Mobbing am Arbeitsplatz
#HR & Recht | Franz Brandstetter

Mobbing am Arbeitsplatz

Arbeitsrechtliche Aspekte

Eine gesetzliche Definition von Mobbing gibt es in Österreich nicht. Die Wirtschafskammer definiert Mobbing als „ein Verhalten unter Kollegen, von Vorgesetzten zu Mitarbeitern („Bossing„) oder Mitarbeitern gegenüber Vorgesetzten, das darauf abzielt den Gemobbten persönlich zu verletzen, einzuschüchtern, zu entmutigen, auszugrenzen oder aus dem Arbeitsverhältnis zu drängen.“
Nach herrschender Rechtsprechung verlangt Mobbing in der Regel eine andauernde Handlung, ein prozesshaftes Geschehen, während geschlechtsbezogene Belästigungen schon durch eine einmalige schwerwiegende Verhaltensweise begangen werden können. Ob Mobbing vorliegt, muss schlussendlich anhand des konkreten Einzelfalls beurteilt werden. „Damit – laut Wirtschaftskammer – von Mobbing gesprochen werden kann, müssen solche Handlungen häufiger, über einen längeren Zeitraum und systematisch erfolgen sowie eine erhebliche Stärke erreichen.“

Fragebogen für die Feststellung von Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing – der Psychoterror am Arbeitsplatz – wurde u.a. dank der Forschungen des schwedischen Arbeitspsychologen Heinz Leymann in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Ob ein Arbeitnehmer gemobbt wird, kann man – sowohl als betroffener Mitarbeiter, als auch als Unternehmer – an Hand seines Fragebogens erkennen. Diesen Fragebogen findet man, wenn man nach seinen LIPT-Fragebogen (Leymann Inventory of Psychological Terror) im Internet sucht, etwa auch auf der Homepage der Arbeiterkammer. Arbeitgeber tun sich oft schwer damit zu beurteilen, ob ein normaler Konflikt oder Mobbing vorliegt. Die im LIPT Fragebogen angesprochenen Fragen sind arbeitsrechtlich unterschiedlich einzustufen.

  • Gewalt und Gewaltandrohung: In allen Fällen von Gewalt und Gewaltandrohung muss der Arbeitgeber sofort handeln und entsprechend seiner Fürsorgepflicht einschreiten, bzw. kann der Betroffene ein sofortiges Eingreifen des Arbeitgebers und wirksame Hilfe verlangen. Meiner Meinung nach sprechen wir hier nicht mehr von Mobbing, eine sofortige Entlassung ist – je nach Einzelfall – gerechtfertigt.
  • Arbeitsaufgaben werden verändert: wenn einem Mitarbeiter zum Beispiel gar keine oder nur sinnlose Aufgaben zugewiesen werden oder wenn jemand zu gesundheitsschädlichen Arbeiten gezwungen wird, kann von Mobbing gesprochen werden. Dagegen kann sich der Mitarbeiter inhaltlich zur Wehr setzen. Der Arbeitgeber kann nicht einseitig Aufgaben zuweisen, Änderungen der Arbeitsaufgaben bedürfen der Zustimmung des Arbeitnehmers.
  • Kontakt und Ansehen: Die Verweigerung von Kontakten, beim Reden ständig unterbrochen zu werden, das Ausgrenzen oder Isolieren von Kollegen, wie Luft behandelt werden, man spricht hinter Ihrem Rücken schlecht über Sie, man verbreitet falsche Gerüchte oder macht sich sonst lustig über Sie….in diesen Fällen kann Mobbing vorliegen, das ist auch im Einzelfall nur schwer zu beurteilen, eine sorgfältige Dokumentation ist unverzichtbar.

Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Mobbing am Arbeitsplatz

Wird schlecht hinter Ihrem Rücken gesprochen? Dann kann Mobbing am Arbeitsplatz vorliegen.

Erhebt ein Mitarbeiter einen Mobbing-Vorwurf, so muss der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nachkommen, untersuchen und bei Vorliegen von Mobbing dem Mitarbeiter wirksam helfen. Die notwendigen Maßnahmen richten sich nach dem konkreten Einzelfall und müssen der Situation angepasst und verhältnismäßig sein. Es sollte jedenfalls klargestellt werden, dass Mobbing am Arbeitsplatz nicht akzeptiert wird und der konkret betroffene gemobbte Mitarbeiter wirksam vor den Mobbinghandlungen geschützt wird. Die Angaben des Mitarbeiters müssen dafür jedoch ausreichend konkret sein. Der gemobbte Mitarbeiter ist aufzufordern, die Mobbing-Handlungen genau zu dokumentieren und festzuhalten wann, von wem und wie er gemobbt wird. Auch hier hilft die Arbeiterkammer mit einem „Mobbing Tagebuch„. Sich damit auseinanderzusetzen kann auch Arbeitgebern empfohlen werden, da es eine klare Handlungs- und Dokumentationsanleitung enthält.

Anspruch auf Schadenersatz

Wenn man als Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nicht oder nur unzureichend nachkommt, kann der gemobbte Mitarbeiter den „berechtigten vorzeitigen Austritt“ erklären. Er behält dann seinen Anspruch auf Abfertigung alt und Urlaubsersatzleistung und hat weiters einen Anspruch auf Kündigungsentschädigung. Dieser berechtigter vorzeitiger Austritt ist das Recht des Arbeitnehmers, das Dienstverhältnis unverzüglich zu beenden, vergleichbar mit dem Recht des Arbeitgebers eine Entlassung auszusprechen. Darüber hinaus kann er gegebenenfalls einen Anspruch auf Schadenersatz geltend machen. Vor einer solchen Austrittserklärung müssen Sie sich in jedem Fall sorgfältig beraten lassen.

Den Anfängen wehren

Soweit sollte man es als Mitarbeiter gar nicht kommen lassen. Wer das Gefühl hat gemobbt zu werden sollte dies deutlich und eindeutig ansprechen. Wenn notwendig ist der Arbeitgeber und wenn vorhanden der Betriebsrat zu informieren.

Sand aus dem Getriebe nehmen

Noch mehr, als aus rechtlichen Überlegungen, sollte der Arbeitgeber aus wirtschaftlichen Gründen kein Mobbing am Arbeitsplaz dulden. Mobbing ist für alle Beteiligten eine klassische „loose loose“ Situation. Reibungsverluste können Unternehmen enorm behindern und deshalb sollte das Unternehmen aktiv gegen jede Art von Mobbing vorgehen. Konkret sind in solchen Fällen der Sachverhalt zu erheben, Gespräche mit allen Beteiligten zu führen, Teambildungsmaßnahmen zu setzen oder externe Mediatoren beizuziehen. Dies hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Weiteres kann der Arbeitgeber versuchen, zu vermitteln und so den Konflikt zu lösen, den mobbenden Mitarbeiter abmahnt, versetzt oder das Arbeitsverhältnis des mobbenden Arbeitnehmers beendet.

Weiterführender Artikel zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz: Mobbing & Bossing

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Franz Brandstetter

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