Mobile Recruiting Studie
#Arbeitsmarkt & Studien | Barbara Oberrauter

Mobile Recruiting Studie

Nachholbedarf bei heimischen Unternehmen

Mobile Recruiting steckt bei österreichischen Unternehmen noch in den Kinderschuhen. Das stellt eine aktuelle Studie der deutschen Mobilagentur Wollmilchsau fest, die unter Unternehmen des Wiener Börsenindex (WBI) durchgeführt wurde. Was den mobil optimierten Bewerbungsprozess betrifft, versäumen es heimische Firmen zum Großteil noch, Kandidaten ein ansprechendes Umfeld für Tablet oder Smartphone zu bieten – und vertun damit die Chance, junge, gut ausgebildete Talente an Bord zu holen.

Mühsame Bedienung mobiler Jobbörsen

Nur etwa 44 Prozent aller untersuchten Unternehmen verfügen über eine mobil optimierte Karriereseite, stellt die Mobile Recruiting Studie fest – und das, obwohl bereits mehr als ein Viertel aller österreichischen Internetuser auch mobil nach passenden Stellen sucht: „Im Gegensatz zu den Unternehmen haben sich die Bewerber bereits auf die Entwicklungen des Mobile Recruiting eingestellt. Das vonseiten der Unternehmen verschenkte Potenzial aufgrund von nicht oder nicht konsequent mobiloptimierten Karrierewebseiten, Jobbörsen und Bewerbungsprozessen wird dabei meist unterschätzt, wenn man bedenkt, dass etwa 15-20 Prozent der Zugriffe auf Karriereseiten mobil stattfinden.“

Noch schlimmer sieht es bei firmeneigenen Jobbörsen aus: Hier ist nur ein gutes Viertel mobil optimiert. Der Rest verlangt vom Nutzer noch einiges an Nervenstärke und Durchhaltevermögen, konstatieren die Studienautoren: „Haben potentielle Bewerber die Geduld aufgebracht, sich durch einen nicht mobiloptimierten Karrierebereich zu zoomen und zu tippen, ist davon auszugehen, dass viele von ihnen spätestens bei der mühsamen Bedienung der Jobbörse der Ehrgeiz verlässt.“

Den meisten Unternehmen sei die Wichtigkeit, sich auch mobil optimal zu präsentieren, scheinbar noch nicht klar, zieht die Studie ein ernüchterndes Fazit: „Nur 26,34 Prozent der untersuchten österreichischen Unternehmen bieten ihren mobilen Besuchern eine adäquate Möglichkeit, sich über aktuelle Stellenangebote zu informieren. Die restlichen 73,77 Prozent liefern kaum nutzbare, verkleinerte Versionen der Desktop-Ansicht oder, in Einzelfällen, Fehlerseiten.“

Firmen verschrecken die besten Bewerber

Dazu kommt, dass kaum eine Firma ein mobiles Bewerbungsformular anbietet, das diesen Namen auch verdient. Nur in etwa sechs Prozent aller Fälle bekommen Kandidaten ein ansprechendes Formular präsentiert, in dem sich Daten umstandslos eintragen und Formulare unkompliziert hochladen lassen. Der Rest verschreckt interessierte Bewerber mit „endlosem Raus-und Reinzoomen“, schreiben die Studienautoren.

Auch die Möglichkeit, die eigenen Daten via Xing- oder LinkedIn-Schnittstelle einzupflegen, bleibt österreichischen Bewerbern größtenteils versagt: „Von den 61 betrachteten Unternehmen ermöglichen nur zwei, dass ihre Bewerber die persönlichen Daten einfach aus dem jeweiligen Profil importieren können und quasi nur noch auf ‚Senden‘ klicken müssen.“ Wer als österreichisches Unternehmen bereits jetzt einen mobilen Bewerbungsprozess anbietet, verfügt im Moment also noch über ein deutliches Alleinstellungsmerkmal. Und profitiert ab dem 21. April auch von verbesserten Klickraten, wenn die Mobiloptimierung offiziell als wichtiger Google Ranking Faktor etabliert wird.

Tipps für die mobile Optimierung

Um den Bewerbungsprozess ins aktuelle Jahrtausend zu bringen, haben die Experten der Mobilagentur einige grundlegende Tipps für die mobile Optimierung erstellt:

  • Zeitgemäße Content – bzw. Bewerbermanagement-Systeme für Seite und für Jobbörse
  • Themen wie Suchmaschinenoptimierung und mobile Darstellung vorab klären
  • Übersichtliche Darstellung der Inhalte
  • Bequeme Navigation
  • Optimale Integration der Stellenangebote
  • Vereinfachte (Vor-)Bewerbung (z.B. One-Click)
  • Testing der mobilen Karriereseiten und Stellenbörse auf mehreren Geräten/ mit verschiedenen mobilen Betriebssystemen

Das Fazit der Studienautoren: Karriereseite, Jobbörse und Bewerbungsformular müssen den Bedürfnissen mobiler Bewerber gerecht werden, da jede nur teilweise mobiloptimierte Variante die Employer Branding Experience nachhaltig negativ beeinflusst und weitere Recruiting-Maßnahmen nach sich zieht. „Die Anzahl der Nutzer von mobilem Internet wird weiter steigen. Die Unternehmen sollten sich dieser Veränderung im Bewerberverhalten und den damit verbundenen Aufgaben bewusst werden.“

Die Studie können Sie hier downloaden.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.