt zu werden. Sie sind auf der Suche nach Fans, Bewunderern und Anhängern – Groupies, könnte man sagen. Sie sind sehr stark von sich und ihren Ideen eingenommen, bringen jedoch anderen oftmals nur Geringschätzung und Desinteresse entgegen. Sie können jedoch tatsächlich auch sehr charmant sein, nicht zu Letzt, da sie Bewunderung brauchen, wie eine Droge. Hinter Narzissmus verbirgt sich nämlich oft ein geringer Selbstwert – dieser muss durch Anerkennung und Bewunderung genährt werden.

Sind Sie ein Narzisst?

Ein gesundes Maß an Selbstliebe und die Fähigkeit seine Talente realistisch einzuschätzen ist per se nichts Schlechtes, dies sei vorweg gesagt. Stark ausgeprägter Narzissmus gilt jedoch als Persönlichkeitsstörung. Der Psychologe Jonathan Cheek hat zwei sehr unterschiedliche Formen des Narzissmus entdeckt: Den Großartigkeits-Exhibitionismus (Grandiosity-Exhibitionism) und die Verletzlichkeits-Sensibilität (Vulnerability-Sensitivity). Vorallem der zweite Typus ist im Alltag nicht leicht zu erkennen, denn er ist überhaupt nicht aggressiv, sondern eher übervorsichtig, beobachtend und hypersensible. Diagnostische Kriterien für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sind jeden Falles, laut der „American Psychiatric Association“ folgende:

  • Größengefühl bezüglich der eigenen Bedeutung und Wichtigkeit (Leistungen und Talente werden übertrieben dargestellt mit der Erwartung, dass diese bewundert werden.)
  • Intensive Beschäftigung mit Phantasien über unbegrenzten Erfolg, Macht, Schönheit oder auch die ideale Liebe.
  • Ist von der eigenen Besonder- und Einmaligkeit überzeugt, möchte daher nur mit Personen mit hohem Status verkehren.
  • Möchte übermäßig bewundert werden.
  • Erwartet besondere Behandlung
  • Zwischenmenschliche Beziehungen werden ausgenützt, der eigene Vorteil steht im Vordergrund.
  • Mangel an Empathie und Unfähigkeit sich mit den Gefühlen anderer zu beschäftigen.
  • Neid auf andere bzw. auch das Gefühl beneidet zu werden.
  • Arrogante, hochmütige Einstellung (oftmals innere Haltung, nach außen wird etwas anders kommuniziert)

Narzissten im Job

Ganz klar: Star-Allüren, überzogene Selbstverliebtheit, Größenwahn und Egomanie nerven! Die narzisstische Persönlichkeit ist jedoch facettenreich: Der Psychologe Delroy Paulhus fand heraus, dass narzisstische Gruppenmitglieder beim ersten Treffen von ihrem Gegenüber als besonders offen, kontaktfreudig, kompetent und unterhaltsam empfunden wurden. Eine weitere Untersuchung der Standfort University legt überraschender Weise nahe, dass auch Teams von Narzissten profitieren. Warum? Weil Narzissten derart überzeugt von sich und ihren Ideen sind, dass sich diese Euphorie auf das gesamte Team überträgt. Und wieder eine andere Studie der FAU Erlangen-Nürnberg besagt, dass narzisstische Chefs eher dazu tendieren neuartige Technologien im Unternehmen einzuführen. Darüber hinaus gelten Narzissten als ehrgeizig, charismatisch, sprachlich begabt und unterhaltsam – in manchen Branchen sind Grundvoraussetzungen, um erfolgreich zu sein.

Narzissten im Job können jedoch auch äußerst schwierige Zeitgenossen sein. Narzisstische Chefs, unabhängig vom Geschlecht, interessieren sich wenig für ihre Mitarbeiter, sie bauen selten Beziehungen zu ihnen auf. Macht und Kontrolle liegen ihnen jedoch. Narzissten verlangen von ihren Mitarbeitern Perfektion, können Verantwortung schlecht delegieren. Sie sind Workaholics – sehr erfolgsorientiert und ehrgeizig. Narzisstische Kollegen bzw. Chefs werden gerne bewundert, loben jedoch selbst eher wenig. Es fehlt ihnen an Empathie-Fähigkeit. Status ist ihnen wichtig. Sie sind jedoch überempfindlich, leicht gekränkt, nachträglich und neigen zu starken Neidgefühlen. Der Narzisst ist natürlich selbst sehr überzeugt von seiner Fähigkeit Chef zu sein – er denkt, dass er ein wirklich guter Chef ist. Für Mitarbeiter ist es jedoch oftmals sehr schwierig mit einem Narzissten zusammenzuarbeiten.
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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.