Nachhaltig führen
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Nachhaltig führen

Langfristig planen, Ressourcen schonen

„Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.“ Das wusste schon vor Jahrzehnten der Physiker und Nobelpreisgewinner Albert Einstein. Doch auch wenn die Uhren nicht ganz auf fünf vor zwölf stehen, lohnt es sich, die eigenen Unternehmensstrukturen auf Nachhaltigkeit zu überprüfen, sagt Sabine Pelzmann, Unternehmensberaterin aus Graz, im Interview mit JOBnews.at: „Unternehmen, die nachhaltig geführt werden, profitieren von einer höheren Loyalität zum Unternehmen, und das sowohl aus Mitarbeiter- als auch aus Kundensicht.“

Neben der ökologischen Nachhaltigkeit rücken mittlerweile vermehrt ökonomische und soziale Nachhaltigkeitsforderungen immer mehr in dem Mittelpunkt. Pelzmann: „Nachhaltige Führungsprozesse betreffen nicht nur das Umweltmanagement, sondern auch Unternehmenspolitik, Strategie, Zielsetzungen, Unternehmenskultur und die Personalentwicklung. Die Frage ist immer, was ist die Zielsetzung im Unternehmen? Geht es um längerfristigen Bestand und Sicherung des Unternehmenszwecks oder nur darum, kurzfristig Gewinn zu generieren?“

Statt sich wie früher in ein bestehendes Umfeld zu setzen und sich die Ressourcen zu nehmen, die gebraucht werden, müssten Unternehmen heute stärker denn je darauf achten, wie sie dem umgehen, was sie umgibt, so die Expertin. Ob es sich dabei um Menschen, Rohstoffe, Infrastruktur oder Kultur handelt – wer längerfristige Strukturen aufbauen möchte, kommt um achtsames Umgehen mit dem Vorhandenen nicht herum.

Nachhaltig führen

Sabine Pelzmann zum Thema nachhaltig führen

‚“Unternehmen existieren ja nicht auf der grünen Wiese“, so Pelzmann. „Da ist immer auch eine bestimmte Umwelt und ein bestimmtes soziales System, das sie umgeben. Die Frage ist, wie setzt sich das Unternehmen in die Gesellschaft? Baut es tragfähige Beziehungen auf und fühlt sich auch verantwortlich für den sozialen Raum rundherum? Dieses Denken entspricht nicht der klassischen wirtschaftlichen Logik, ist aber unverzichtbar, wenn man sich die Einbindung eines Unternehmens in Umwelt und Gesellschaft anschaut.“

Stakeholder in Nachhaltigkeitsprozesse einbeziehen

Das Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFZ) in Graz hat anhand eines Forschungsprojektes sieben Schritte zur nachhaltigen Unternehmensführung identifiziert. Die wichtigste Voraussetzung, um im Unternehmen nachhaltiges Handeln zu etablieren, ist demnach die Bereitschaft der Unternehmensführung, sich auf dieses Thema einzulassen, schreiben die Studienautoren. In einem nächsten Schritt sollten die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekte eruiert werden, die für das Unternehmen überhaupt von Bedeutung sind.

Je nachdem, welche Schritte im Bereich Nachhaltigkeit bereits gesetzt wurden, können dann in einem gemeinsamen Brainstorming weitere Ideen gesammelt und auf ihre Machbarkeit hin überprüft werden. Wichtig ist die Einbindung aller Beteiligten in den Prozess, betont Pelzmann: „Partizipative Prozesse sind in diesem Bereich ganz wichtig, um die Mitarbeiter ins Boot zu holen. Man muss den Gewinn für die Angestellten herausstreichen.“

Einen guten Ansatz, so die Studie des IFZ, bieten so genannte Gesundheitszirkel, die am besten personell durch Umweltbeauftragte und Gleichstellungsbeauftragte erweitert werden. Anhand konkreter Ziele und Maßnahmen könnten Ideen anschließend in die Praxis umgesetzt werden. Was klappt, sollte auch nach außen kommuniziert werden, rät Pelzmann. „Unternehmen sollten beim Thema Nachhaltigkeit alle Stakeholder mit einbinden. Das geht von Mitarbeitern über Kunden bis hin zu potentiellen neuen Mitarbeitern.“

Nachhaltig führen: Auch mit menschlichen Ressourcen schonend umgehen

Auch auf die eigenen Ressourcen muss beim nachhaltigen Führen geachtet werden, so Pelzmann: „Nachhaltigkeit heißt Haushalten, und zwar sowohl mit materiellen und immaterielle Ressourcen, also auch mit unserer eigenen Kraft und Energie.“ Führungskräfte, die auf nachhaltiges Führen Wert legen, sollten daher ihr eigenes Handeln immer wieder reflektieren und ihre Mitarbeiter mit Bedacht behandeln. „Ein kooperativer, unterstützender Führungsstil ermöglicht es den Mitarbeitern, gesund zu bleiben und sich im Unternehmen gut entwickeln zu können. Es geht darum, Ressourcen zu schaffen, in denen nachhaltig Leistung möglich ist.“ Dazu gehört auch das Talent Management: „Man muss schauen, dass man die Mitarbeiter dorthin setzt, wo sie gut wirken können. Im Prinzip wollen alle Mitarbeiter das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu machen.“

Erfolgsfaktoren für nachhaltiges Führen sind laut der Untersuchung des IFZ neben der Einbindung der Belegschaft bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen auch eine vielfältige Angebotspalette und der individuelle Mehrwert von Maßnahmen für die Mitarbeiter. Auch eine regelmäßige Kommunikation der Angebote sollte beachtet werden – „wer nur im stillen Kämmerlein einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt, wird nicht weit kommen“, weiß Pelzmann.

Firmen, die es wirklich ernst meinen mit der Nachhaltigkeit, könnten sich in dieser Hinsicht einiges von Familienunternehmen abschauen, weiß die Unternehmensberaterin. „Die Ausrichtung bei Familienunternehmen ist längerfristig, weil man nicht nur für die eigene Generation und die eigenen Führungsjahre versucht, das Optimale herauszuholen, sondern in längerfristigen Perspektiven denkt.“ Der erweiterte Blick aufs Große und Ganze sei es schließlich, was nachhaltige Unternehmen von anderen unterscheiden würde: „Letztendlich braucht es Menschen, die auf das Gesamte des Unternehmens hinschauen und Entscheidungen nicht nur anhand einiger weniger Kennzahlen treffen.“

Mehr Infos zum Thema nachhaltig führen:
www.nachhaltigkeit.at
www.pelzmann.org

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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