Mobbing und Bossing
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Mobbing und Bossing

Psychoterror im Büro

Wenn Kollegen gezielt schikaniert, heruntergemacht und psychisch gequält werden, spricht man von Mobbing. Darunter versteht man das Schikanieren, Drangsalieren, Benachteiligen und Ausgrenzen von Mitarbeitern und Kollegen über einen längeren Zeitraum.

Mit 7,2% liegt Österreich weit über dem EU-Schnitt, was den Psychoterror am Arbeitsplatz betrifft. Der kann fatale Folgen haben, sowohl für Gesundheit als auch berufliche und private Situations des Opfers. Am häufigsten schikanieren Kollegen. Aber auch Vorgesetzte können zum Feind werden: Beim „Bossing“ werden Mitarbeiter systematisch von ihrem Vorgesetzten drangsaliert. Was Personalabteilungen und Vorgesetzte bei Mobbing und Bossing unternehmen können und welche Rolle eine gezielte Personalplanung spielt, erlärt Gabriele Markhardt von der Arbeitsgemeinschaft für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz im Interview mit JOBnews.at.

JOBnews.at: Frau Markhardt, können HR-Abteilungen überhaupt vorbeugend gegen Mobbing und Bossing wirken?

Gabriele Markhardt: Personalabteilungen können wesentlich zur Mobbingprävention im Unternehmen beitragen. In einer offenen, transparenten Organisationskultur, wo die Führungskräfte und MitarbeiterInnen einen wertschätzenden Umgang pflegen, kommt Mobbing erwiesenermaßen weniger oft vor als in starren, rigiden Unternehmenskulturen. Gefährdet sind eher Unternehmen mit autoritären Führungsstrukturen und mangelnder Transparenz.

Es geht in erster Linie also um die Unternehmenskultur?

Es geht im Prinzip darum, welche Werte im Unternehmen gelten und gelebt werden sollen. In einer Betriebsvereinbarung kann zudem verbindlich festgelegt werden, wie mit dem Thema umgegangen wird. Ab wann externe Vermittlungsstellen oder Experten beigezogen, welche Unterstützungsangebote erhält der Mobbingbetroffene, etc.

Welche Maßnahmen sollten noch gesetzt werden?

Mobbing und Bossing dürfen kein Tabuthema sein. Die gelebte Realität in vielen Unternehmen ist leider noch immer, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. In vielen Fällen wird der Mobbingbetroffene als lästiges Übel angesehen und gekündigt, in der Hoffnung, dass damit das Problem gelöst sei. In der Regel verlagert sich aber das Mobbinggeschehen auf eine andere Person. Und Chefs, die Ihre MitarbeiterInnen mobben, suchen sich einfach ein anderes Opfer.

Reden über Mobbing als Präventionsmaßnahme?

Die Aufbereitung von Infomaterial und die Durchführung von Schulungen durch die HR-Abteilung spielen auf operativer Ebene der HR-Arbeit eine ganz wichtige Rolle. Jeder Mitarbeiter soll wissen, was Mobbing und Bossing ist, wer der Ansprechpartner im Unternehmen ist und wie er sich dagegen zur Wehr setzen kann. Führungskräfte sollten geschult werden, wie sie Mobbing im Team erkennen und damit umgehen können. In großen Unternehmen empfiehlt sich die Etablierung einer Konflikt- bzw. Mobbingberatungsstelle.

Was ist, wenn bereits jemand gemobbt wird? Wie können Personalabteilungen eingreifen?

Das hängt davon ab, wie weit der Mobbingprozess bereits eskaliert ist. In Unternehmen, wo keine offene Kultur gelebt wird, erfährt die Personalabteilung leider oft zu spät von dem Geschehen. Wenn die beiden Parteien keine Gesprächsbasis mehr finden, kann dann nur mehr eine externe Beratung  oder eine Mediation helfen.

Angenommen, man erkennt die Situation früh genug?

In einem frühen Stadium des Mobbingprozesses können geschulte HR-MitarbeiterInnen mit den beiden Parteien zunächst getrennt das Gespräch suchen. Am runden Tisch kann dann nach einer gemeinsamen Lösung gesucht werden. Wichtig ist auch, Mobbingbetroffenen eine externen psychologische Beratung zu ermöglichen. Mobbing ist oft eine extreme psychische Belastung.

Was tun, wenn der Chef seine Mitarbeiter schikaniert?

Im Falle von Bossing sollte die HR-Abteilung der Führungskraft Coaching anbieten, um die Selbstreflexions- und Kritikfähigkeit der Führungskraft zu verbessern. Eine Führungskraft, die sich ihrer Kompetenz sicher ist, benötigt kein Bossing, um unliebsame oder in ihren Augen für sie gefährliche MitarbeiterInnen loszuwerden. Sollte es allerdings trotz aller Angebote häufig zu Problemen mit einer bestimmten Führungskraft kommen, hilft manchmal nur, diesen Chef von seiner Führungsfunktion zu entbinden.

Sollte das Thema Mobbing und Bossing auch bei der Personalplanung eine Rolle spielen?

Gabriele Markhardt zum Thema Mobbing und Bossing

Gabriele Markhardt von der Arbeitsgemeinschaft für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zum Thema Mobbing und Bossing

Schon beim Recruiting sollte man nicht nur auf die formalen Qualifikationen, sondern auch auf die Persönlichkeit des Bewerbers achten. Passt die oder der Neue gut ins Team? Trägt der Bewerber die Unternehmenswerte mit? Wie konfliktfähig ist die Person? Bei der Zusammensetzung von Teams ist auch auf die richtige Mischung zu achten. Ein gut gemischtes Team besteht aus älteren und jüngeren MitarbeiterInnen, erfahrenen und weniger erfahrenen MitarbeiterInnen, Frauen und Männern etc.
Auch bei der Nachbesetzung von Führungspositionen sollte man darauf schauen, inwieweit Führungskraft und MitarbeiterInnen miteinander können. Schon allein aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann ein „mismatch“ zwischen Führungskraft und Team teuer werden. Die Leistungen eines Teams können nämlich ganz schnell sinken, wenn es zu einer Fehlbesetzung kommt.

Was können Führungskräfte tun, um Mobbing zu unterbinden?

Mobbing geschieht dort, wo es geschehen darf. Die Mitarbeiter orientieren sich bewusst oder unbewusst am Verhalten ihrer Führungskraft. In dem Moment, wo eine Führungskraft bei Mobbing in ihrem Team wegschaut, gibt sie damit unbewusst das Signal, dass es in Ordnung ist, wenn jemand gemobbt wird. Schon bei den ersten Anzeichen sollte eine gute Führungskraft daher das Thema ansprechen und nach einer Lösung mit den Mobbingparteien suchen. Auch eine dritte Person als Vermittler kann helfen. Im Prinzip ist eine offene und klare Kommunikation der Führungskraft gefragt, um Mobbing erst gar nicht entstehen zu lassen.

Wie schaut die rechtliche Situation betreffend Mobbing & Bossing in Österraus aus? Weiterlesen

INFO:
http://www.mobbing-beratung.at/



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