Der Mitarbeiter ist Kunde
#Employer Branding & Personalmarketing | Andrea Heider

Mitarbeiter als Kunde sehen

Mit Employee Relation Management zum Unternehmensglück

Mitarbeiter als Kunden sehen – Gute Mitarbeiter sind Mangelware. 42% der Unternehmen im europäischen Raum geben an, dass sie den Mangel an Arbeitskräften als die größte Hürde für die Zukunft sehen. „Damit haben die wenigsten Arbeitgeber gerechnet“, meint Dr. Martin Schoiswohl, Geschäftsführer von CORE smartwork, der mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Positionierung, Entwicklung und Kommunikation von und für Marken, Unternehmen und Organisationen hat, im Gespräch mit Jobnews. „Bis vor zehn Jahren wurden Jobs ausgeschrieben. Massen von Menschen haben sich beworben. Der Arbeitgeber hat ausgewählt. Das war?s – sehr vereinfacht ausgedrückt“ erklärt er. „Heute wählen gute Mitarbeiter den Arbeitgeber aus“.

Der Arbeitsmarkt hat sich verändert. Er ist zwar immer noch ein Bewerbermarkt, allerdings liegt es heute an den Unternehmen, sich bei hochqualifizierten Fachkräften „zu bewerben“, so Schoiswohl. „Die etwas veraltete Sichtweise, der Pool an Arbeitssuchenden sei der Markt und Unternehmen die Kunden, hat sich ins genaue Gegenteil gekehrt: Qualifizierte Fachkräfte – ob nun arbeitssuchend oder fest angestellt – sind die Kunden, die sich in einem Pool aus wiederum mehr oder weniger qualitativen Arbeitsplätzen, Jobangeboten und Unternehmen umsehen können, um dann das beste Angebot zu ‚erwerben'“. Mitarbeiter und Bewerber gehen also einkaufen und suchen sich sprichwörtlich das beste Produkt bzw. den besten Arbeitgeber aus. Für Unternehmen wird es daher immer wichtiger, Mitarbeiter auch wie Kunden zu behandeln.

Finden, binden und motivieren

Unternehmen müssen sich folglich immer häufiger Lösungen überlegen, die den individuellen Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter entsprechen. Standardisierte Lösungen passen nicht mehr für jeden. Mitarbeiter sind jedoch der Schlüssel für jeden Unternehmenserfolg. Ein erfolgreiches Employee Relationship Management, kurz ERM, stellt Angestellte in den Mittelpunkt und deckt sämtliche Beziehungen zwischen Unternehmen und Mitarbeitern ab. „Will ein Arbeitgeber ausreichend gute Mitarbeiter finden, binden und zu mehr motivieren, muss er in den Bereichen Kommunikation, Organisation, Gesundheitsförderung und Mitarbeiterentwicklung perfekt aufgestellt sein“, erklärt Schoiswohl.

Kommunikation, Organisation, Gesundheitsförderung und Mitarbeiterentwicklung – das sind die vier Eckpfeiler des Employee Relationship Managements. Nun ist es also schwer genug qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Der „war for talents“ ist eine der größten Herausforderungen für Personalverantwortliche. Sind die Talente dann erst einmal gefunden, stellt sich die Frage, wie sie im Unternehmen gehalten werden können.

Wunsch nach Selbstverwirklichung

Die Zeiten haben sich also geändert, Arbeitsmarkt und Menschen ebenso. Bewerber können sich beispielsweise online auf unterschiedlichen Plattformen über Unternehmen, Arbeitsplätze und Arbeitgebende austauschen. „Das eröffnet bei der Arbeitssuche nie dagewesene Dimensionen“, so Schoiswohl. „Man kann heute schnell herausfinden, ob ein Unternehmen über eine eher angenehme oder unangenehme interne Kultur verfüg – ein Punkt den viele Unternehmen oftmals unterschätzen“.

Betriebe, die gute Mitarbeiter ins Boot holen möchten, müssen jedenfalls auf diese vielfältigen Veränderungen reagieren. Denn auch die Menschen selbst haben sich verändert – erwähnt seien hier etwa Generation Y oder Z: „War es vor dreißig Jahren ausreichend, einen sicheren Arbeitsplatz zu finden, der einem ein ebenso sicheres Gehalt bietet, strebt man heute nicht nur nach finanzieller Absicherung, sondern auch nach Glück, Selbstverwirklichung, Anerkennung und Sinn.“

„Zeit ist Luxus“

Menschen möchten diese Ziele nicht nur in ihrer Freizeit erreichen, sondern eben auch am Arbeitsplatz. „Die Freizeit macht im Verhältnis zur Arbeitszeit einen eher geringen Teil der Lebenszeit aus“, stellt Schoiswohl fest. Zeit ist daher ebenfalls ein wichtiges Schlagwort, wenn es darum geht qualifiziertes Personal zu finden. Das Problem ist jedoch, dass die Vorstellungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern hier auseinander gehen. Möchten Arbeitgeber so viel Zeit wie möglich von ihren Mitarbeitern, so möchten Arbeitnehmer wiederum so wenig Zeit wie möglich im Unternehmen verbringen. Klar, denn „Zeit ist der Luxus unserer Zeit. Mitarbeitende von heute und morgen fordern für sich ein ausgewogenes – oft sehr individuelles – Zeitbudget“.

Jedoch: „Unternehmen, die sich aktiv auch um das persönliche Wohl ihrer Mitarbeiter bemühen, liegen hier im Wettbewerb um Fachkräfte natürlich ungleich weiter vorne als Unternehmen, die noch der sehr antiquierten Auffassung sind, es reiche vollkommen aus, ihren Mitarbeitern als Gegenleistung für ihre Arbeit einzig und allein ein angemessenes Gehalt zu bieten.“ Dazu bedarf es natürlich einer konsequenten Markenstrategie, die nur funktionieren kann, wenn das Produkt „Arbeitsplatz“ wirklich auf allen Ebenen überzeugt. Schoiswohls Appell an alle Personalverantwortlichen, denen ERM in ihrem Betrieb ein Anliegen ist: „Schnüren Sie ein Gesamtkunstwerk, das genau zu ihrem Unternehmen passt“.

Bildnachweis: www.istockphoto.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.