Motivation aus der Sportpsychologie
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Motivation aus der Sportpsychologie

Motivationstricks die auch für den Arbeitsplatz geeignet sind

„Jungs, ihr schafft das. Geht raus, habt Spaß und haut denen ein paar Tore rein!“ So oder so ähnlich stellt man sich während der WM die Ansprache des Trainers in der Halbzeit vor. Die Kabinenansprache soll innerhalb kürzester Zeit motivieren, das Team zusammenschweißen und gemeinsame Ziele klären. Grund genug, sich die wichtigsten Faktoren mal genauer anzusehen. Führungskräfte und Personalmanager können davon so einiges lernen, ist der Hamburger Sportpsychologe Thorsten Weidig überzeugt.

In seiner Untersuchung zu motivierenden Faktoren in der Spieler-Trainer-Kommunikation steht das Element des persönlichen Gesprächs an erster Stelle. Um eine optimale Beziehung zu seinen Schützlingen aufzubauen, sind gegenseitiges Vertrauen, Respekt und gemeinsame Ziele nötig. Das Ziel: Leistungssteigerung, Erfolg und Zufriedenheit auf beiden Seiten. Umgelegt auf den Unternehmenskontext hieße das, besonders in der Kommunikation mit den Mitarbeitern wertschätzend und fördernd vorzugehen. Auch aggressives Verhalten zwischen Kollegen sollte tunlichst schon im Kern erstickt werden – das kann mitunter ganze Vorhaben oder Projekte behindern oder gar zum Kippen bringen.

Konzentration auf das Wichtigste

Wie ein guter Trainer seine Spieler immer wieder mal beiseite nimmt und mit ihnen Vorgangsweise und Ziele klärt, sollte auch eine gute Führungskraft sich Zeit für ihre Mitarbeiter nehmen. Dabei ist Reden nicht gleich Reden: Grundsätze eines erfolgreichen Gesprächs sind Weidig zufolge die Gewährleistung gegenseitigen Vertrauens, das richtige Mitteilungsverhalten und die angemessene Auswahl der Informationen. Was passiert, wenn man seine Leute mit einem Wortschwall wegspült, zeigt das Beispiel der dänischen Spielerinnen beim Grand Prix?Finale 1994. Die Damen waren ohne Trainer angereist und erklärten auf Nachfragen: „Die meisten Trainer wissen nicht, was sie sagen sollen und sagen irgendwas und dann erzählen sie einem viel zuviel.“

Das Um und Auf jeder erfolgreichen Kommunikation daher: Im Vorfeld die drei wichtigsten Gesichtspunkte auszuwählen und sich darauf zu konzentrieren, diese auch verständlich an den Mann (oder die Frau) zu bringen. „Trainer sollten die Informationsmenge in Wettkampfpausen auf zwei bis drei Anweisungen beschränken, die kurz und prägnant zu vermitteln sind“, schlussfolgert Weidig. Zusätzlich schlägt der Experte den Einsatz einer möglichst bildhaften Sprache vor.

So motivierte Jürgen Klinsmann 2006 seine Mannschaft mit dem wenig schmeichelhaften, aber erfolgreichen „Wir knallen die Polen durch die Wand.“ So dramatisch muss es der Personaler nicht geben, ein Ratschlag wie „Du bist eine Wand“ zeichnet jedoch ein eindrucksvolles Bild davon, was man sich von seinem Team erwartet.

Stärken hervorheben, Fehler abhaken

Wertschätzung drückt sich jedoch nicht nur in der angemessenen Vermittlung von Informationen aus. Genauso wichtig wie der Inhalt ist dem Sportpsychologen zufolge der emotionale Zugang zum Spieler. „Eine leistungsförderliche Informationsvermittlung kann nur gelingen, wenn Trainer sowohl verbal als auch nonverbal ermutigend, motivierend, unterstützend und bestärkend auftreten.“ Das äußert sich konkret darin, dass Engagement und Verantwortung eingefordert sowie auf herablassende Kommentare verzichtet wird. Ganz wichtig auch, sagt Weidig: „Das Aufzeigen von Stärken der Athleten und das Vermeiden einer Fehlerfokussierung.“

Konzentration auf Fehler erschwere die optimale Leistungsfähigkeit in der Zukunft, so Weidig, da „die Aufmerksamkeit des Athleten auf vergangene Wettkampfsituationen gerichtet bleibt und Handlungsalternativen für den folgenden Wettkampfabschnitt fehlen.“ Allzu oft konzentrieren sich formelle und informelle Mitarbeitergesprächen zu sehr aufs Negative. Die Prognosen von Teammitgliedern sind jedoch umso besser, je mehr sich Entwicklungsmaßnahmen auf Stärken stützen und nicht darauf, Schwächen auszumerzen. Wer mit seinen Spielern – oder Mitarbeitern – auf eine lösungs- und lösungs- und zukunftsorientierte Herangehensweise setzt, hat hingegen in Zukunft mehr davon.

Gemeinsam zu Handlungszielen kommen

Ebenso wichtig wie konstruktives, auf die Zukunft gerichtetes Feedback sind Zielvereinbarungen. Die müssen immer und in jedem Fall von beiden Seiten akzeptiert werden können. Weidig empfiehlt Ziele, die „konkret, schwierig, aber das Leistungsvermögen nicht übersteigend, überprüfbar und sowohl ergebnis- als auch prozessorientiert sind.“ Das Führen durch Ziele erlaubt sowohl Mitarbeiter als auch Spieler eine eigenständige Vorgangsweise und fördert Höchstleistungen, anstatt auf bloßes Abarbeiten von Vorgaben zu setzen.

Grundsätzlich, so Weidig, sollten Motivationsgespräche in drei Phasen aufgeteilt werden. Phase eins dient der Nachbereitung und stellt die Regeneration des Spielers oder Mitarbeiters in den Mittelpunkt. Er soll sich emotional und kognitiv vom Tagesgeschäft distanzieren und den Kopf freibekommen für den Helikopterblick von oben, der das große Ganze im Blick hat. Nicht unwichtig für Personaler, denn: Wer Mitarbeiter auf dem falschen Fuß erwischt, hat kaum Aussicht auf Erfolg – auch wenn seine Ratschläge gut gemeint und wohl formuliert sind. In der zweiten Phase steht die Analyse von Geschehnissen und Problemen im Mittelpunkt. Dabei sollten auch psychologische Aspekte nicht zu kurz kommen, so Weidig – schließlich handelt es sich bei den Akteuren nicht um Roboter, sondern Menschen, die auch mal Fehler machen können.

Der Schlachtruf zum Schluss

Im gemeinsamen Gespräch schließlich werden Ziele und Handlungsstrategien entwickelt, um die Leistungsoptimierung zu maximieren. Und weil es im Sport auch um Rituale geht, hat Weidig noch einen ganz besonderen Tipp zum Schluss: „Mobilisierende und motivierende Handlungsrituale sollten die Pausenaktivitäten beenden, um ein individuell optimales Aufmerksamkeits- und Aktivationsniveau zu erreichen.“ Ob das ein gemeinsamer Schlachtruf der Mannschaft, aufmunternde Worte des Trainers oder gegenseitiges Abklatschen ist, bleibt ganz der Einschätzung der Personaler überlassen. Und wer mit Fußball-Metaphern wenig anfangen kann, kann zur Not mit seiner Mannschaft ja nach Büroschluss auf ein Bier gehen.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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